„Absolute Chaossituation“

„Absolute Chaossituation“: Feuerwehrmann schildert Eindrücke vom Zugunglück in Maxdorf

Maxdorf - Laster stößt bei Maxdorf mit Zug zusammen. Wie es dazu kommen konnte, ist bislang unklar.

Von Doreen Hoyer 25.08.2018, 07:00

Ein 27-jähriger Lkw-Fahrer aus Berlin ist bei einem Zugunglück am Donnerstagabend nahe Köthen gestorben. Am Bahnübergang bei Maxdorf stieß sein Lkw mit einem Intercity zusammen. Der Unfall ereignete sich um 20.45 Uhr.

Neun Feuerwehren aus Köthen und Umgebung waren im Einsatz, mit dabei auch Yves Kluge von der Köthener Wehr. Die Kameraden seien auf dem Weg zu einem Silobrand bei Arensdorf gewesen, als sie von dem Zugunglück erfuhren, berichtet er am Freitag der MZ. Während die Wehren aus Baasdorf und Arensdorf sich um das Silo kümmerten, änderten die Köthener ihre Richtung und fuhren zur Unglücksstelle bei Maxdorf, weil es sich dort um einen schwerer wiegenden Notfall handelte.

„Für den Fahrer kam leider jede Hilfe zu spät“

„Es war eine absolute Chaossituation“, erinnert sich Kluge an seinen ersten Eindruck am Unglücksort. Die Trümmerteile seien über eine Strecke von 700 Metern verstreut gewesen. Blech vom Lkw-Fahrerhaus habe noch am Triebwagen des Zuges gehangen. „Für den Fahrer kam leider jede Hilfe zu spät“, so Kluge.

„Zum Glück haben die Bahnmitarbeiter vorbildlich gehandelt“, sagt der Feuerwehrmann weiter. Die Zugpassagiere hätten alle im Zug auf ihre Evakuierung gewartet und seien nicht draußen herumgelaufen. Die Passagiere seien unverletzt geblieben, zwei Bahnmitarbeiter seien leicht verletzt worden. Die beiden sind laut Polizei 41 und 58 Jahre alt und stammen aus Sachsen-Anhalt. Gegen 23 Uhr habe man die 52 Passagiere aus dem Zug geholt, so Einsatzleiter Lutz Hause von der Kleinpaschlebener Feuerwehr. In kleinen Gruppen wurden die Leute zu Taxis gebracht.

Nach der Evakuierung, die etwa bis 23.30 Uhr dauerte, habe sich „ein kleiner Kreis erfahrener Kameraden“ daran gemacht, den verunglückten Lkw-Fahrer mit hydraulischem Gerät aus dem Wrack zu holen, erzählt Hause. Insgesamt seien 75 Feuerwehrleute im Einsatz gewesen, dazu unter anderem auch Kräfte des Technischen Hilfswerkes und des ADAC.

Der Zug war aus den Gleisen gesprungen und stand neben den Schienen

Vor Ort waren auch vier Rettungswagen und zwei Notarztwagen. Gegen 6.45 Uhr sei der Einsatz dann beendet gewesen. Die Köthener Feuerwehr war indes früher wieder zurückgefahren, um für eventuelle neue Notfälle einsatzbereit zu sein.

Nach dem Unfall musste nicht nur der Lkw samt Sattelauflieger geborgen werden. Der Zug war aus den Gleisen gesprungen und stand neben den Schienen. Nach Polizeiinformationen kam der Intercity erst mehrere hundert Meter nach dem Bahnübergang zum Stehen. „Die Lok entgleiste dabei mit dem ersten Drehgestell und beschädigte mehrere Hundert Meter Bahnschiene.“

Die Bahnstrecke zwischen Köthen und Magdeburg sowie die Kreisstraße 2097 mussten gesperrt werden. Letztere konnte am Freitag gegen 11.30 Uhr wieder freigegeben werden. Die Bahn leitete Züge über Bitterfeld und Dessau um und informierte, die Strecke werde voraussichtlich am frühen Samstagmorgen freigegeben mit einer Begrenzung auf 50 Stundenkilometer. Am Freitag wurden Schwellen ausgewechselt und Schotter ausgetauscht. Am Montag wird das Gleis noch einmal von 10 bis 14 Uhr gesperrt.

War die Schranke am Bahnübergang in Maxdorf defekt?

Unklar ist bislang, wie es zu dem Unfall kam. Funktionierte vielleicht die Bahnschranke nicht? Ein entsprechendes Foto kursiert derzeit im Netz. Es soll den Bahnübergang wenige Stunden vor dem Unfall mit geöffneten Schranken zeigen - während gleich zwei Züge durchfahren. Zudem meldeten sich auf Facebook Nutzer, die berichteten, Züge seien an dieser Stelle schon länger auffällig langsam und vorsichtig gefahren.

Die Deutsche Bahn gibt zum Zustand der Schranke keine Auskunft. Auf MZ-Nachfrage antwortete die Pressestelle: „Die Untersuchungen zum Unfallhergang und zur Unfallursache klären die Polizei- und Ermittlungsbehörden.“ Man wolle Spekulationen nicht befeuern und werde die Polizei nach Kräften unterstützen.

Doreen Wendland, Pressesprecherin der Polizei-Direktion Ost, sagte, die Unfallursache sei Gegenstand der laufenden Ermittlungen. „Ob die Schranke offen oder geschlossen war, kann ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht sagen.“ (mz)