AUSFLUG

Jessener Senioren unternehmen besondere „Wanderung“ durch die Obstblüte

Mitarbeiter der Häuslichen Krankenpflege Petra Schulze sind mit ihren Gästen auf Ausflug. Was beim Stopp zwischen den Blüten verteilt wird.

Von Thomas Tominski 13.05.2022, 12:30
Beim Zwischenstopp auf den  Obstplantagen  des Obsthofes Zwicker kann der  Staub heruntergespült  werden.   Bogdan Zaharia   füllt die  Gläser.
Beim Zwischenstopp auf den Obstplantagen des Obsthofes Zwicker kann der Staub heruntergespült werden. Bogdan Zaharia füllt die Gläser. Foto: Thomas Tominski

Schweinitz/MZ - „Dienstberatung in der Apfelbahn ist super. Das machen wir jetzt immer so“, ruft Petra Schulze gut gelaunt über die Köpfe der anderen Fahrgäste hinweg und macht zur Erinnerung noch flugs einige Selfies. Die Inhaberin der Häuslichen Krankenpflege in der Jessener Straße der Jugend bedankt sich bei ihrem Team für „die super Idee“, um die Schönheit der Natur zu erleben, ist keine Fernreise notwendig. „Unsere Region hat viele Ausflugsziele zu bieten. Diese müssen nur von den Touristen entdeckt werden“, sagt Petra Schulze, die sich persönlich als „sehr heimatverbunden“ bezeichnet.

Nur um es gleich vorweg zu nehmen: Die ausgeschriebene Blütenwanderung ist eine Bahnfahrt über die Plantagen des Obsthofes Zwicker gewesen. Aufgrund der Trockenheit ist zwar viel Staub auf den Schuhen der zwölf Teilnehmer gelandet, doch diesen hat die von Bogdan Zaharia gelenkte Bahn aufgewirbelt. Beim Zwischenstopp haben die Senioren erst einmal ihre Kehlen mit angebotenem Obstler oder Apfelsaft vom Staub befreit.

Achtung,  Rechtskurve! Beim gemeinsamen Ausflug und bei herrlichem  Sonnenschein   herrscht jederzeit gute  Laune.
Achtung, Rechtskurve! Beim gemeinsamen Ausflug und bei herrlichem Sonnenschein herrscht jederzeit gute Laune.
Fotos: Thomas Tominski

Lokführer gibt Auskunft

Der „Lokführer“ erzählt, dass er im rumänischen Sibiu (Siebenbürgen) aufgewachsen ist und seit 2014 auf dem Obsthof Zwicker arbeitet. Er lobt die guten Arbeitsbedingungen, den super Teamgeist und freut sich, dass noch mehr Rumänen in dem Familienunternehmen tätig sind. Zaharia betont, dass er elf Monate in Jessen ist und im Januar seine Eltern in Sibiu besucht. „Da wir uns nicht so oft sehen, sind diese Besuche besonders schön“, sagt er.

Der Mann aus Südosteuropa stellt den Teilnehmern der „Blütenwanderung“ die Obstsorten auf den Anbauflächen vor, spricht über Erntezeiten und beantwortet Fragen. Zudem berichtet er von seinen nächtlichen Fahrten mit dem Wärme-Booster im Schlepptau. Bei Minusgraden wird warme Luft in die Reihen gepustet, damit die Blüten keinen Schaden nehmen. Die Energieversorgung des Boosters läuft über extragroße Gasflaschen. Zaharia sammelt gemeinsam mit Verkäuferin Petra Günther alle Gläser ein und kündigt die Weiterfahrt an. Die Teilnehmer bestaunen die vielfältige Blütenpracht und erzählen manchen Schwank aus dem heimischen Garten.

Spezieller Parkplatz

Nach 45 Minuten Fahrt legt der Zug am Zielbahnhof an. „Das ist unser spezieller Mercedes-Parkplatz“, meint Petra Günther scherzhaft und fährt den ersten Rollator vor. Unter fachkundiger Hilfe steigen die Senioren aus den einzelnen Waggons und visieren schnurstracks die Kaffeetafel an. „Ich bin total begeistert“, meint Christel Grigoleit aus Jessen, die sich von der Gartenarbeit längst verabschiedet hat.

Tolle Blüten. An dieser Stelle hängen bald Äpfel der Sorte Elstar.
Tolle Blüten. An dieser Stelle hängen bald Äpfel der Sorte Elstar.
Thomas Tominski

Heute sitzt die Rentnerin lieber gemütlich auf der Terrasse und kümmert sich noch um ihre Blumenkästen. „Es ist erstaunlich, wie viele Obstsorten hier angebaut werden. Ganz besonders schätze ich Erdbeeren“, so Christel Grigoleit, die sich schon auf den nächsten Ausflug mit den Mitarbeiterin der Tagespflege freut.

Zum Mitarbeiter-Personal gehört auch Heidrun Hoffmeister, die nach einer coronabedingten langen Durststrecke „total happy“ ist, dass jetzt wieder Veranstaltungen geplant und durchgeführt werden können. „Die Blütenpracht hat alle Teilnehmer sehr begeistert“, blickt Heidrun Hoffmeister auf eine Fahrt voll bleibender Eindrücke zurück.

Nach dem Ausflug ins Annaburger Porzellaneum und den zwei „Blütenwanderungen“ mit insgesamt 25 Personen stehen in diesem Jahr noch ein Sommer- sowie Oktoberfest und eine „Fahrt ins Blaue“ auf dem Programm. „Wo die Reise hingeht, wird noch nicht verraten. Das ist unser Geheimnis“, so die Mitarbeiterin der Tagespflege.

Ankunft am Zielbahnhof. Nach 45 Minuten Zugfahrt  steht  für die  Teilnehmer  an der „Blütenwanderung“ die  nächste  Stärkung  auf dem  Programm.
Ankunft am Zielbahnhof. Nach 45 Minuten Zugfahrt steht für die Teilnehmer an der „Blütenwanderung“ die nächste Stärkung auf dem Programm.
Foto: Tominski

Die gute Laune in der Runde hat auch Chefin Petra Schulze längst erreicht. „Das ist nicht unser letzter Ausflug auf die Anbauflächen des Obsthofes gewesen“, verspricht sie, denn solch „richtig lockerer Nachmittag“ dient zudem als teambildende Maßnahme. „Für mich war es im Übrigen Premiere“, ergänzt sie und hält Sekunden später das Gesicht in die Sonne. Besser, sagt sie, kann eine Dienstberatung eigentlich gar nicht ablaufen.