Schlittenhunde in Leipa

Schlittenhunde in Leipa: Tempojagd auf 36 Beinen und vier Rädern

Leipa - „Good Mush“ – mit diesem verbalen Startschuss verabschiedete die amtierende 23. Heidekönigin Lisa Wendler aus Luckenwalde die Musher mit ihren Gespannen auf die Hatz durch die herbstliche Glücksburger Heide. Zwei Strecken waren ausgeschildert, sechs und zehn Kilometer lang.

Von H.-Dieter Kunze

„Good Mush“ – mit diesem verbalen Startschuss verabschiedete die amtierende 23. Heidekönigin Lisa Wendler aus Luckenwalde die Musher mit ihren Gespannen auf die Hatz durch die herbstliche Glücksburger Heide. Zwei Strecken waren ausgeschildert, sechs und zehn Kilometer lang. Organisatorisch unterstützt wurde das Rennen von Mitgliedern des Heimatvereins „Glücksburger Heide“ und freiwilligen Helfern.

Die Gespanne starteten einzeln und im Abstand von zehn Minuten. Stephan Krumbholz aus Leipa moderierte mit Marcel Kreuzig aus Dresden auch die Rennen und stellte die Schlittenhund-Besatzungen vor. Sein Hobby sind ebenfalls Schlittenhunde, mit denen er gern auf die Piste fährt. Die liegt ja quasi direkt vor der Haustür.

Immer dem Leittier nach

27 Teilnehmer aus Deutschland, die meisten aus den neuen Bundesländern, hatten ein Camp zwischen Leipa und Arnsdorf bezogen. Wohnwagen, Transporter mit Hundeboxen und das erforderliche Equipment prägten das Bild. Die Schlittenhunde warteten angeleint auf dem Areal auf den endlich ersehnten Start.

Schon beim Anlegen der Geschirrteile war ein vielstimmiges Jaulen und Winseln zu hören: Wann geht es denn endlich los? Denn Schlittenhunde, egal welcher Rasse, wollen nur eins – laufen, laufen, laufen. Und je tiefer die Temperaturen sind, umso agiler werden sie. Einmal vorgespannt, müssen die Buggys angepflockt werden. Sonst würde das Gespann ohne Musher, den menschlichen Lenker also, davon preschen. Immer dem Spürsinn des Leittieres folgend. Den hatten sie beim Abfahren der Piste mit dem Musher auf dem Fahrrad förmlich in sich aufgesogen. Denn der Leithund bestimmt, wo es langgeht, das Rudel folgt ihm blind vertrauend.

Die angereisten Besatzungen kommen gern nach Leipa. „Hier geht es auf ebener, überschaubarer Strecke so richtig zur Sache“, sagte begeistert Bertram Ihle aus Olbernhau im Erzgebirge. Obwohl er einschränkt, dass Rennen im Schnee das „hohe C“ dieser Sportart sind. So sehen es Silvio Spruth, 37 Jahre alt, und seine Tochter Mia aus Selbitz bei Kemberg. Sie spannen seit dem Jahr 2003 Siberian Huskies vor. Silvio Spruth kann auf etliche Erfolge verweisen. Er wurde Dritter bei den Deutschen Meisterschaften und gewann zwei Jahre in Folge die Norddeutschen und Mitteldeutschen Meisterschaften. Was ihn an diesem Sport besonders reizt: „Das ist die enge Verbindung zwischen, Mensch, Tier und der Landschaft.“ Doch die Aufregung vor jedem neuen Start bleibe immer. Sonst könne man es sein lassen. Diese Leidenschaft sei wie eine Sucht, man komme davon nie wieder los.

Reimo Pohlmann und Klaus Barth verbuchten Leipa als Trainingseinheit für die Teilnahme an der Weltmeisterschaft im Schlittenhunderennen im schwedischen Särna. Dort sind die Strecken allerdings „etwas“ länger. In mehreren Tagesetappen sind 160, 300 und auf der Königsstrecke 400 Kilometer zurückzulegen. Die WM findet nächstes Jahr statt, wenn die Tage unterhalb des Polarkreises wieder etwas länger werden.

Zurück zur Realität, ein Starter spannte sein so genanntes Q-Gespann vor. Es sind Geschwisterhunde aus dem „Q-Wurf“ einer Hündin aus Luckenwalde. Es waren unter anderem Quinn und Qumex. Züchter nordischer Schlittenhunde verleihen ihren Tieren Namen in alphabetischer Reihenfolge der Würfe. Die Rennen gingen am Samstag und Sonntag über die Runden. Es gab keinerlei Vorfälle und die Tiere erholten sich in den Boxenanhängern von ihrer Herausforderung.

Detlef Polzenhagen erklärte, wie dieses zweiten Rennen zustande kam. „Das war 2014, als in einem Gespräch mit Stephan Krumbholz und seiner Partnerin Stefanie Krienitz die Idee entstand.“ Sie selbst sind begeisterte Musher und oft mit ihrem Gespann unterwegs. Zu den engagierten Streckenposten gehörten auch Marian Wolter und Sean Meinhardt aus Jessen. Sie sind Schüler beziehungsweise in der Berufsausbildung. Anhand der Starterliste verfolgten sie die Rennen und wussten genau, wer als nächster die Kurve nehmen wird.

Drittes Rennen fast sicher

Für die 23. Heidekönigin war es die vierte Repräsentation in ihrer Amtszeit. Etwas frisch war es ihr in ihrem Dirndl schon, aber dagegen hatte sie eine Jacke dabei. Klaus Barth lobte die Unterstützung durch die Heidefreunde und andere Helfer: „Das war eine Superleistung.“ So dürfte also einem dritten Schlittenhunderennen mit Start und Ziel in Leipa nichts im Wege stehen.

(mz)