Aken

Aken: Veranstaltung informiert über Rückkehr des Wolfes

aken/MZ - Man merkt Christian Emmerich an, dass er Routine hat in der Beantwortung der drängenden Fragen. „Sie sind überall dieselben“, weiß der Mann aus Dessau, der seit Jahren landauf, landab im Auftrag des Naturschutzbundes das Thema „Rückkehr des Wolfes“ mit Vorträgen begleitet. Dieser Tage hat Emmerich einen Termin in Aken gehabt - aus besonderem Grund, weil gerade in der Elbestadt in den zurückliegenden Wochen durchaus emotional über die Rückkehr des grauen Jägers diskutiert wurde. Ausgangspunkt war seinerzeit das (vermutliche) Auftauchen eines Wolfes bei Osternienburg. Das Tier war fotografiert worden, das Bild in der MZ hatte für große Aufmerksamkeit gesorgt - und durchaus bei nicht wenigen Einwohnern der Region um Aken und Osternienburg auch Besorgnisse ...

Von matthias bartl 27.03.2013, 18:46

Man merkt Christian Emmerich an, dass er Routine hat in der Beantwortung der drängenden Fragen. „Sie sind überall dieselben“, weiß der Mann aus Dessau, der seit Jahren landauf, landab im Auftrag des Naturschutzbundes das Thema „Rückkehr des Wolfes“ mit Vorträgen begleitet. Dieser Tage hat Emmerich einen Termin in Aken gehabt - aus besonderem Grund, weil gerade in der Elbestadt in den zurückliegenden Wochen durchaus emotional über die Rückkehr des grauen Jägers diskutiert wurde. Ausgangspunkt war seinerzeit das (vermutliche) Auftauchen eines Wolfes bei Osternienburg. Das Tier war fotografiert worden, das Bild in der MZ hatte für große Aufmerksamkeit gesorgt - und durchaus bei nicht wenigen Einwohnern der Region um Aken und Osternienburg auch Besorgnisse hervorgerufen.

Um der Diskussion eine faktische Grundlage zu geben, hatten die Akener Ornithologen und der Nabu den Mann aus Dessau eingeladen und Emmerich hatte reichlich Informationsmaterial in den Gemeindesaal der evangelischen Kirche mitgebracht. Und beantwortete auch die unausgesprochene Frage: Kann der Wolf nach Aken kommen? „Natürlich kann er“, sagt Christian Emmerich. Und rechnet einfach mal die Abstände zu den nächstgelegenen Wolfsrevieren vor: Bis Altengrabow, wo sich das erste sachsen-anhaltische Rudel angesiedelt hat, sind es Luftlinie 40 Kilometer. Das Rudel in Göritz - jüngster Wolfsnachweis in der territorialen Nachbarschaft - ist gerade mal 25 Kilometer entfernt. „Und der Wolf kann in einer Nacht problemlos 50 bis 70 Kilometer zurücklegen“, sagt Emmerich.

Der Wolf macht sich rar

Heißt es also bald in den Wäldern bei Aken: Willkommen, Wolf?! Vielleicht, vielleicht auch nicht. Berechenbar ist Isegrim in dieser Hinsicht nicht. Aber dass er seine Reviere in den zurückliegenden 15 Jahren im Osten Deutschlands durchaus kontinuierlich erweitert hat, ist unbestritten. Emmerich hat die Fakten: 1998 sind auf einem Truppenübungsplatz in der Lausitz die ersten deutschen Wölfe nach über 150 Jahren wieder heimisch geworden. Seitdem stellen ihm auch die Biologen und Naturschützer nach - allerdings nicht, um dem Wolf die Wiederansiedlung zu vermiesen, sondern um Fakten über eine seltene Spezies in der hiesigen Natur zu sammeln. Daher ist der Wolf auch so gut dokumentiert wie kaum ein anderes Säugetier hierzulande.

Mit den gebotenen Einschränkungen freilich: Der Wolf macht sich rar, gesehen wird er kaum, die Nachweise resultieren zumeist aus Pfotenabdrücken, Riss-Sichtungen, Kotproben und Fotofallen-Bildern. Dem Menschen, das wird Emmerich nicht müde zu betonen, geht der Wolf aus dem Weg.

Besorgte Nachfragen

Denn das ist natürlich die größte Sorge, die die Menschen bewegt, die im Wolfserwartungsland wohnen. Zum Beispiel: Kann ich mit meinen Kindern noch eine Radtour durch den Wald machen, wenn da der Wolf wohnt, will eine Frau wissen. Der Wolf greife nicht einmal an, wenn er Welpen habe, sagt Emmerich. Und: „Je mehr Menschen auf einem Haufen sind, um so schneller macht er die Biege.“ Bauer Roland Jungmanns Sorge galt mehr der Zukunft: „Was hier passiert, kann uns in 20 Jahren um die Ohren fliegen“, nämlich dann, wenn immer mehr Wölfe sich ansiedeln würden. Emmerich: „Die Anzahl der Beutetiere, reguliert die Anzahl der Raubtiere, so hat es die Natur eingerichtet.“ Anders gesagt: Eine Wolfsschwemme ist nicht zu erwarten. Allerdings will Emmerich auch nicht ausschließen, ob nicht doch irgendwann über die „Wolfspille“ oder über Abschusszahlen nachgedacht werden kann - bis dahin freilich ist es mehr als weit. Der Wolf ist gerade erst angekommen, er steht unter gesetzlichem Schutz - „das muss jeder akzeptieren“, was vor allem an diejenigen gerichtet ist, die in erster Linie vom Wolf betroffen sind: Jäger, denen im Wolf ein Konkurrent entstanden ist, Landwirte, denen der Wolf Tiere von der Weide holen kann.

Auch die Frage nach der „Ausrottung“ der Mufflons in Sachsen durch den Wolf gehört zum regelmäßigen Kanon solcher Info-Veranstaltungen, weiß Emmerich, und ebenso der Streit darum, ob in Deutschland eine Mehr- oder eine Minderheit für den Wolf vorhanden sei.

Dessen Rückkehr ist zwar keine demoskopische Angelegenheit, dafür aber auch eine der Akzeptanz. „Das Zusammenleben von Wolf und Mensch funktioniert nur, wenn der Mensch es möchte“, sagt Christian Emmerich.