Reaktion auf Pandemie

Chöre in Köthen und Aken: Corona durchkreuzt viele Pläne für die Weihnachtszeit

Seit Chorproben nur noch unter 2G-plus-Vorgaben stattfinden dürfen, steigen die logistischen Anforderungen. Das Weihnachtskonzert in Aken ist deshalb schon abgesagt. Doch es soll eine Alternative geben.

Von Sylke Hermann 04.12.2021, 12:00
Die Mitglieder des Bachchors (hier bei einer früheren Probe) brauchen einen negativen Antigen-Schnelltest, um gemeinsam singen zu dürfen.
Die Mitglieder des Bachchors (hier bei einer früheren Probe) brauchen einen negativen Antigen-Schnelltest, um gemeinsam singen zu dürfen. (Foto: Ute Nicklisch)

Köthen/MZ - Mitten in der heißen Probenphase für den „Messias“ muss Martina Apitz umdisponieren. Zumindest organisatorisch. Chöre, so besagt es die neue Corona-Eindämmungsverordnung, dürfen nur noch unter 2G-plus-Bedingungen proben. Nicht ohne Grund also steht Raymond Schulz von der Sanitätsschule am Donnerstagabend vor der Agnuskirche, wo der Bachchor sich trifft. Ohne negativen Antigen-Schnelltest darf niemand hinein.

Am 11. Dezember soll das große Oratorium von Georg Friedrich Händel in der Jakobskirche erklingen. Leise melden sich bei Chorleiterin Martina Apitz Zweifel, ob das überhaupt noch zulässig sein wird. Aber leise nur. „Wir haben so lange darauf hingearbeitet und geprobt“, sagt sie. Seit über einem Jahr, um genau zu sein. Mit Pausen – coronabedingt.

Einige Solisten und Musiker waren nicht geimpft oder genesen

Nun hat Martina Apitz zwar ein „gutes Gefühl“, was die Leistung ihres Chores angeht. Doch die hohen Inzidenzzahlen, gesteht sie, bereiteten ihr Sorgen. Alle, die am Samstag vor dem dritten Advent in der Kirche den „Messias“ singen, seien geimpft; einige Solisten und auch Musiker habe sie allerdings „schweren Herzens“ von der Liste der Mitwirkenden streichen müssen, weil sie nicht geimpft oder genesen sind. Das Publikum sei zurückhaltend, merkt sie am zögerlichen Kartenverkauf. Dennoch: Der Bachchor probt weiter für den „Messias“.

Werner Otto, der Vorsitzende des Akener Männerchores, hätte auch gern zum großen Konzert in die Nikolaikirche eingeladen. Doch daraus wird nichts. Die Herren haben sich entschieden, alle Aktivitäten auf Eis zu legen: keine Proben, keine Konzerte, kein geselliges Beisammensein in der Adventszeit. Das 52. Weihnachtskonzert am 19. Dezember – es ist gestrichen.

„Wir hatten voriges Jahr schon kein Konzert“

„Wir hatten voriges Jahr schon kein Konzert“, erinnert er, „da wollten wir es dieses Jahr ein bisschen größer aufziehen.“ Mit Künstlern vom Anhaltischen Theater Dessau, mit den Posaunenbläsern aus Aken und natürlich mit allen Chören. Der Kirchenchor wäre dabei gewesen, der Frauenchor, auch der Kinderchor der Grundschule. „Ich finde das alles sehr traurig“, gesteht der Akener und spricht von „einer riesigen Einschränkung des gesellschaftlichen Lebens“. Doch beim Blick auf das Infektionsgeschehen bleibe einem gar keine andere Wahl, als so zu reagieren und das Konzert abzusagen.

Auch Ingeborg Nielebock, die den Akener Kirchenchor leitet, bedauert die Absage sehr und habe „fast schon damit gerechnet“. In diesen Zeiten ließen sich kaum andere Schlüsse ziehen. „Schade.“ Dennoch will sie versuchen, mit ihrem Chor unter 2G-plus-Vorgaben weiter zu proben. Sie hofft, „dass wir uns trotzdem zum Weihnachtsliedersingen treffen können“. In einem größeren Raum vielleicht. Oder auch draußen. Eine Option, die sie mit dem Schlosschor der Köthener Musikschule „Johann Sebastian Bach“, den sie ebenfalls leitet, zumindest in Erwägung zieht.

Ende der vergangenen Woche hat sich Ingeborg Nielebock mit ihrem Schlosschor besprochen

Grundsätzlich, beobachtet Ingeborg Nielebock, ließen sich ihre sangesfreudigen Mitglieder in Köthen von den Umständen bisher kaum beirren. „Die wollen unwahrscheinlich gern gemeinsam singen. Es ist beeindruckend, mit welcher Begeisterung sie zu den Proben kommen.“ Für kurze Zeit, erzählt die ausgebildete Gesangslehrerin, habe sie sogar „vergessen können, dass es Corona gibt“.

Ende der vergangenen Woche hat sich Ingeborg Nielebock mit ihrem Schlosschor besprochen und überlegt, ob mit ein paar Weihnachtsliedern vielleicht irgendwo in einem Hof gesungen werden könnte, so dass die Bewohner die Fenster öffneten und zuhörten. Doch man werde abwarten, was in den kommenden Wochen noch zulässig sei.

Akener Chöre sollen sich in Online-Adventskalender präsentieren

„Wir wollen alle nicht, dass etwas passiert und sich jemand ansteckt, weil er eine Probe oder ein Konzert besucht“, betont Ingeborg Nielebock und weiß: „Es ist jetzt wieder eine schwierige Zeit.“ Umso schöner, dass die Akener Chöre sich trotz allem ihrem Publikum präsentieren können – im Online-Adventskalender der Kirchengemeinde, der auf deren Youtube-Kanal abrufbar ist. Hinter einigen Türchen, verspricht die Chorleiterin, würden auch Weihnachtslieder erklingen. Die Aufnahmen für dieses Format seien für sie durchaus „ein Lichtblick“ gewesen.

Werner Ottos Männerchor hat sich ebenfalls vor der Kamera präsentiert. Dennoch seien alle traurig, das 52. Weihnachtskonzert absagen zu müssen. 2G plus sei logistisch einfach nicht zu stemmen. „Wie soll man denn am Wochenende 300 Leute testen?“ So viele Besucher habe man zu früheren Konzerten in der Kirche begrüßen können. „Mit 2G hätten wir es vielleicht noch gemacht, aber 2G plus kriegen wir nicht hin“, sagt der Vereinsvorsitzende. „Wir sind zwar alle geimpft, aber auch nicht mehr die Jüngsten. Das Risiko ist mir einfach zu groß.“

Trotzdem versichert er: „Der Männerchor wird deswegen nicht in den Ruhestand gehen. Sobald die Möglichkeit besteht, wieder gemeinsam zu singen, legen wir los. Da wir von Hause aus Frohnaturen sind, werden wir auch diese Zeit überstehen“, ist er überzeugt.