Mehr als nur ein Schild am Schultor

Die Freie Schule Anhalt in Köthen trägt nun den Titel „Modellschule für Interkulturelles Lernen“

Von Jessica Vogts
Ein freudiges Ereignis: Ina Wiederkehr von der LAMSA (rechts) überreicht symbolisch am Donnerstag Lehrern und Schülern der Freien Schule Anhalt ein Schild für mehr Diversität und Vielfalt.
Ein freudiges Ereignis: Ina Wiederkehr von der LAMSA (rechts) überreicht symbolisch am Donnerstag Lehrern und Schülern der Freien Schule Anhalt ein Schild für mehr Diversität und Vielfalt. (Foto: Sebastian Köhler)

Köthen/MZ - Pünktlich um 10 Uhr versammelte sich am Donnerstag eine Schar von Schülern auf dem Hof der Freien Schule Anhalt in Köthen. Nicht nur, weil die Schule wieder losging, sondern weil es dazu auch noch etwas zu feiern gab. Seit Donnerstag trägt die Schule nun offiziell den Titel „Modellschule für Interkulturelles Lernen“. „Es erfüllt uns mit Stolz“, verkündet Schulleiterin Heike Makk, nachdem sie das Schild in den Händen hält. Von Schülern und Lehrern gibt es dafür tosenden Applaus. Auch ein Lied wurde noch zum Besten gegeben.

Das Landesnetzwerk Migrantenorganisationen in Sachsen-Anhalt (LAMSA) hatte im März diese Aktion ins Leben gerufen und alle Schulen in Sachsen-Anhalt dazu aufgerufen, sich um den Titel zu bewerben. Insgesamt drei Schulen in Sachsen-Anhalt, die Grundschule „Am Fliederhof“ in Magdeburg, die Förderschule „Am Südpark“ in Merseburg und eben die Freie Schule Anhalt, haben sich den Titel erkämpft.

Seit Jahren engagiert sich die Schule für Integration und interkulturelle Kompetenzen

„Die Schule hat uns überzeugt. Alle Aktivitäten im Bereich Mehrsprachigkeit, Diversität und internationale Kompetenz wirken echt und ehrlich“, begründet Ina Wiederkehr von der LAMSA die Entscheidung.

Seit Jahren engagiert sich die Schule für Integration und interkulturelle Kompetenzen. So veranstalten etwa die neunten Klassen jedes Jahr eine Projektwoche zu der Thematik. Immer wieder gab es auch Gastvorträge von geflüchteten Menschen. Durch Schulpartnerschaften zu Schulen in Tschechien oder Tansania findet regelmäßig ein Austausch statt. Makk ist das enorm wichtig für ihre Schule und möchte das auch in Zukunft beibehalten. „Für uns spielt das immer eine Rolle“, erklärt sie. Wichtig sei ihr insbesondere, den respektvollen Umgang miteinander in der Schule zu fördern. „Wir leben in einer Gemeinschaft mit Vielfalt“, macht sie deutlich.

Besonders in diesem Jahr soll die Schulgemeinschaft im Vordergrund stehen

Besonders in diesem Jahr soll die Schulgemeinschaft im Vordergrund stehen. Denn die Thematik ist aktueller denn je. „Menschen flüchten immer noch. Das sehen wir gerade in Afghanistan“, erklärt Makk. Gleichzeitig haben Menschen mit Migrationshintergrund immer noch fast täglich mit Rassismus zu kämpfen. Die Freie Schule Anhalt möchte mit dem Modellprojekt ein klares Zeichen gegen Hass und gegen Rassismus setzen. „Wir sind alle gleich“, setzt Makk ihre Rede vor den Schülern und Schülerinnen fort.

Gemeinsam mit der LAMSA werden nun im laufenden Schuljahr Ideen entwickelt. Einige davon stehen quasi schon in den Startlöchern. So sollen etwa die Elternbriefe, die Website und Schulflyer in verschiedene Sprachen übersetzt werden. „Mit dem Modellprojekt wollen wir als Landesnetzwerk die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Migrationshintergrund im Schulalltag verbessern“, erklärt Ina Wiederkehr.

Das Landesnetzwerk selbst wurde 2008 in Dessau-Roßlau gegründet

Das Landesnetzwerk selbst wurde 2008 in Dessau-Roßlau gegründet. Seit 2014 ist LAMSA ein eingetragener Verein. Er fungiert als Interessensvertretung, aber auch als Anlaufstelle für Menschen mit Migrationshintergrund in Sachsen-Anhalt. Über 107 Organisationen und Einzelpersonen unterschiedlicher Herkunft sind hier mittlerweile vertreten. Zahlreiche Projekte, wie etwa das Modellprojekt, eine Sprachvermittlung, ein Netzwerk für Eltern oder auch eine Beratungsstelle gegen Alltagsrassismus, wurden bereits ins Leben gerufen.