Bachwettbewerb Köthen

Bachwettbewerb Köthen: Der Professor geht

Köthen/MZ - Es hätte nahe gelegen, dass Gerhard Erber einmal Klaviere bauen würde, war doch sein Vater Fritz Klavierbauer und 1920 Gründer der größten Reparaturwerkstatt für Tasteninstrumente Anhalts in der Dessauer Antoinettenstraße (später „Musik-Erber“). Doch der Sohn spielte lieber auf dem Instrument und studierte von 1953 bis 1959 bei Professor Amadeus Webersinke an der Leipziger Musikhochschule ...

Von Claus Blumstengel 29.10.2013, 20:58

Es hätte nahe gelegen, dass Gerhard Erber einmal Klaviere bauen würde, war doch sein Vater Fritz Klavierbauer und 1920 Gründer der größten Reparaturwerkstatt für Tasteninstrumente Anhalts in der Dessauer Antoinettenstraße (später „Musik-Erber“). Doch der Sohn spielte lieber auf dem Instrument und studierte von 1953 bis 1959 bei Professor Amadeus Webersinke an der Leipziger Musikhochschule Klavier.

Seine bis heute anhaltende Liebe zum Werk Johann Sebastian Bachs scheint aus jener Zeit zu rühren; denn gleich anschließend begann er als Klavierlehrer beim Leipziger Thomanerchor, 237 Jahre, nachdem Bach hier seine Tätigkeit als Thomaskantor aufgenommen hatte. Als sich in den 1970er Jahren in Leipzig der Kleine Bachwettbewerb etablierte, wirkte Erber natürlich daran mit. Bis zur Wende, dann war Schluss. Wiederbelebungsversuche scheiterten mangels Sponsoren.

Aber da gab es ja noch eine Bachstadt, mit der Gerhard Erber als gebürtiger Dessauer und durch viele Konzerte eng verbunden war. „Man könnte doch hier etwas mit Bach machen“, dachte sich der renommierte Pianist und rief 1996 in Köthen eine „Bach-Werkstatt“ für Musiklehrer und ihre Schüler aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ins Leben. Mit erfreulicher Resonanz, wie der heute 79-Jährige rückblickend feststellt.

Um die 100 Teilnehmer kommen

Das Interesse daran war bis 1998 derart gewachsen, dass er sich ein Jahr später entschloss, in Köthen einen Nationalen Bach-Wettbewerb für junge Pianisten ins Leben zu rufen, den seit 2001 die Köthener Bach Gesellschaft alle zwei Jahre veranstaltet. Um die 100 Teilnehmer kommen jedes Mal aus ganz Deutschland. Und in den vergangenen sieben Jahren war Gerhard Erber stets Vorsitzender der Jury.

Beim Bach-Wettbewerb am vorigen Wochenende jedoch saß der Pianist im Publikum. Den Vorsitz hat er in die jüngeren Hände des ebenfalls aus Leipzig stammenden Klavierprofessors Dietmar Nawroth gegeben. Für sein langjähriges Engagement und seine Verdienste um den Wettbewerb wurde Gerhard Erber zum Ehrenvorsitzenden der Jury ernannt.

„Den heutigen hohen Rang hätte dieser Wettbewerb ohne seinen geistigen Vater Gerhard Erber nicht erreicht, ja es gäbe den BachWettbewerb gar nicht ohne ihn“, würdigte Köthens Oberbürgermeister Kurt-Jürgen Zander das Wirken des Künstlers. Erber habe in all den Jahren voller Enthusiasmus und Freude mit den Kindern und Jugendlichen gearbeitet, so Zander.

Der so geehrte kündigte gegenüber der MZ an, dass er nicht nur die künftigen Bach-Wettbewerbe für junge Pianisten interessiert verfolgen, sondern auch im Publikum sitzen werde, so es seine Gesundheit erlaubt. Höchstwahrscheinlich bleibt er auch seiner Gewohnheit treu und nimmt dann stets einige Flaschen Köthener Bach-Bier mit nach Leipzig. „Das gibt es dort nicht“, sagt er. Nicht nur des Bieres wegen wird er die Köthener Brauerei in guter Erinnerung behalten, war sie doch die ersten Jahre Hauptsponsor des Bach-Wettbewerbs für junge Pianisten und finanzierte als Preis für die Sieger Klavierunterricht bei hochrangigen Lehrern.

Langweilig wird es Gerhard Erber ohne den Jury-Vorsitz ganz bestimmt nicht, gibt er doch nach wie vor Konzerte, so zum Beispiel am Sonntag vor dem Köthener Wettbewerb im Westfälischen Haus in Markkleeberg. Dort hörte das Publikum von ihm allerdings nicht Bach, sondern Chopin.