Projekt in Klöden

Projekt in Klöden: Gemüseanbau auf dem Bolzplatz

Klöden - Die Kinder der Klödener Tagesstätte „Marienkäfer“ beackern eine 80 Quadratmeter große Fläche. Warum Vivien Börner den Sommer herbeisehnt.

Von Thomas Tominski 24.05.2019, 17:17

„Wir ackern in ganz Deutschland“, sagt Paula Passin, die als Acker-Coach den kleinen Gemüsebauern der Kindertagesstätte „Marienkäfer“ Klöden das Einmaleins das Anbaus beibringt. Die gelernte Gärtnerin aus dem Kemberger Ortsteil Gniest erzählt, dass sie Mitarbeiter der GemüseAckerdemie Potsdam vor zwei Jahren angesprochen haben, ob sie nicht Lust hat, dem Unternehmen ihr Fachwissen zur Verfügung zu stellen.

Seitdem ist sie mit ihrem Team an verschiedenen Schulen und Kindertagesstätten unterwegs. „Nach Klöden folgt Magdeburg“, sagt sie. Die 49-Jährige erzählt, dass die Erzieherinnen im Rahmen von drei Fortbildungen auf die Projektarbeit eingestimmt werden, um das landwirtschaftliche Grundwissen aufzufrischen. Nicht jedes Kind, so Passin weiter, hat zu Hause einen Garten.

Deshalb sei eine fachliche und pädagogische Anleitung wichtig, um die Sinne für die Natur zu schärfen. Dinge wie Mangold oder Palmkohl sollen zusätzlich ihr Interesse wecken.

Kartoffeln sind lecker

Florian Bethke gehen die Arbeiten flott von der Hand. Der blonde Junge aus Schützberg nimmt Saatkartoffeln der Sorten Laura oder Linda von Projekt-Mitarbeiterin Doris Fuchs entgegen und legt sie fachgerecht in die vorgefertigten Löcher. „Das macht viel Spaß. Vergangenes Jahr war ich schon dabei“, meint Bethke, der seinen Großeltern gern im Garten hilft.

Oma und Opa bauen auch Kartoffeln an, deren Geschmack er besonders schätzt. Lieblingsessen? „Quark mit Pellkartoffeln“, kommt es wie aus der Pistole geschossen.

Vivien Börner aus Klöden mag die Knollen ebenfalls. Dazu noch Schnitzel und Spargel - fertig ist ihr Leibgericht. Die Sechsjährige findet das Ackerprojekt sehr interessant und verrät, dass im heimischen Garten ein Hochbeet mit Gurken, Salat und Karotten steht. Vivien Börner ist wie Florian Bethke an allen Ecken und Enden der Kita-Ackerfläche zu finden. Sie reicht Pflanzen zu, gießt, buddelt ein, nimmt Anweisungen entgegen.

Auf dem Areal direkt neben der Kita geht es ruhig und äußerst entspannt zu, Kinder und Erwachsene werkeln ohne viel Worte. Das Mädchen aus der Zuckertütengruppe freut sich auf den Sommer. „Dann komme ich in die Schule“, sagt sie und betont, dass sie gespannt auf den Inhalt ihrer Zuckertüte ist. Sie isst zwar mit Vorliebe Äpfel, Apfelsinen und Gurken, doch Obst und Gemüse will sie am Tag ihrer Einschulung nicht aus der Tüte holen.

„Schokolade und ein Teddybär wären schön. Eine Federmappe habe ich schon“, meint die Sechsjährige, die den Tag kaum erwarten kann. Lars Weigert läuft mit einer Gießkanne durch die Reihen und gibt den Pflanzen frisches Wasser. „Die haben Durst“, ist er überzeugt.

Gesundes Frühstück

Kita-Leiterin Doreen Hanitzsch findet die Verbindung Landwirtschaft - Acker - Klöden passend. Ein Teil des ehemaligen Bolzplatzes wird bereits seit 2018 als Anbaufläche genutzt, am Zaun entlang sind bereits verschiedene Beerensträucher gesetzt. Mit der Realisierung des gemeinsames Projektes entwickeln die insgesamt 50 Kinder der Einrichtung ein Verständnis für die natürlichen Abläufe und lernen, mit den Gartengeräten umzugehen.

„Jetzt nimmt alles Gestalt an“, sagt Doreen Hanitzsch und fügt an, dass gesundes Frühstück künftig von der eigenen Anbaufläche neben dem Hauptgebäude kommt. Beim Tag der offenen Höfe in Klöden (im Herbst) präsentieren die kleinen Gemüsebauern ihre Ernteerträge dann im Küsterhaus.

Erzieherin Elke Eichhorn betreut die Kinder auf dem Areal und macht Schnappschüsse mit der Kamera. Sie erzählt, dass sie noch in Jessen wohnt, doch der Umzug nach Klöden bereits in Sack und Tüten ist. „Ich habe mir hier ein Haus gekauft“, schiebt sie erklärend nach.

Zu einer Kita auf dem Land gehört ein Acker. Kinder wollen etwas Anfassen und wissen, woher ihre Lebensmittel kommen. Der Kreislauf von der Pflanzung bis zur Ernte ist nachvollziehbar. Zudem ist die Verbundenheit zur Natur wichtig.

„Die Pflanzzeiten an den Kitas sind April/Mai und Juli/August“, meint Acker-Coach Paula Passin, die seit März eine Ausbildung zur Gartentherapeutin am Institut für Naturheilkunde in Erfurt absolviert. Nach drei Stunden Arbeit ist alles geschafft. Die Kinder gehen mit dem Gefühl in ihre Gruppenräume, am Vormittag etwas Besonderes mit ihren Händen geschafft zu haben.

Erntedankwoche zum Abschluss

Die in Potsdam ansässige „GemüseAckerdemie“ ist 2019 an 441 Schulen und Kindertagesstätten aktiv. Paula Passin aus Gniest (Ortsteil der Stadt Kemberg) fungiert als Acker-Coach an der Kita „Marienkäfer“ Klöden. Zu ihrem Team gehören Max Passin, Doris Fuchs (Oranienbaum) sowie Ariane Keick (Trebitz).

Laut Paula Passin werden auf der etwa 80 Quadratmeter großen Ackerfläche Mangold, Kürbisse, Tomaten, Zucchini, Zuckererbsen, Rote und Gelbe Beete, Mais, Zwiebeln, Möhren, Kartoffeln und verschiedene Salate angebaut.

Ziel des gemeinsamen Projektes ist es, durch spielerisches und praktisches Erleben die Wertschätzung für Lebensmittel zu steigern und den Kindern landwirtschaftliches Grundwissen zu vermitteln. Nach der Ernte ist in der Kita „Marienkäfer“ eine Dankwoche geplant. (mz)