Hilfe für Hochwasser-Opfer

Aufbruch aus dem Jessener Land in die Katastrophe

Etwa 100 Kräfte aus dem gesamten Kreis helfen in Rheinland-Pfalz.

Von Von Klaus Adam
Im Jessener Feuerwehr-Gerätehaus werden die benötigten Materialien zusannegestellt.
Im Jessener Feuerwehr-Gerätehaus werden die benötigten Materialien zusannegestellt. (Foto: Klaus Adam)

Jessen/MZ - Knapp 50 Kameraden der Feuerwehren aus den drei Städten im Jessener Land packen am Montag die Reisetaschen und beladen ihre Einsatzfahrzeuge. Sie werden im Katastrophengebiet in Rheinland-Pfalz gebraucht.

Nun heißt es warten, bis die Aufforderung zum Starten über den Landkreis kommt. Am Dessora-Park bzw. nahe der Autobahnauffahrt Coswig wird der Hilfskräftekonvoi zusammengestellt. Ziel ist dann zunächst der Nürburgring, wo sie für die nächsten wohl 48 Stunden ihr Lager aufschlagen werden.

Alle sind startbereit

Es könnte, so heißt es am Montagnachmittag im Jessener Gerätehaus, noch am selben Tag losgehen oder auch erst an diesem Dienstagmorgen. Das ist zu dieser Stunde am Montag noch nicht klar. Bereits zum Ende vergangener Woche war über die Kreisverwaltung die generelle Bereitschaft der Kommunen und Feuerwehren erkundet worden, in welchem Umfang die hiesigen Wehren im Katastrophengebiet helfen können.

Alle hatten ihre Bereitschaft bekundet und bereits Kräfte und Mittel benannt. Am Montag kam nun die konkrete Anforderung. Zielgebiet für die Helfer aus der Jessener Region solle der Kreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz sein.

„Für uns ist das nicht nur eine Aufgabe, der wir uns stellen, sondern auch eine klare Verpflichtung“, sagt Jessens Ordnungsamtsleiter Daniel Lehmann. „Wenn wir daran denken, wie uns in den Jahren 2002, 2010 und 2013 geholfen wurde, haben wir keine Sekunde gezweifelt, diese Unterstützung auch wieder zurückzugeben.“

„Wir fahren auch genau in das Gebiet, von wo wir damals Hilfe bekamen. Seinerzeit war das THW aus Sinzig bei uns. Das ist nahe bei Bad Neuenahr-Ahrweiler“, ergänzt Jessens Stadtwehrleiter Hans-Peter Schaefer. Er gehört selbst zu den Helfern, die sich auf den Weg machen. „Wir sind vor allem den Unternehmen dankbar, die ihre Mitarbeiter für diese Hilfsaktion abstellen“, fügt Daniel Lehmann an. 22 Feuerwehrleute vor allem aus Jessen, aber auch einige aus den Ortsteilen haben sich bereiterklärt mitzufahren.

„Da brauchen wir nicht lange zu reden, das ist selbstverständlich“, bekräftigt auch Roland Karthäuser, der Annaburger Stadtwehrleiter, was er bereits am Freitag zur MZ sagte. 13 Kameraden aus Annaburg, Prettin und Axien werden mit zwei Fahrzeugen ins Einsatzgebiet fahren. Zwölf seiner Kameraden schließen sich dem Konvoi mit zwei Fahrzeugen und Anhänger an, so Zahna-Elsters Stadtwehrleiter Heiko Plewa.

Wo Politiker derzeit vor allem effektivere Maßnahmen zum Klimaschutz beschwören, sieht Jessens Stadtwehrleiter eine viel unmittelbarere Erkenntnis aus den Katastrophen der jüngsten 20 Jahre. „Man hat viele Strukturen der Katastrophenhilfe in zurückliegenden Jahrzehnten einfach weggespart. Weil es lange Zeit solche Ereignisse nicht gab“, so Hans-Peter Schaefer.

„Feuerwehren sind für die schnelle Hilfe da. Für solche Katastrophenfälle sind sie gar nicht ausgerüstet“, ergänzt sein Stellvertreter Thomas Riedel.

Verheerende Situation

Wie schlimm die Situation nach der Starkregenkatastrophe allein im Kreis Ahrweiler ist, fasst am Montag Kreissprecher Ronald Gauert in einer Pressemail zusammen: „Dort sind durch die Unwetterlage bislang 110 Personen ums Leben gekommen. 670 Menschen wurden verletzt. Fast 4.000 Betroffene wurden bislang noch nicht erreicht und gelten zunächst als vermisst. Etwa 30.000 Personen sind von der Trinkwasser-, Strom- und Gasversorgung abgeschnitten.“

Dazu sind viele Brücken zerstört. Abwasser und Gefahrstoffe laufen in den Fluss Ahr, so Gauert. Auch Tage nach dem Höhepunkt der Katastrophe haben die Medienberichte und vor allem Fernsehbilder nichts von ihrem Schrecken verloren. Das Wasser hat sich weitgehend zurückgezogen. Und hat flächendeckend ein einziges Feld der Verwüstung hinterlassen.

Doch wie auch nach den Elbe- und Elsterfluten in hiesiger Region finden dort die Menschen zusammen, fangen miteinander an aufzuräumen. Und sie sind dankbar über jede Hilfe, die sie in einer schier hoffnungslosen Situation erhalten. Diese Unterstützung kommt nun auch aus dem Kreis Wittenberg. Laut Gauert sind es etwa 100 Einsatzkräfte der Feuerwehren aus allen Städten des Kreises, dazu der SKW-Werksfeuerwehr, des Deutschen Roten Kreuzes und der Johanniter Unfallhilfe.

Sie haben unter anderem Notstromaggregate und auch andere Technik dabei. Eingesetzt werden sie laut der Anforderung bei der Wiederherstellung von Wegen und Straßenverbindungen sowie bei Bergungen und Beräumungen. (mz)