Schlittenhunderennen in Leipa

Schlittenhunderennen in Leipa: Bei „Go!“ kein Halten mehr

Leipa - 31 Teilnehmer aus drei Bundesländern gehen in Leipa an den Start. Der Nachwuchs hat den Sport für sich entdeckt.

Von Thomas Tominski

Noch fünf Sekunden! Die zwei Siberian Husky „Indie“ und „Schenna“ hält es vor Aufregung kaum auf den Beinen. Nach dem Kommando „Go“ stürmen die beiden Vierbeiner los. Musherin Juliane Spruth aus Schleesen hat Mühe, den Dog-Scooter in der Spur zu halten.

Nach sechs Kilometern Expresstempo durch den Leipaer Wald geht die wilde Hatz ihrem Ende entgegen. Juliane Spruth schüttelt die strapazierten Arme aus und erzählt, dass sie mit dem Lauf „ganz zufrieden“ ist. Die neuen Leithunde müssen noch Wettkampfpraxis sammeln, bevor sie ein eingespieltes Team sind. „Es war mehr ein Test“, schiebt sie nach.

Tochter Mia, die dreifache Meisterin Mitteldeutschlands ist, hat Freundin Lara Peloke aus Selbitz mitgebracht. Beide nehmen mit ihren Hunden den Joggingkurs in Angriff und erzählen, dass während dieser Zeit die Freundschaft ruht. „Jeder ist mit dem Ziel nach Leipa gekommen, um zu gewinnen“, meint die elfjährige Lara Peloke, der die Arbeit mit den Huskys „ganz viel Spaß“ macht.

Als das härteste Schlittenhunderennen der Welt gilt das Iditarod Sied Dog Race von Anchorage nach Nome in Alaska über 1049 Meilen (1600 Kilometer). Die Rekordzeit liegt bei acht Tagen, 13 Stunden und vier Minuten. Es hat seinen Ursprung in der Goldgräberzeit. Weitere große Rennen sind der Alpentrail (Italien/Schweiz), Beringia (Russland), Femund (Norwegen), Pirena (Spanien, Frankreich) und Youkon Quest (USA/Kanada).

Mia Spruth ist mit Vierbeinern aufgewachsen und gehört in ihrer Altersklasse zu den Besten der Branche. Die Zehnjährige erzählt, dass sie ihre Medaillen früher immer wie einen Schatz gehütet hat. „Wenn wir in den Urlaub gefahren sind, hatte sie Bedenken, dass Einbrecher alle Medaillen stehlen“, verrät Vater Silvio Spruth, der zusammen mit Frau und Tochter des Öfteren wochenlang nach der Trophäensammlung gesucht hat. „Es waren immer perfekte Verstecke“, fügt er mit einem Lächeln im Gesicht an.

Insgesamt 31 Teilnehmer aus mehreren Bundesländern sind am Wochenende bei der dritten Auflage an den Start gegangen. Veranstalter Heimatverein „Glücksburger Heide“ und Schlittenhundesportverein Sachsen (SSVS) haben sich alle Mühe gegeben, Mensch und Tier den dreitägigen Aufenthalt (Freitag bis Sonntag) so angenehm wie möglich zu gestalten.

Rennleiter Thomas Schurig, der zudem stellvertretender Vorsitzender des SSVS ist, betont, dass Vereinsmitglied Steffen Krumpholz im Prinzip per Heiratsantrag den Grundstein zum Rennwochenende gelegt hat. „Das war vor dreieinhalb Jahren“, erinnert sich Moderator Krumpholz, der vom Hundeschlitten aus Freundin Stephanie die Anfrage seines Lebens gestellt hat.

Doch irgendwas sei danach stets dazwischen gekommen. „Wir finden für unsere Hochzeit noch den passenden Termin“, verspricht er.

Rennleiter Schurig kommt gern in die Gegend und erzählt von seiner Zeit als Mechaniker eines Rallye-Teams. Motorsportgrößen wie Matthias Kahle oder Dieter Depping habe er bei der „Pneumant“ live gesehen und mit seiner Crew sogar den Sprung auf das Siegertreppchen in der Gruppe N geschafft. Aus vier Rädern sind inzwischen vier Pfoten geworden.

„Die Zusammenarbeit mit dem Heimatverein ist hervorragend. Auf dem Gelände herrscht Familienatmosphäre. Die Empfehlung von Steffen Krumpholz, vor seiner Haustür Rennen auszurichten, hat sich als Volltreffer erwiesen“, so der Rennleiter, der immer mit einem Auge in Richtung Thermometer schaut.

„Bei 15 Grad plus muss ich den Wettkampf unterbrechen. Dann wird es den Hunden zu warm. Die Gesundheit der Tiere steht an erster Stelle. Eigentlich sind es Wintersportler“, sagt Schurig.

Da 90 Prozent des Streckenverlaufs durch den Wald gehen, sei es eher unwahrscheinlich, dass die magische Temperaturgrenze erreicht werde. Mit im Start- und Zielbereich stehen das Landei aus Mark Zwuschen, Karin Richter, und Heidekönigin Lisa Becker. „Ich bin zum ersten Mal dabei und beeindruckt, welche Kraft in den Tieren steckt“, meint Karin Richter.

Die Vierbeiner stellen bereits vor dem Spurt über die Strecke ihr Temperament unter Beweis. Jaulen, buddeln, im Kreis rennen - irgendwie muss die geballte Energie aus dem Körper. Wenn das Wort „Go“ ertönt, gibt es kein Halten mehr. Mit Tunnelblick donnern sie über die Strecke. Übrigens: Im Wald hat sich keiner verirrt. Rot heißt abbiegen, Gelb Gefahr und Blau Weg gefunden. So einfach ist das.

Die Ergebnisse in den einzelnen Klasse sind unter www.ssvs-sachsen.de einsehbar. (mz)