Elbi aus der Spraydose

Elbi aus der Spraydose: Künstler und Sekundarschüler verschönern Betriebshof in Aken

Aken - Am Betriebshof der Stadt Aken werden Radfahrer jetzt mit einem Bild begrüßt. Künstler Ralf Hecht bekam von Sekundarschülern Unterstützung.

Von Sylke Hermann
Gemeinsames Graffiti-Projekt: Der Altenburger Künstler Ralf Hecht hatte Unterstützung von Akener Sekundarschülern.

Auf den ersten Blick scheint die Wand unbezwingbar. Sie ist ziemlich hoch - über vier Meter - und durch ihre Lamellenstruktur eine echte Herausforderung. Doch Ralf Hecht weiß, was er tut.

Ralf Hecht ist von Beruf Sprayer - oder besser: Graffiti-Künstler. Er kommt aus Altenburg und verschönert triste Fassaden überall dort, wo die Eigentümer es wünschen.

An diesem Donnerstagvormittag ist der junge Mann erneut in Aken unterwegs. Vor ein paar Tagen hatte er schon einmal Anlauf genommen, die Fassade eines Betriebshofgebäudes in Aken mit Blick zur Hafenstraße zu gestalten. Doch es regnete. Die gerade aufgetragene Farbe wurde sofort wieder herunter gespült, keine Chance. Der Künstler, unterstützt von Jugendlichen der Sekundarschule Aken, musste passen. Der Wettergott war dem Kunstprojekt nicht sonderlich wohl gesonnen.

17 talentierte Jugendliche konnten sich am Betriebshof-Gebäude verwirklichen

Jetzt klappte es. Ralf Hecht und Sekundarschüler der sechsten bis zehnten Klasse nutzten den schönen Novemberanfang - und legten los. Aber erst nachdem der Experte den Schülern Ende September in einem Workshop schon ein paar Grundkenntnisse vermittelt hatte; da konnten sie üben und lernten, ein Motiv zu entwickeln und mit der Spraydose die Farbe aufzutragen. „Das ist gar nicht so einfach“, weiß Kunstlehrerin Gabriele Wendel.

In der Schule, berichtet Ariana Chwoika, habe man nicht die Gelegenheit, ein solches Projekt umzusetzen. Umso mehr freute sie sich über die Gelegenheit, dass 17 talentierte Jugendliche sich hier, am Betriebshof-Gebäude, verwirklichen konnten. Ariana Chwoika ist nicht nur stellvertretende Leiterin der Sekundarschule, sondern auch die Vorsitzende des Schulfördervereins - und in dieser Funktion Partnerin der Stadt Aken beim Graffiti-Projekt.

Das Geld kommt vom Energieunternehmen Envia. Das wiederum schickt Leute wie Ralf Hecht in die Weltgeschichte, um kleine Kunstwerke zu hinterlassen. In dem Fall ist das Elbi, das Stadtmaskottchen, auf dem Fahrrad. Wer an dieser Stelle den südseitigen Elberadweg passiert, wird mit dem Graffiti in Aken herzlich willkommen geheißen.

Ralf Hecht war selbst illegal mit der Spraydose unterwegs – jetzt will er andere davon abhalten

Ralf Hecht, der Experte im Spraydoseneinsatz, hatte als Siebtklässler das erste Mal mit Graffiti zu tun. „Durch Zufall“, erzählte er. Ein Mitschüler aus der Zehnten habe ihn angesprochen, ob er Lust darauf hätte. Später sei er mit einem Kumpel viel illegal auf Tour gewesen. Seine heutige Partnerin - privat wie geschäftlich - hatte damals als Polizistin wegen der Schmierereien gegen ihn ermittelt.

Mittlerweile gibt Ralf Hecht Workshops und versucht, junge Menschen davon abzuhalten, sich an fremdem Eigentum zu verewigen. Und er will mit diesen Präventionsprojekten zeigen, dass man aus einem Hobby auch einen Beruf machen kann. Nicht anders sei es ihm ergangen. Mit Graffiti verdient er heute sein Geld,

Wie aktuell an der Akener Betriebshoffassade. „Die Details des Bildes an die Wand zu bringen, ist bei der lammellenartigen Struktur nicht ganz einfach.“ Doch am Ende zeigte er sich durchaus zufrieden mit dem Ergebnis und dankbar für die tatkräftige Unterstützung der Sekundarschüler.

„Man muss ziemlich aufpassen, dass man nicht zu lange auf dieselbe Stelle sprüht, sonst läuft die Farbe runter“

Lena Wernecke jedenfalls hatte eine Menge Spaß am Graffiti-Projekt. Die 16-Jährige war froh, im Vorfeld wenigstens einmal probieren zu können - im Workshop mit Ralf Hecht und dessen Partnerin Susann Seifert. Erst bekamen sie Stift und Papier in die Hand, um ihre Graffiti-Idee zu skizzieren, dann die Spraydose, mit der großflächige Pappen bearbeitet werden konnten.

„Man muss ziemlich aufpassen, dass man nicht zu lange auf dieselbe Stelle sprüht, sonst läuft die Farbe runter“, weiß Kunstlehrerin Gabriele Wendel. Doch zu zaghaft dürfe man eben auch nicht damit umgehen - „sonst werden die Schmierereien darunter nicht abgedeckt“. Auch die 14 Meter lange Wand des städtischen Betriebshofgebäudes war zum Teil beschmiert gewesen.

Jetzt nicht mehr. Nach gut drei Stunden war das Ergebnis sichtbar und das Graffiti vollendet - zumindest fast. Den Feinschliff an den Konturen übernahm der Altenburger Künstler am Ende selbst. Das sei dann doch und nicht zuletzt wegen der Lamellen eine Sache für den Profi, räumte er ein. (mz)