Schlüterhof in Naundorf

Schlüterhof in Naundorf: Strauße erhalten viel Besuch

Naundorf - Vor Überraschungen sind die Besitzer der Straußenfarm Schlüterhof in Naundorf bei Seyda nie sicher. So auch zum diesjährigen Winterfest. Ein Besuch veranlasste Betreiber Erhard Schlüter zu der Bemerkung: „Wir sind wieder mal richtig ...

Von Boris Canje 21.12.2016, 15:14

Vor Überraschungen sind die Besitzer der Straußenfarm Schlüterhof in Naundorf bei Seyda nie sicher. So auch zum diesjährigen Winterfest. Ein Besuch veranlasste Betreiber Erhard Schlüter zu der Bemerkung: „Wir sind wieder mal richtig multikulti“.

Während er nämlich gerade eine Gruppe verabschiedete, fiel ihm schon eine zweite auf, die gerade ankam. Und zwar wegen der Hautfarbe der Ankömmlinge. Sogleich war der Gastgeber mit ihnen im Gespräch vertieft. Die Neugier war groß.

Sie merkten erst, wie dabei die Zeit verging, als es ihnen draußen zu kühl wurde. Daher lud Schlüter seine neuen Gäste in den Hofladen ein.

Auf der Straußenfarm Schlüterhof leben derzeit 90 der großen Laufvögel unterschiedlichen Alters in mehreren Gehegen, zu denen auch immer eine Unterstellmöglichkeit für die Tiere gehört. In Spitzenzeiten sind es auch schon mal 120 Tiere. Geöffnet ist von 10 bis 18 Uhr. Wer eine Führung wünscht, der sollte spätestens um 15.30 Uhr auf der Farm eintreffen, weil die Tiere noch im Hellen gefüttert werden müssen.

Er erfuhr, seine Besucher sind eine Familie aus Berlin. Der groß gewachsene Mann in dunkler Hautfarbe ist gebürtiger Sudanese und hatte sich gemeinsam mit seiner Frau, eine Syrerin, und dem jüngsten Nachwuchs, 13 Monate alt, auf den Ausflug nach Naundorf gemacht.

Mit im Bunde noch zwei junge Männer - der Bruder der Frau und der andere Sohn des Familienoberhauptes aus erster Ehe, dessen Mutter ist Ungarin. Total multikulti also.

Da war natürlich eine der ersten Fragen, was eine Familie aus Berlin ausgerechnet nach Naundorf trieb. Salama, so heißt der Sudanese, braucht da nicht lange zu überlegen. Strauße sind für ihn keine unbekannten Tiere, auch wenn er sie nur aus dem Zoo kennt und nicht aus der freien Wildbahn, erklärt er.

Nun habe er gehört, dass von diesen großen Vögeln fast alles verarbeitet wird, vom Fleisch und den Eiern über die Federn bis zur Haut. Das wollte er sich einmal mit seiner Familie ansehen, mehr Informationen dazu bekommen.

Das Suchportal Google hat ihn dann zu Schlüters geführt. Ein erstes Angebot, etwas vom Strauß zu probieren, lehnten sie jedoch dankend ab. In den Grillwürstchen, das verschwieg Erhard Schlüter nicht, ist ein geringer Anteil Schweinefleisch enthalten und das ist für Moslems, wie Salama, Tabu.

Trotzdem interessierten sie sich dafür, was alles aus dem Vogelfleisch hergestellt wird. Besonders hatte es ihnen das Leder angetan, auch wegen seines eigenartigen Musters durch die Löcher der Federkiele. Sogar die Haut der Füße wird gegerbt und zu Leder verarbeitet. Zu Taschen zum Beispiel.

Die sind, wusste Barbara Schlüter zu berichten, nicht billig. Interessant war für die Besucher aber auch, dass das Klima hier in Deutschland durchaus geeignet ist, Strauße zu halten. Kälte macht ihnen nicht viel aus.

Derzeit bedecken sie mit ihren Flügel allerdings die Oberschenkel, weil dort keine Federn für Wärme sorgen. Ein Problem, das zur Zeit die Gemüter bewegt, verschweigt Erhard Schlüter nicht: die Vogelgrippe.

„Wir können unsere Vögel nicht in einen Stall einsperren.“ Auch können ihre großflächigen Gehege nicht überdacht werden. Deshalb haben sich Schlüters wieder einmal eine Ausnahmegenehmigung vom Einstallungsgebot holen müssen.

Natürlich wollten sich die Gäste auch die Tiere ansehen. Etwas erstaunt waren sie schon, als diese an den Zaun kamen, dabei sind Strauße doch eigentlich Fluchttiere. Aber síe sind mindestens genauso neugierig. Wenn sie aber durch irgendetwas erschreckt werden, suchen sie das Weite. Sind aber ebenso schnell wieder zurück.

Für Salama und seine Familie war es ein sehr informativer Besuch auf der Straßenfarm in Naundorf, bei dem auch viele ihrer Fragen bei einem Kaffee oder Tee mit Plätzchen oder Stollen kompetent beantwortet wurden. Und wer Schlüters kennt, weiß auch, dass der Spaß dabei nicht zu kurz kommt.

(mz)