Blütenmeer im Hausflur

Günter Scheer aus Battin hat das Erfolgrezept für Weihnachtskakteen gefunden - Welche Temperatur gut ist und wohin die Reise noch gehen soll

Günter Scheer aus Battin hat lange an seinem Erfolgsrezept getüftelt.

Von Thomas Tominski 24.11.2021, 08:56
Im Hausflur von Günter Scheer stehen sechs Weihnachtskakteen,  die  allesamt voller Blüten sind.
Im Hausflur von Günter Scheer stehen sechs Weihnachtskakteen, die allesamt voller Blüten sind. Foto: Thomas Tominski

Battin/MZ - „Bei 150 Blüten habe ich aufgehört zu zählen“, sagt Günter Scheer und verrät im gleichen Atemzug sein Erfolgsrezept. Dieses lautet: einmal pro Woche die Weihnachtskakteen gießen, nicht umtopfen, die Temperatur im Raum konstant bei 16 Grad halten und mit den Kakteen sprechen. „Ich lobe sie“, so der Rentner aus Battin, der die sechs Töpfe von seiner bereits verstorbenen Frau übernommen hat.

Der frühere Landwirt erzählt, dass er lange an diesem Rezept getüftelt hat. Als Standort bevorzugen die Gewächse die Ostseite. Scheer freut sich, wenn Leute aus dem Ort nach einem Senker fragen oder Fachleute wie seine Nachbarin - eine Gartenbauingenieurin - aus dem Staunen nicht herauskommen und den 79-Jährigen vor Bewunderung über die Blütenpracht auf die Schulter klopfen. „Es ist schön zu hören“, meint er, „wenn die Leute mir später sagen: Günter, mit dem Senker hat es geklappt!“

Unkompliziertes Dorfleben

Scheer lebt gern auf dem Dorf. Er liebt das Unkomplizierte. Hier reiht er auch seine sechs Kakteen ein. „Das sind keine Diven“, sagt er. Bis zur Rente ist die Landwirtschaft sein Leben gewesen. Zu DDR-Zeiten hat er auf der LPG Rade die Abteilung Transport geleitet, nach der Wende die Feldwirtschaft bei der Agrargenossenschaft in Battin. Für die Feinheiten im Haus, darunter zählt Scheer die stacheligen Gewächse, hat seine Frau ein Händchen gehabt. Nach ihrem Tod sieht sich der Rentner in der Pflicht, ihr Vermächtnis zu pflegen.

Vor 14 Tagen, blickt er zurück, haben die Kakteen angefangen zu blühen. Ende Januar ist die Pracht zu Ende. Früher haben im Hausflur zusätzlich Alpenveilchen gestanden, doch davon hat sich der Rentner verabschiedet - wie von seinen Hühnern. Geblieben sind die Goldfische auf dem Hof und die Zierfische im Aquarium. So ein Becken mit 600 Litern sei schon ordentlich, sagt er. Trotz seiner 79 Jahre zieht es Scheer täglich an die frische Luft. Zwölf bis 15 Kilometer auf dem Fahrrad lautet das Programm. Nur an extrem kalten Tagen bleibt der Drahtesel im Stall.

Sibirien im Herzen

Bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie ist der Battiner gern auf Reisen gegangen. Er berichtet von Fahrten nach Norwegen, Italien, Schweden sowie Dänemark und fügt ergänzend an, dass er im Prinzip „schon ganz Europa“ gesehen hat. Wenn Scheer ins Schwärmen gerät, schweifen seine Gedanken nach Sibirien. Sicher, meint er, die Hotelzimmer sind nicht mit denen in Deutschland vergleichbar, doch die Natur dort ist atemberaubend. „Ich war fünfmal dort.“ Ein paar Reiseträume sind geblieben. Eine Fahrt auf der Donau zum Beispiel oder nach Kuba. „Vielleicht schaffe ich es“, sagt er, andererseits glaubt er fest daran, dass Corona die Menschen noch Jahre begleiten wird.

Fototermin! Die Kakteen wandern von ihren angestammten Plätzen auf einen Tisch, der nicht auf der Ostseite steht. „Wie gesagt, wir sind alle völlig unkompliziert“, so Scheer und lächelt dabei den Blüten zu. „Eine Macke muss der Mensch haben“, sagt er beim Abschied.