Wegen Notbremse geschlossen

Warum die Mitarbeiter des Walbecker Tierparks sogar beschimpft werden

Die Walbecker Einrichtung ist geschlossen, obwohl die Bundes-Notbremse eine Öffnung erlaubt. Welche Gründe dennoch dagegen sprechen.

Von Tina Edler
Der Eingang vom Walbecker Tierpark. Derzeit dürfen keine Besucher zu den Tieren. (Foto: Maik Schumann)

Walbeck

Nein, die Entscheidung sei ihr nicht leicht gefallen, sagt Marlies Stock. „Der Tierpark bleibt erstmal zu“, so die Vorsitzende des Trägervereins Tierpark Walbeck. Grund dafür sind die Verordnungen, die im Rahmen des Infektionsschutzgesetzes „Notbremse“ vom Bund beschlossen wurden. Zwar ist darin geregelt, dass die Außenbereiche von zoologischen und botanischen Gärten geöffnet werden dürfen. Aber nur, wenn Besucher einen negativen Coronatest vorlegen, der nicht älter als 24 Stunden ist. Ausgenommen sind Kinder, die das sechste Lebensjahr noch nicht vollendet haben.

„Das ist weder für die Mitarbeiter noch für die Besucher zumutbar“, sagt Stock. Bei einem Eintrittspreis von zwei Euro für Erwachsene und einen Euro für Kinder sei die Relation zu den Tests, die je nach Anbieter zwischen vier und acht Euro pro Stück kosten können, unverhältnismäßig. Der Besuch im Tierpark wird dann schnell ein teurer Spaß, wenn die ganze Familie nach Walbeck möchte. „Da wird wohl kaum noch einer kommen. Unsere Zielgruppe sind ja vor allem Familien“, sagt die Vereinschefin.

Einnahmen für den Förderverein fallen weg

Das größte Problem stellt aber die Kontrolle der Corona-Tests dar. Denn im Tierpark ist nicht - wie beispielsweise in größeren Zoos - rund um die Uhr der Einlass mit Personal besetzt. In Walbeck arbeiten zwei Festangestellte und zwei Mitarbeiter in Teilzeit. In erste Linie sind sie mit der Versorgung der Tiere und der Pflege der Gehege beschäftigt. Deswegen gibt es in der Nebensaison im Tierpark auch nur eine „Kasse des Vertrauens“ am Eingang. In der Hauptsaison, die offiziell am 1. Mai startet, ist die Kasse dann einige Stunden am Tag besetzt. Aber auch das würde nicht reichen, um alle Besucher beziehungsweise ihre Corona-Tests während der gesamten Öffnungszeit zu kontrollieren.

Traurig sei aber nicht nur, dass der Tierpark geschlossen habe und damit die wichtigen Einnahmen für den Förderverein wegfallen. Auch, dass viele Leute die Entscheidung nicht verstehen würden, sei unschön und belaste derzeit die Tierparkmitarbeiter: „Wir bekommen rund um die Uhr Anrufe. Teilweise werden wir auch schlimm beschimpft“, sagt Stock. Sie persönlich finde die Regelungen in der Bundes-Notbremse auch nicht gut, immerhin handle es sich bei der Walbecker Einrichtung um eine parkähnliche Anlage, erklärt Stock. „Was ist also anders als in anderen Parks, wo die Menschen ja ohne Test umherlaufen können?“, fragt sie.

Keine Ausnahme für den Tierpark in Walbeck

Der Meinung ist man auch in der Hettstedter Stadtverwaltung. „Es gibt keine Tierhäuser oder Hallen im Tierpark. Ich halte die jetzige Lösung für falsch, weil es in diesem speziellen Fall einfach schwierig ist“, sagt Bürgermeister Dirk Fuhlert (parteilos). Dennoch seien auch der Stadt die Hände gebunden, in der Freizeiteinrichtung zu helfen, meint er. Eine eigene Teststation vor dem Tierpark aufzubauen, wie es beispielsweise vor den Zoos in Halle oder Magdeburg der Fall ist, sei rein finanziell für die Stadt nicht umsetzbar, so Fuhlert. Außerdem sei das Problem mit dem Personal dann immer noch nicht gelöst. Die Schließung sei demnach wohl die einzig vernünftige Lösung, so Fuhlert.

Auch der Landkreis sieht wenig Spielraum: „Grundsätzlich gelten für den Tierpark die gleichen Voraussetzungen wie für andere Zoos. Das ist ein Bundesgesetz, da können wir als Landkreis keine Ausnahme machen“, sagt Kreissprecherin Michaela Heilek. Wie lange der Tierpark geschlossen bleiben wird, ist nicht sicher. Nach jetzigem Stand bleibt die Freizeiteinrichtung in dieser und der kommenden Woche auf jeden Fall zu, so Stock. „Wir wissen aber nicht, welche Änderungen noch kommen“, ergänzt die Vereinschefin. (mz)