„Wir“-Verein

„Wir“-Verein : Gartengericht ist sehr gefragt

Jessen - 20 Jahre „Wir“-Verein in Jessen – Margit Mehr und ihr Team hatten im Vorfeld viel vorbereitet und sich viele, viele Gäste gewünscht. Und tatsächlich: Bei herrlichem Sonntagswetter wandern die ersten Besucher schon beizeiten durchs ...

Von Gabi Zahn

20 Jahre „Wir“-Verein in Jessen – Margit Mehr und ihr Team hatten im Vorfeld viel vorbereitet und sich viele, viele Gäste gewünscht. Und tatsächlich: Bei herrlichem Sonntagswetter wandern die ersten Besucher schon beizeiten durchs Gartentor.

Im Festzelt stehen Tische und Bänke samt Kuchenbuffet bereit. Der DJ und die Bühnentechnik ebenfalls. Doch dann passiert es: Fünf Minuten vor Beginn liegt noch immer kein Strom an. Die Chefin versucht ihre Aufregung zu verbergen, zieht im Hintergrund „Fäden“, die zu einigen Helfern führen. Nach etwa einer halben Stunde signalisieren diese: „Alles paletti!“

Sie tritt ans Mikrofon und verkündet: „So ist das nun mal bei uns. Wir müssen uns jeden Tag durch irgendwelche Probleme kämpfen. Sogar heute. Aber letztlich haben wir die wichtigsten Dinge immer geschafft. Vor allem, weil wir freundliche Menschen kennen, die uns helfen und nie die Hoffnung verlieren. Dankeschön!“ Der Applaus ist gewaltig.

Rückblick

Margit Mehr erinnert: „Am 12. September 1996 trafen sich 13 arbeitslose Frauen in Holzdorf und gründeten den Verein.“ Er sollte ihnen und vielen anderen Hilfe zur Selbsthilfe bringen. „Das ist unsere ureigene Aufgabe geblieben“, resümiert sie. Ihr Blick zieht durch die Zuschauerreihen hin zu Heike Kreutz. Die Schweinitzerin war eine der Gründungsmitglieder. Auch Irene Jaschinski, Angelika Behr und Cornelia Tröst gehören dazu.

Der Verein wurde zum zentralen Anlaufpunkt für sozial benachteiligte Familien und 1998 durch den „Sozialen Dienst“ und die Kreativabteilung erweitert. Seit 1999 ist der Hauptsitz in Jessen. In Plossig, Klöden und Linda wurden „Erzählkaffees“ und in Annaburg ein Frauentreff eröffnet. In Prettin übernahm der Verein den Schlosskräutergarten.

Bedürftige werden verköstigt

Seit 2004 gibt es die „Jessener Tafel“ und das soziale Reisebüro. 2008 konnte das Areal des Kräutergartens im Kirschweg und am 1. November das kultur-touristische Mehrgenerationenhaus (ehemalige Poliklinik) in der Robert-Koch-Straße übernommen werden. Längst hat der „Wir“-Verein überall im Altkreis Jessen Anlaufstellen und ist präsent: zu Volksfesten, Schul- und Kinderfesten – seit Anfang des Jahres auch in der Prettiner Lichtenburg. Jüngstes Projekt ist der Schwanenteich.

Bürgermeister Michael Jahn (SPD) bekräftigt: „Die Stadt wird noch viel strukturierter mit dem ,Wir‘-Verein zusammenarbeiten. Wir brauchen ehrenamtliche Arbeit mehr denn je.“ Er überreicht Margit Mehr zwei Jubiläumsmedaillen der Stadt Jessen in purem Silber. Noch gewichtiger ist sein folgender Satz: „Eure Arbeit ist nicht mit Geld zu bezahlen.“

Auch Landrat Jürgen Dannenberg hat ein Silber funkelndes Geschenk mitgebracht. Es ist ein riesiger Kochtopf: „für große Portionen aus eurer Landfrauen-Suppenküche.“ Sein praktisches Mitdenken kommt gut an. Dannenberg dankt dem Verein für sein Engagement in Jessen „und als Landrat darf ich sagen – auch im gesamten Landkreis!“ Er wünscht Ausdauer und Kraft, für alles, was ansteht. Marion Winkler, im Landkreis zuständig für Regionalentwicklung, lobt: „Ohne Margit Mehr würde es den ,Wir‘-Verein nicht geben. Sie bringt in der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Wittenberger Land sehr viel ins Rollen. Sie ist wie ein Stehaufmännchen.“

Auch EU-Mittel fließen

Arne Lietz, SPD-Europaabgeordneter, betont, dass auch EU-Mittel in die Vereinsarbeit integriert werden. Lietz würdigt das Engagement als beispielgebend in der Region und spricht eine Einladung aus: „Kommen Sie mich in Strasbourg besuchen!“

Stellvertretend für die Sekundarschule Jessen-Nord, mit der ein Partnerschaftsvertrag besteht, dankt die Schulband „Nordlicht“ mit rhythmischer Power für die enge Zusammenarbeit: „Lady in black“, „Joline“, „Knocking on heavens door“ und „Jugendliebe“. Das Publikum feiert die jungen Musiker und ihren Leiter Burkhard Hündorf geradezu. Die Mädchen und Jungen der Max-Lingner-Grundschule gratulieren mit Chorliedern. Eine Modenschau und ein Theaterstück des „Wir“-Vereins sind weitere kulturelle „Hingucker“ im Zelt, während zum Trödeln eingeladen ist, zum Basteln, Spielen und zu sportlichem Spaß.

Obwohl die Frauen in der Küche reichlich gekocht haben, ist das Leibgericht aller Kräutergarten-Besucher – Kartoffeln und Quark – als erstes ausverkauft. Bis in den Nachmittag hinein vergnügen sich die Besucher im Kräutergarten und genießen das gesellige „Wir“-Gefühl.  (mz)