Landwirtschaft in Jessener Land

Landwirtschaft in Jessener Land: Die Pflanzen dürsten

Jessen - Regen fehlt, Sonne und Wind lassen den Boden noch schneller austrocknen. Warum sich die Bauern genau überlegen, welche Felder sie bewässern.

Von Frank Grommisch und Ute Otto 26.05.2018, 07:06

Die Pflanzen auf den Feldern benötigen aufgrund der langanhaltenden Trockenheit viel Wasser. Deshalb ist es Lutz Elstermann, Beregnungsverantwortlicher in der Glücksburg Agrar e.G., sehr wichtig, dass die Anlagen möglichst reibungslos ihren Dienst versehen. So wie jene auf einem Kartoffelschlag bei Mügeln. 340 Meter ist die Anlage lang. Für einen Umlauf benötigt sie 24 Stunden. Aber es gibt noch größere.

Alles am Laufen zu halten, sei keine leichte Aufgabe, verdeutlicht Lutz Elstermann. Auf die Beregnung kommt es jetzt an, damit die Kulturen die schwierige Phase überstehen. Über 28 stationäre und zwei mobile Anlagen verfügt der Agrarbetrieb. 16 können gleichzeitig in Betrieb sein.

Keine Alternative

Die Kartoffeln haben gerade jetzt den höchsten Wasserbedarf, sagt Thomas Rothe, Vorstandsvorsitzender der Glücksburg Agrar e.G., Denn jetzt bilden die Pflanzen die Knollen aus. Zusätzliches Wasser erhalten derzeit auch Wintergerste und Winterroggen. Der Mais noch nicht. Aber wenn die Witterung anhält, wird auch hier mit zusätzlichen Wassergaben nicht gewartet werden können.

Auch wenn für die Beregnung zusätzliche Kosten anfallen, der sogenannte Wassercent ist an die Länder Sachsen-Anhalt und Brandenburg, je nach Brunnenstandort zu zahlen, gibt es auf den häufig leichten und/oder grundwasserfernen Standorten keine Alternative, um eine entsprechende Ernte einfahren zu können, verdeutlicht Thomas Rothe.

Am Schlimmsten trifft es die Landwirte, die auf den mageren Böden im Fläming wirtschaften. „Wir sind hier der Landstrich, der immer nichts kriegt“, sagt Jens Fromm, Geschäftsführer der Seydaland Vereinigten Agrarbetriebe. An mehreren Stellen lässt das Unternehmen die Niederschlagsmengen erfassen. In Mark Friedersdorf zum Beispiel sind im Mai bisher 6,5 Liter je Quadratmeter gefallen (im April waren es 31). In Jessen sieht es mit 7,5 Litern nicht besser aus. Listerfehrda liegt mit 14 Litern je Quadratmeter im Mittelfeld und Gentha ist der Ausreißer mit 22 Litern. Das zeigt, wie lokal begrenzt die Gewitterschauer im Mai waren.

Viel Sonne und kräftiger Wind lassen das Wasser noch schneller verdunsten, so dass die Pflanzen förmlich auf dem Acker verbrennen. Man muss kein Landwirt sein, um die Trockenschäden auf den Feldern zu erkennen. Die Ähren werden schon gelb, obwohl das Getreide längst nicht reif ist. Die Körner sind mager. Der Boden, aus dem die Halme wachsen, ist bis in mehr als zehn Zentimeter Tiefe nur noch staubig. Die ersten Flecken mit abgestorbenen Pflanzen werden sichtbar.

„Das Getreide hat flächendeckend einen Knacks weg“, so Fromm. Die Erträge, vor allem bei Weizen und Triticale, „werden wohl auf geringstem Niveau sein“. Die Ausfälle könnten mit Mais kompensiert werden, wenn spätestens ab Juni ausreichend Regen fällt. „Im vergangenen Jahr hat das noch geklappt“, erinnert sich der Seydaland-Chef. Der Mais ist gerade aufgegangen, „wenn etwas Kapazität übrig bleibt“, so Fromm, werde etwa ein Viertel der Maisanbaufläche bewässert. Vorrang haben Möhren und Kartoffeln. Das sind, so Fromms Worte, „bewässerungswürdige Kulturen“, die Aufwand und Kosten lohnen.

Rechnen mit spitzem Stift

Das Wasser aus dem Boden bekommen die Landwirte nicht zum Nulltarif. „Wir müssen Wasserrechte erwerben“, erklärt der Geschäftsführer. Jeder Kubikmeter kostet zwei Cent. Hinzu kommen Energiekosten für die Pumpen. „Wir rechnen da mit spitzem Stift.“ Für Getreide würden das die Erzeugerpreise nicht hergeben. „Die bewegen sich im Weltmarkt seit vier Jahren auf niedrigstem Niveau.“ Auf dem Grünland sind laut Fromm die Erträge des ersten Schnitts durchschnittlich. Der zweite Aufwuchs, für die Futtergewinnung ebenso wichtig, „hat das Nachsehen“. (mz)