Veranstalter ziehen positive Bilanz

Familiäres Miteinander - Gewinnerin des Viola-da-Gamba-Wettbewerbs in Köthen kommt aus Kanada

Von jessica vogts 12.10.2021, 13:30
 Siegerin Vanessa Hunt Russell (rechts) beim Preisträgerkonzert mit Cembalistin Zita Mikijanska.
Siegerin Vanessa Hunt Russell (rechts) beim Preisträgerkonzert mit Cembalistin Zita Mikijanska. Foto: Ratzel

köthen/MZ - „Wem die Kunst das Leben ist, dessen Leben ist eine große Kunst“, sagte einst der berühmte Komponist und Hofkapellmeister in Köthen Johann Sebastian Bach. Und große Kunst wurde über eine Woche lang im Köthener Schloss präsentiert.

Vom 3. bis 10. Oktober fand der „8. Internationale Viola da Gamba Wettbewerb Bach-Abel“ statt und versetzte Besucher und Teilnehmer für kurze Zeit zurück in das Barockzeitalter. Am Sonntag fand der renommierte Wettbewerb im Spiegelsaal des Köthener Schlosses schließlich seinen Abschluss. Die Veranstalter zeigen sich mehr als zufrieden mit dem Ergebnis. „Es verlief alles wie geplant. Es war super. Ich schwelge immer noch in Erinnerungen“, berichtet Silvia Bier, Leiterin des Wettbewerbsbüros, einen Tag später.

Nur acht Teilnehmer konnten am Ende in Köthen antreten

13 Künstler hatten anfangs ihre Teilnahme an dem Wettbewerb zugesichert. Zuvor mussten bereits einige Musiker ihre Zusage aufgrund der Reisebeschränkungen zurückziehen. Kurz vor Wettbewerbsbeginn lies Corona die Teilnehmerzahl noch weiter schrumpfen. „In der letzten Sekunde mussten noch vier Teilnehmer wegen Krankheit absagen“, bedauert Bier. Die Wertungsrunden mussten deshalb noch einmal neu verteilt werden. So waren es schließlich acht Musiker, die ihr Talent auf der Viola da Gamba präsentieren wollten.

Er hat den Hut auf: Jury-Präsident Prof. Siegfried Pank
Er hat den Hut auf: Jury-Präsident Prof. Siegfried Pank
Foto: Christian Ratzel

Am Ende kann es aber nur einen Gewinner oder eine Gewinnerin geben. Die junge Musikerin Vanessa Hunt Russell aus Kanada belegte den ersten Platz und durfte sich zudem über ein Preisgeld von 6.000 Euro freuen. „Ihr Spiel war einfach überzeugend“, begründet die Leiterin des Wettbewerbsbüros die Entscheidung der Jury. Auch ihre souveräne Ausstrahlung habe am Ende einfach dazu beigetragen. „Man hat sie angeschaut und es war sofort ein Strahlen in ihren Augen zu sehen“, fügt Bier hinzu.

Das blieb wohl auch beim Publikum nicht unbemerkt. Russell ging nicht nur als Wettbewerbssiegerin hervor, sie ergatterte auch noch den von der Viola da Gamba-Gesellschaft ausgelobten Publikumspreis, der mit 500 Euro dotiert war. Aber auch Platz zwei und drei gingen nicht leer aus. Mathilde Gomas aus Frankreich (2. Platz) und André Lislevand ebenfalls aus Frankreich erhielten 4.500 Euro beziehungsweise 3.000 Euro. Für die jungen Musiker soll das Geld eine finanzielle Unterstützung ihrer Karriere sein. „Eine gute Gambe kostet heutzutage ab 5.000 Euro aufwärts“, weiß der Präsident des Wettbewerbs, Prof. Siegfried Pank.

 Die Gewinner des Wettbewerbs André Lislevand (von links), Mathilde Gomas und Siegerin Vanessa Hunt Russell bei der Siegerehrung.
Die Gewinner des Wettbewerbs André Lislevand (von links), Mathilde Gomas und Siegerin Vanessa Hunt Russell bei der Siegerehrung.
Foto: Christian Ratzel

Der diesjährige Wettbewerb war laut den Veranstaltern eine besondere Herausforderung. „Geprägt von Corona und dem Hackerangriff auf den Landkreis“, blickt Bier zurück. Anderthalb Jahre habe die Vorbereitung des Wettbewerbs letztendlich gedauert. Aber es habe sich gelohnt. „Es war eine stressige, aber auch sehr schöne Zeit. Ich bin glücklich und zufrieden“, fasst Bier den Ausgang des Wettbewerbs zusammen. Besonders familiär sei es in diesem Jahr gewesen. Nicht nur wegen der geschrumpften Teilnehmeranzahl; von Anfang an habe zwischen allen einfach die Chemie gepasst. „Alle haben sich blind verstanden“, erklärt Bier.

Auch die Publikumszahlen sprachen für sich. „Das Preisträgerkonzert war ausverkauft“, freut sich Bier über die Resonanz. Zugang zu den Vorführungen gab es nach der 3-G-Regel (genesen, geimpft und getestet). Die Teilnehmer und die Veranstalter selbst wurden jeden zweiten Tag getestet. Das habe alles reibungslos funktioniert, versichert Silvia Bier.

300. Geburtstag von Abel steht an - Nächster Wettbewerb wird schon geplant

Seit nunmehr 1997 findet der „Internationale Viola da Gamba Wettbewerb Bach-Abel“ in Köthen statt. „Dieser Wettbewerb ist weltweit der einzige in der Form“, erklärt der Präsident des Wettbewerbs. Die Vorbereitungen für den nächsten Gamben-Wettbewerb laufen bereits an. Wenn alles nach Plan läuft, soll dieser wieder im Oktober, diesmal vom 22. bis 29. Oktober 2023 stattfinden. „Es wird beim nächsten Mal noch größer“, gibt Bier einen kleinen Vorgeschmack.

Dazu gibt es auch einen ganz besonderen Anlass: Der 300. Geburtstag von Carl Friedrich Abel, dem Namensgeber des Wettbewerbs, steht an. Und der soll natürlich gebührend gefeiert werden. Besucher und auch die Teilnehmer können sich laut den Veranstaltern auf einige Highlights freuen. Welche das genau sind, wolle man allerdings noch nicht verraten.