Gaststätte

Gaststätte: Seit zwei Jahrzehnten im eigenen Krug

Klossa/MZ. - "Das war'n Zeiten!" Ilse Uhde stemmt die Hände in die Seiten. "Da waren wir noch jung." Dabei lacht sie und ihre dunklen Augen funkeln beim Exkurs in die Vergangenheit lebenslustig unter dem weißen ...

Von Evelyn Jochade 20.09.2012, 17:35

"Das war'n Zeiten!" Ilse Uhde stemmt die Hände in die Seiten. "Da waren wir noch jung." Dabei lacht sie und ihre dunklen Augen funkeln beim Exkurs in die Vergangenheit lebenslustig unter dem weißen Bubikopf.

Nein, auf den Mund gefallen ist die 68-Jährige nicht. Das hat schon der Beruf mit sich gebracht. 1965 lernte sie bei Götzes im Herzberger Stadtcafé, was in der Gastronomie wichtig ist. Später war sie 25 Jahre, bis kurz nach der Wende, Köchin im Gasthof Weintraube in Schweinitz.

Die in Schmielsdorf bei Schönewalde Geborene kam der Liebe wegen nach Klossa, heiratete 1967 in die Landwirtschaft der Familie Uhde ein. Das Anpacken war sie von zu Hause gewöhnt, denn sie hatte vier Geschwister. Glückliche Jahre folgten, zwei Söhne wurden geboren, bevor das Schicksal ihr den Mann entriss.

Die folgende schwere Zeit überstand sie vor allem durch ihre Söhne, die ihr stets eine Stütze waren. Das Gastgewerbe aber ließ sie nicht los und so fasste sie mit der Familie, zu der auch Günter Maronna als neuer Mann an ihrer Seite zählte, den Entschluss, auf dem eigenen Hof eine Gastwirtschaft einzurichten. Gesagt, getan. Der ehemalige Kuhstall mit seiner sehenswerten Preußischen Kappendecke wurde zum Gastraum umgebaut.

Die Futterküche behielt ihre Funktion, nur waren es nach gründlicher Renovierung Zweibeiner, für die hier Essen zubereitet wurde. Am 1. September 1992 empfing der Klossaer Dorfkrug zum ersten Mal Gäste und traf, da im Ort kein Lokal existierte, voll ins Schwarze. Der "Krug" wurde angenommen. Es zeigte sich bald, dass die kleine Gaststube dem Ansturm auf Dauer nicht gerecht werden konnte.

Versammlungen, Familienfeiern, Hochzeiten, Rentner-Stammtisch. Es musste dringend eine Lösung gefunden werden. Ein Wanddurchbruch zum dahinter liegenden Maschinenraum und dessen Ausbau zu einem attraktiven Saal erschloss 1994 ganz neue Möglichkeiten. "Bis 1997 hatten wir hier rollende Woche von Montag bis Montag", so Ilse Uhde, die als Chefin die Fäden in der Hand hält. Inzwischen sei es schon ein wenig ruhiger geworden, wie Egbert Uhde, ihr Sohn, meint. Der in Holzdorf als Feuerwehrmann im Fliegerhorst Arbeitende hilft gern in der Gastwirtschaft und hat anscheinend das Interesse dafür von der Mutter geerbt.

Ilse Uhde kann sich ein Leben ohne Gästebewirtung nicht vorstellen. "Ich war immer glücklich in der Gastronomie", sagt sie, "auch wenn die Sonnabend- und Sonntagsarbeit nicht ohne weiteres mit den Familienpflichten zu vereinbaren war."

Dass es sich im Klossaer Dorfkrug drinnen wie draußen gemütlich sitzen lässt und dass die Küche eine schmackhafte Kost bietet, hat sich herumgesprochen. Nicht nur Einheimische kehren ein. Zunehmend finden Gäste aus Jessen, dem Umland und von weiter her den Weg in das beschauliche Dörfchen an der Schwarzen Elster.

Kremser machen hier halt oder Radler, sogar eine Gruppe Reiter aus dem Brandenburgischen fühlte sich hier samt ihrer vielen Pferde gut betreut und verköstigt. Nach Anmeldung versuchen die Uhdes jedem Wunsch zu entsprechen. "Wir wollen, dass unsere Gäste sich wohl fühlen und möglichst wieder kommen", das ist ihre Philosophie - auch fürs nächste Jahrzehnt.