AG Fahrradfreundliche Kommunen

In Köthen gibt's jetzt kostenlos „Saft“ für das E-Bike

Die Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundliche Kommunen stellt der Stadt Köthen die erste Ladesäule für E-Bikes zur Verfügung.

Von Karl Ebert
Matthias Marx (re.) von der AG Fahrradfreundliche Kommunen erklärt Dezernentin Ina Rauer und Nils Kantert   die Funktionsweise der Ladesäule.
Matthias Marx (re.) von der AG Fahrradfreundliche Kommunen erklärt Dezernentin Ina Rauer und Nils Kantert die Funktionsweise der Ladesäule. (Foto: Karl Ebert)

Köthen/MZ - „Auf das Bike und los!“ Dieses Motto gilt künftig in Köthen. Und zwar nicht nur für die Bewohner der Kreisstadt, sondern auch für alle Besucher und Touristen, die auf einem Zweirad daher kommen und die Sehenswürdigkeiten der Bachstadt kennenlernen wollen. Im kleinen Park hinter dem Prinzessinhaus, umrandet von vielen grünen Bäumen und flankiert vom Schloss steht sie seit Donnerstag: Die erste Ladesäule für E-Bikes in Köthen.

Matthias Marx, der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundliche Kommunen (AGFK), deren Mitglied die Stadt Köthen seit dem August 2020 ist, übergab sie offiziell an die zuständige Dezernentin Ina Rauer und den Klimaschutzmanager Nils Kantert. Die AGFK entwickelt und unterstützt Maßnahmen, die den Fahrradverkehr in den Mitgliedskommunen stärken. Insgesamt 73 Mitglieder, also Kommunen und Landkreise, hat die AGFK mittlerweile. 52 von ihnen sollen bis Ende Oktober mit E-Ladesäulen wie jener in Köthen ausgerüstet sein.

Köthen will Gäste anlocken

„Umweltschutz ist eine Pflichtaufgabe der Kommunen. Und die technische Ausstattung geht immer mehr hin zu E-Bikes. Da ist es nur logisch, dass wir diese Entwicklung mit vorantreiben und auch davon profitieren wollen“, sagte Dezernentin Ina Rauer. „Viele Touristen erkunden die Region mittlerweile mit E-Bikes. Wir haben die Ladesäule auch deshalb mitten in der Innenstadt aufgestellt, weil wir die Gäste genau dahin locken wollen. Hier können sie unsere Sehenswürdigkeiten kennenlernen, während ihr Rad geladen wird. Oder sie nutzen diese Zeit, um einkaufen oder essen zu gehen.“

Insgesamt vier Bikes können gleichzeitig an der 2.700 Euro teuren Ladesäule „Saft“ ziehen. Und dieser ist sogar kostenlos. „Für das Laden eines Akkus des E-Bikes wird rund eine halbe Kilowattstunde Leistung benötigt. Das entspricht einem Preis von etwa 16 oder 17 Cent. Und keine Kommune ist in der Lage, diesen verwaltungstechnischen Aufwand zu leisten, um dafür auch noch Rechnungen auszustellen und zu verschicken. Dann würde sich das gesamte Projekt nicht rechnen“, erklärt Matthias Marx. „Die Kosten für die Stadt sind also überschaubar. Aber wesentlich wichtiger als der finanzielle Aspekt sollen Umweltschutz und der Imagegewinn für die Stadt sein.“

Akkus von Fahrrad und Handy können geladen werden

Geladen werden können Akkus direkt, mittels Adapter und auch eine Vorrichtung für USB-Sticks, die das Aufladen ermöglicht, ist in den Kästen installiert. Um das entsprechende Fach an der Säule während des Ladevorgangs abschließen zu können, wird eine „Ein-Euro-Münze als Pfand benötigt, so wie sie beispielsweise auch zum Aufbewahren von Gepäckstücken in Bahnhofsautomaten vonnöten ist.

Matthias Marx von der AG Fahrradfreundliche Kommunen erklärt das Innenleben einer Ladesäule.
Matthias Marx von der AG Fahrradfreundliche Kommunen erklärt das Innenleben einer Ladesäule.
(Foto: Karl Ebert)

Ronald Maaß, der sowohl als Stadtrats- als auch als Kreistagsmitglied für einen Beitritt von Stadt und Landkreis zur AGFK gestimmt hat, und mit seinen Mitarbeitern von der Beschäftigungsgesellschaft Köbeg wesentliche Vorarbeiten zum Aufstellen der Säule leistete, machte bei der Übergabe deutlich, dass es nicht damit getan sei, nur Mitglied in der AGFK zu sein. „Da müssen auch Ideen entwickelt werden und Projekte auf den Tisch, die bezahlbar und förderungswürdig sind, und deshalb von den zuständigen Räten auch positiv beschieden werden können“, erklärte Maaß.

Die Frage nach der Sicherheit musste natürlich gestellt werden

Zuletzt war Köthen durch den dem Diebstahl einer Radzählanlage, die ebenfalls die AGFK als Pilotprojekt zur Verfügung gestellt hatte, in die Schlagzeilen geraten. Das soll mit der ersten E-Ladesäule nach Möglichkeit nicht passieren. Doch die Frage nach der Sicherheit musste natürlich gestellt werden. „Wir haben bisher noch keine Meldungen über Beschädigungen oder Schmierereien erhalten“, sagt AGFK-Geschäftsführer Matthias Marx. „Ich hoffe, dass das auch so bleibt. Wer hat schon etwas davon, wenn er die E-Ladesäule beschädigt oder die Schlüssel mitnimmt, um andere zu ärgern. Es ist doch eigentlich eine Anlage, die viel Positives bewirken soll.“