Umwelt

Kaum Regen im Altkreis Köthen: Wald und Landwirtschaft leiden unter Trockenheit

In Köthen und Umgebung hat es in diesem Jahr bislang viel zu wenig geregnet. Der März war der regenärmste seit über 100 Jahren. Darunter leiden Wälder und Landwirtschaft. Was sich der Trockenheit entgegensetzen lässt.

Von Jakob Milzner 13.05.2022, 12:00
Unter dem Grün der Pflanzen gerät fast aus dem Blick, was darunter ist: staubtrockene Erde.
Unter dem Grün der Pflanzen gerät fast aus dem Blick, was darunter ist: staubtrockene Erde. Foto: Ute Nicklisch

Köthen/MZ - Auch wenn grün derzeit die dominierende Farbe in den Wäldern Anhalt-Bitterfelds ist und auf den ersten Blick alles in bester Ordnung scheint: In Wahrheit ist die Situation brandgefährlich. Denn Boden, Sträucher, Buschwerk und Bäume, sie alle bräuchten dringend Regen. Doch der ersehnte Niederschlag lässt bislang auf sich warten.

„Die aktuelle Trockenheit bereitet Kopfzerbrechen“, sagt Yves Kluge von der Köthener Feuerwehr. „Am Wochenende hatten wir schon einen Ödlandeinsatz in Dohndorf und wir sehen, dass das auch im Umland zunimmt.“ Der Grund dafür ist klar: „Wenn man sich die Grundvegetation anguckt, ist das alles vertrocknet“, sagt der Oberbrandmeister.

Der Niederschlag 2021 reichte nicht aus, um das Grundwasser wieder aufzufüllen

Ähnlich besorgt ist Jürgen Kristin vom Betreuungsforstamt Dessau, das auch für Anhalt-Bitterfeld zuständig ist. In den vergangenen Tagen korrigierte das Forstamt die Gefahrenstufe gleich zweimal nach oben; aktuell liegt diese bei vier von fünf, was hohe Waldbrandgefahr anzeigt.

„Wir zählen zu den trockensten Gebieten in Deutschland“, sagt der Förster. Und das trotz eines relativ feuchten letzten Jahres: „Das reicht nicht aus, um das Defizit in den tieferen Bodenschichten aufzufüllen“, erläutert Kristin.

Der März war in Köthen mit nur 4,8 Millimeter Regen besonders trocken

Tatsächlich verzeichnete die Köthener Station des Deutschen Wetterdienstes in den ersten vier Monaten des Jahres nur 100,8 Millimeter Regen – weniger Niederschlag gab es in den vergangenen 20 Jahren nur 2011 und 2014.

Besonders trocken war es im März: In diesem Monat fielen laut der Wetterstation Köthen gerade einmal 4,8 Millimeter Regen. Seit Beginn der Aufzeichnungen wurde dieser Wert ein einziges Mal unterschritten – vor 101 Jahren: 1921 betrug der Märzniederschlag nur vier Millimeter.

Unsere Aufforstungen leiden. Mit jedem Tag werden die Ausfälle größer.

Jürgen Kristin, Förster

Wenn es im Frühling nicht regnen will, ist das für den Wald besonders problematisch. „Unsere Aufforstungen leiden. Mit jedem Tag werden die Ausfälle größer“, beschreibt Förster Jürgen Kristin die aktuelle Situation. „Gerade haben die Laubbäume ausgetrieben und bräuchten dringend Wasser.“ Je länger es trocken bleibe, desto stärker würden die Bäume geschwächt.

Auch die Landwirtschaft leidet. Nicht nur Getreide ist betroffen; ebenso wäre der Gemüseanbau dringend auf Niederschlag angewiesen. „Der Hauptverlust liegt darin, dass die Wachstumszeit sich verlängert“, erklärt Bio-Landwirt Martin Zschoche aus dem Südlichen Anhalt.

Bewässerung kann ausbleibenden Regen in der Landwirtschaft nur teilweise kompensieren

Etwa würden Kohlköpfe bei Trockenheit nicht die normale Größe erreichen. Blumenkohl entwickle bei Wassermangel dagegen einen bitteren Geschmack. „Nicht nur die Menge, auch die Qualität wird beeinträchtigt“, sagt Zschoche.

Zwar kann er den ausbleibenden Regen durch Bewässerung ein wenig kompensieren. Das geht allerdings nur in dem Rahmen, in dem der Landkreis ihm die Nutzung des Grundwassers zugesteht. Und die Kontingente für die Landwirtschaft seien in den letzten Jahren immer weiter gekürzt worden, berichtet Zschoche.

Bäume halten die Feuchtigkeit in der Landschaft.

Martin Zschoche, Gemüsebauer

Immerhin hat dieser etwas auf dem Feld, das er der Trockenheit entgegensetzen kann: Bäume. „Die halten die Feuchtigkeit in der Landschaft“, sagt er. Wenn das im Boden gespeicherte Nass an heißen Tagen verdunste, würden Bäume den Wind bremsen und so den Abtransport des Wassers verhindern.

„Natürlich verbraucht auch der Baum Wasser“, erläutert Zschoche, „aber in Stresssituationen spart er uns das unterm Strich wieder ein.“

Diese Tipps können dabei helfen, Waldbrände zu vermeiden

Und auch die Waldbrandgefahr lässt sich eindämmen. „Auf keinen Fall rauchen im Wald und keine Feuer machen“, rät Förster Jürgen Kristin. „Wichtig ist auch, dass die Waldwege für die Feuerwehr befahrbar bleiben.“

„Wenn man draußen grillt, sollte man immer einen Eimer Wasser dabei haben“, ergänzt Yves Kluge. Im Notfall sei man aber gerüstet: „Wir haben uns vorbereitet“, sagt der Oberbrandmeister. Die Köthener Feuerwehr verfüge nun über vier Wassertanks mit je 1.000 Litern Fassungsvermögen: „Die ziehen wir mit raus, wenn größere Ödlandbrände sind.“