Fliegerhorst Holzdorf

Fliegerhorst Holzdorf: Ausbildung ohne Uniform unter der Lupe

Holzdorf - Die Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter informieren sich am Bundeswehrstandort über die verschiedenen Ausbildungsmöglichkeiten.

Von Saskia Hotek

„Ich muss das nicht lernen, ich will später eh’ zur Bundeswehr“, zitiert Sophia Ulbrich einen Schüler, der nach Ausreden sucht, um im Unterricht nicht aufpassen zu müssen. Um genau solchen Argumenten entgegensetzen zu können und um sich über die Ausbildungsmöglichkeiten zu informieren, hat die Netzwerkstelle „Schulerfolg sichern“ für die Schulsozial-arbeiterinnen und -arbeiter des Landkreises Wittenberg einen Ausflug zum Bundeswehrstandort in Holzdorf organisiert.

Mehrere Karrierewege

Sophia Ulbrich, Leiterin dieser Netzwerkstelle, begleitet die 20 weiteren Teilnehmer. Mit dem Bus geht es nach Holzdorf. An der Pforte steigen Hauptmann Christian Kapahnke und Oberstabsfeldwebel Klaus Hubmann ein. Die beiden sind die „Reiseleiter“ an diesem Tag.

Zuerst erwartet die Besucher eine Präsentation, in der der Bundeswehrstandort genauer vorgestellt wird. Dabei erfahren sie beispielsweise, dass dort die Lufttransportgruppe vom Hubschraubergeschwader 64 stationiert ist. Zu den Aufgaben gehören unter anderem das Betreiben des Flugplatzes und der Flugbetrieb mit dem Transporthubschrauber CH-53 GA. Im Durchschnitt seien 14 Hubschrauber dieses Typs auf dem Fliegerhorst Holzdorf stationiert. Später haben die Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter die Möglichkeit, einen Blick in eines dieser Rotorflugzeuge zu werfen.

Hauptthema der Besichtigung sind die Ausbildungen, die die Bundeswehr in Holzdorf anbietet. Die Berufe Fluggerätmechaniker und Elektroniker für Geräte und Systeme können an diesem Standort erlernt werden. Am Ende der Lehre wird eine Prüfung bei der zuständigen Industrie- und Handelskammer abgelegt. Danach können die Auszubildenden zwischen verschiedenen Karrierewegen entscheiden: Sie können eine Laufbahn als Soldat einschlagen, als Beamter oder ziviler Angestellter weiter für die Bundeswehr arbeiten und in der freien Wirtschaft tätig werden.

Eigene Werkstätten

Für beide Ausbildungen stehen jeweils eigene Werkstätten zur Verfügung, in denen die Ausbildungsinhalte vermittelt werden. Bei der Besichtigung fällt vor allem eines sofort auf: Die Auszubildenden und Ausbilder tragen keine Uniform. Das Einzige, was einer Uniform ähnelt, ist die Schutzkleidung, die die Lehrlinge tragen. Bei den Elektronikern sind es graue Labormäntel, die angehenden Fluggerätmechaniker tragen olivgrüne Overalls.

Auf der Tour durch die Lehrwerkstatt der Fluggerätmechaniker werden die Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter durch eine große Halle geführt, in der mehrere ausgemusterte Exponate stehen. Ausbildungsmeister Matthias Hammer erklärt zunächst die Inhalte des ersten Lehrjahres: „Die zwölf Azubis lernen zuerst Grundlegendes der Metallbearbeitung.“

Dazu gehören unter anderem Nieten, Feilen, Sägen, Stanzen und Abkanten. Erst ab dem zweiten Jahr arbeiten sie in der Halle mit den Exponaten. Ausbilder Björn Nerlich begleitet die Auszubildenden in dieser Zeit: „Die Auszubildenden führen Inspektionen nach Plan durch und schrauben selbstständig an den Maschinen.“ Dabei sind sie in Teams, die aus drei Personen bestehen, aufgeteilt. Für jede Woche gibt es ein Wochenziel, das erreicht werden muss.

Vier Ausbilder sind für die angehenden Elektroniker für Geräte und Systeme zuständig. Zu ihnen gehört Thomas Schwager. Er erzählt den Besuchern, welche Unterrichtsfächer für den Beruf wichtig sind: Mathematik, Physik, Chemie und auch Englisch. Letzteres sei notwendig, da nahezu alle technischen Unterlagen in englischer Sprache verfasst seien. Während der Ausbildung hätten die Lehrlinge außerdem die Möglichkeit, ein Truppenpraktikum zu absolvieren.

Einsatz für Schüler

Im Landkreis Wittenberg sind insgesamt 31 Schulsozialarbeiter an 33 Schulen tätig. Seit 2009 gibt es die bedarfsorientierte Schulsozialarbeit im Landkreis. Träger sind der Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Wittenberg, Reso-Witt, der Internationale Bund und die Volkssolidarität. Die regionale Netzwerkstelle „Schulerfolg sichern“ setzt sich dafür ein, dass alle Schülerinnen und Schüler einen erfolgreichen Schulabschluss erreichen.

(mz)