Festnahme in der Nähe von Köthen

Festnahme in der Nähe von Köthen: Terrorverdacht: Syrer sprach von Rache

Bobbe/Halle (Saale) - Nach Ruhe und Frieden sieht er aus, der ehemalige Kinder- und Jugendbauernhof „Ökodomäne“ im Örtchen Bobbe, 15 Kilometer nördlich von Köthen (Anhalt-Bitterfeld). Alter Vierseitenhof, Scheunen, gepflasterter Innenhof, im Grünen ...

Von Oliver Müller-Lorey 28.01.2017, 06:00

Nach Ruhe und Frieden sieht er aus, der ehemalige Kinder- und Jugendbauernhof „Ökodomäne“ im Örtchen Bobbe, 15 Kilometer nördlich von Köthen (Anhalt-Bitterfeld). Alter Vierseitenhof, Scheunen, gepflasterter Innenhof, im Grünen gelegen.

Doch mit der Dorf-Idylle war es am Donnerstag jäh vorbei, als schwer bewaffnete Polizisten vorfuhren, Masken aufsetzten und mit Polizeihunden das Gebäude stürmten. Der Grund: Terrorverdacht gegen zwei der Bewohner - minderjährige unbegleitete Flüchtlinge. Einer von ihnen sitzt seit Freitag nun in Untersuchungshaft.

Terrorverdacht auf Jugendbauernhof in Bobbe

24 Stunden nach dem Zugriff ist in Bobbe keine Ruhe eingekehrt. Der Vorsitzende des Trägers der Einrichtung, Klaus Roth, ist über die Festnahmen überrascht, obgleich der mutmaßliche islamistische Gefährder im Heim schon vor einiger Zeit aufgefallen sei.

„Wir haben das geahnt und deshalb intensiv mit dem Staatsschutz gesprochen“, sagte Roth. „Er ist sehr oft in die Moschee gelaufen, hat intensiv gebetet und Internetseiten aufgerufen, die befremdlich waren.“ Das habe die Erzieher irritiert, weshalb sie vor etwa anderthalb Monaten dann den Staatsschutz informiert hätten.

Der festgenommene Jugendliche hatte nach Angaben der Ermittler mutmaßlich Kontakt zu einer Terrorzelle, die ihre Mitglieder im Bau von Bomben und Sprengfallen schult. Ihm wirft die Staatsanwaltschaft Halle die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat vor - mit dem Delikt ist etwa ein Anschlag gemeint. Am Freitag erließ das Amtsgericht Halle Haftbefehl gegen den jungen Mann, der nach eigenen Angaben aus Syrien stammt.

Wie Staatsanwalt Klaus Wiechmann sagte, sei der 17-Jährige teilweise geständig, teilweise relativiere er die Vorwürfe. „Er sagte, er habe Großes in Deutschland vor und sei nicht nach Deutschland gekommen, um hier zu wohnen“, so Wiechmann.

Syrer sprach von „Rache für Muslime“

Der Jugendliche soll auch von „Rache für Muslime“ gesprochen haben. Ob es bereits konkrete Pläne für einen Terroranschlag gab, und von wo und wann der Jugendliche einreiste, sagte Wiechmann nicht. Der zweite Jugendliche, der am Donnerstag zusammen mit dem Verdächtigen festgenommen wurde, ist laut Wiechmann wieder auf freiem Fuß.

Der Verdacht gegen ihn habe sich nicht bestätigt. In der Ökodomäne sind derzeit 13 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge untergebracht. Träger ist die Stiftung Evangelische Jugendhilfe St. Johannis aus Bernburg.

Landeskriminalamt und Innenministerium äußerten sich am Freitag schmallippig und verwiesen auf die Staatsanwaltschaft. Christian Fischer, Sprecher des Innenministeriums, sagte: „Die Festnahme zeigt, dass die Schutzmechanismen, die in der Vergangenheit aufgebaut wurden, greifen.“

Erst im November war in Aken, ebenfalls Kreis Anhalt-Bitterfeld, ein Taliban-Mitglied festgenommen worden. Zwei verhaftete Terrorverdächtige in drei Monaten - dennoch sieht das Innenministerium derzeit keine verschärfte Gefahrenlage in Sachsen-Anhalt. Die Frage, ob die jüngsten Fälle Auswirkungen auf den Umgang mit Gefährdern haben werde, blieb offen. Das Ministerium spricht von etwa einer Handvoll Personen, die als Gefährder einordnet werden. (mz)