Landwirtschaft

Bauern im Jessener Land sehen sich schwierigen Zeiten entgegengehen

Neben extremen Preissteigerungen für Kraftstoffe, Energie und Düngemittel setzt jetzt auch noch die Trockenheit den Agrarbetrieben zu.

Von Frank Grommisch 14.05.2022, 15:45
Auf einer Elbwiese bei Gehmen wird das Wenige, das dort gewachsen ist, geerntet. Das Häckselgut wird in ein Silo in Axien gefahren.
Auf einer Elbwiese bei Gehmen wird das Wenige, das dort gewachsen ist, geerntet. Das Häckselgut wird in ein Silo in Axien gefahren. Foto: Grommisch

Jessen/Axien/MZ - Das Wort Katastrophe ist öfter zu hören, wenn in diesen Tagen mit Landwirten gesprochen wird. Es fehlen Niederschläge überall. Das nährt Befürchtungen, dass sich das Jahr 2018 mit seinen extremen Wetterbedingungen und den immensen Ernteausfällen wiederholen könnte. Auch 2018 habe so begonnen, sagt am Freitag Ralf Donath, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Wittenberg.

Die Trockenheit beschäftige die Bauern in ganz Sachsen-Anhalt. „Es sieht sehr traurig aus“, sagt er und fasst damit die Aussagen von Donnerstag im Landesvorstand des Bauernverbandes zusammen, der sich natürlich auch über die aktuelle Situation verständigt hat.

Dreimal so teuer

Die zuweilen hohen Temperaturen und der Wind setzen den Kulturen zu, sagt Thomas Rothe, Vorstandsvorsitzender der Glücksburg Agrar eG. Die Auswirkungen auf den grundwasserfernen Standorten sind fatal. Derzeit läuft bereits der erste Schnitt beim Grünfutter, um wenigstens das zu sichern, was bislang gewachsen ist. Doch dabei komme lange nicht die Menge zusammen, die sich die Landwirte erhofft hatten.

Die Beregnungsanlagen laufen. Auf den Flächen, auf denen Getreide heranwächst, sei gedüngt worden. Auf Feldern, auf denen keine Wassergaben möglich sind, wurde darauf verzichtet, um nicht den inzwischen so teuren Dünger auszubringen, der dann seine Wirkung wegen der fehlenden Niederschläge doch nicht entfalten könne. Denn neben der seit Wochen anhaltenden Trockenheit drücken die extremen Preissteigerungen, so bei Kraftstoffen und Energie.

Der Dünger sei dreimal so teuer. Der Außenstehende könnte jetzt annehmen, dass die in den vergangenen Wochen gestiegenen Preise für Getreide, vor allem wegen des Krieges in der Ukraine, da für etwas Entlastung sorgen könnten. Doch die Lieferverträge für Getreide wurden nicht selten schon vor Monaten abgeschlossen, als die Preise noch längst nicht diese Höhe wie jetzt erreicht hatten, beschreibt Thomas Rothe ein weiteres Dilemma.

Getreide auf verschiedenen Schlägen habe aufgrund des Wassermangels bereits irreversiblen Schaden genommen, sagt Ralf Donath. Er spricht von Nottrieben und gelb werdenden Pflanzen.

Letzter Regen vor Wochen

„Da geht es los“, sagt Martin Hoffmann, Vorstandsvorsitzender im Landgut „Elbeland“ in Axien und weist auf eine helle Stelle in einem Getreideschlag. Auf den „Sandbergen“ seien die Auswirkungen der Trockenheit zuerst zu sehen. „Der Wind trocknet alles aus.“ Der letzte ergiebige Niederschlag in der Elbaue liege wohl etwa vier Wochen zurück. Der Roggen schiebe jetzt die Ähren, doch die Zahl der Triebe sei aufgrund des Niederschlagsdefizits geringer. Pflanzen rollen die Blätter, weil es an Feuchtigkeit fehlt.

„Dass es Ertragseinbußen geben wird, steht außer Frage“, sagt er. Bei den Kulturen, die gerade aufgelaufen sind, Erbsen, Sonnenblumen und Mais, „geht es noch“. Wie lange sie noch ohne sichtbare Schäden durchhalten, sei schwer zu sagen. Aber spätestens innerhalb der nächsten zehn Tage müssten sie Regen bekommen. Der wird allenthalben sehnsüchtig erwartet.

Noch stehen die Erbsen, aber bleibt der Niederschlag weiter aus, kann sich das rasch ändern
Noch stehen die Erbsen, aber bleibt der Niederschlag weiter aus, kann sich das rasch ändern
Foto: Grommsich

Derzeit läuft auch im Landgut der erste Grünlandschnitt. Wahrscheinlich am kommenden Montag werden die Arbeiten, die auch übers Wochenende laufen, beendet werden können. Gegenüber „normalen Jahren“ werde etwa die Hälfte geerntet. Martin Hoffmann weist auf den Häcksler, der bei Gehmen über eine Elbewiese fährt. Viel Grün bläst er nicht auf den Anhänger, der daneben von einem Traktor gezogen wird. Manche Windböe bläst einen Teil davon auch weg. Hätte man noch warten und vielleicht noch auf Zuwachs hoffen sollen? Der Vorstandsvorsitzende verneint.

Die Axiener haben sich für den jetzigen Zeitpunkt entschieden, um wenigstens halbwegs Qualität zu ernten. Bei den deutlich gestiegenen Futterpreisen muss auch das im Auge behalten werden, macht er deutlich. Der Grünlandschnitt wird siliert als Futter für den Rinderbestand im Betrieb.

Martin Hoffmann ist noch optimistisch, dass es nicht so schlimm kommt. „Es muss ja weitergehen“, sagt auch Ralf Donath. Doch die Zuversicht angesichts der aktuellen Rahmenbedingungen zu behalten, sei schon schwierig. Wohin die Reise geht, ist ungewiss. Ralf Donath verdeutlicht das an einem Beispiel. Bei teureren Öko-Agrarprodukten sei der Absatz um etwa ein Fünftel gesunken. Die Leute könnten das Geld halt nur einmal ausgeben und aufgrund der Preissteigerungen in verschiedenen Bereichen, werde an anderer Stelle gespart.