MZ-Krimiserie

MZ-Krimiserie: Überfälle in Harzdörfern bringen Polizei zum Verzweifeln

Abberode - Es ist einer der Fälle, die Heinz Klockow bis heute auf die Palme bringen. Das Team um den früheren Chefermittler der Hettstedter Polizei hatte damals in den Jahren 1987/88 eine harte Nuss zu knacken.

Von Wolfram Bahn

Es ist einer der Fälle, die Heinz Klockow bis heute auf die Palme bringen. Das Team um den früheren Chefermittler der Hettstedter Polizei hatte damals in den Jahren 1987/88 eine harte Nuss zu knacken.

Überfälle auf Poststellen und Konsumläden in Abberode, Tilkerode, Pansfelde und anderen Harzdörfern sorgten in jenen Tagen für Unruhe unter der Bevölkerung. „Wir mussten uns irgendetwas einfallen lassen, um endlich die Täter zu fassen“, so der heute 69 Jahre alte Pensionär.

In Absprache mit der örtlichen Polizei entschloss man sich dazu, den Einbrechern eine Falle zu stellen. Ort des Geschehens sollte Abberode sein. Dort lagen Post und Konsum nur wenige Meter von der Wohnung des Dorfpolizisten, ABV genannt, entfernt. Man wollte eine Alarmanlage installieren, deren Fäden in dessen Keller zusammenlaufen sollten. Die Kripo hatte deswegen auch Kontakt mit dem VEB Elmet in Hettstedt aufgenommen.

Scheitert die Aktion am sogenannten Armeedraht?

Das Werk in der Ascherslebener Straße bestückte elektronische Leiterplatten und produzierte unter anderem Steuerungen, Relais und Schaltschränke. Der Betrieb war bereit zu helfen und eine Alarmanlage zu bauen. Was noch fehlte war sogenannter Armeedraht - und daran sollte das ganze Unterfangen schließlich scheitern. Der Draht sollte von Post und Konsum in den Keller verlegt werden, wo sich die Polizei auf die Lauer legen wollte.

Heinz Klockow war von 1973 bis 2005 bei der Polizei. Seine Laufbahn als Kriminalist begann er in Halle, später wechselte er nach Eisleben und dann nach Hettstedt. Dort hat er bis 2005 das Polizeirevier geleitet. In all den Jahren hat Klockow spektakuläre Kriminalfälle erlebt und auch bei schweren Unglücken mit seinem Team ermittelt. Für die MZ berichtet er exklusiv über diese Fälle, die zu DDR-Zeiten geheim gehalten wurden. (mz)

Klockow hatte angenommen, dass ihm die Kreisdienststelle des Ministeriums für Staatssicherheit, kurz Stasi, damit aushelfen könnte. Doch als er von seinem Polizeirevier über die Straße in die Hettstedter Stasizentrale ging, erlebte er eine böse Überraschung. „Wo soll ich denn den Draht hernehmen, wir haben doch selbst nichts davon“, ließ ihn der Stasi-Kreischef abblitzen.

„Ich dachte, ich höre nicht richtig“, erinnert sich der einstige Kripochef noch genau an dessen Worte. Das Ende vom Lied: Die Kripo musste die Aktion mit der Alarmanlage abblasen.

Die Ermittler konnten den Fall dennoch aufklären, wobei ihnen eine Familienfehde in die Hände spielte. Einem Postangestellten fiel ein, dass zu seiner weitläufigen Verwandtschaft auch ein einschlägig vorbestrafter Mann gehörte. Er hatte schon wegen Einbruchs und Diebstahl im Gefängnis gesessen. Dieser Hinweis sollte die Polizei auf die richtige Spur bringen.

Tatverdächtiger wird durch Schuhabdruck entlarvt

Sie führte nach Harzgerode, wo der Tatverdächtige inzwischen wohnte. Die Techniker hatten an einem Tatort einen Schuhabdruck sichergestellt und der sollte schließlich der Schlüssel zum Erfolg sein.

Bei einer Hausdurchsuchung in Harzgerode fand man bei dem Tatverdächtigen zudem einen Nachschlüssel. Er passte zur Tür einer Poststelle, die ausgeraubt worden war. Doch noch war die Beweislage dünn.

Bis dann das Unerwartete geschah: Der Stiefsohn des Beschuldigten brachte der Polizei jenen Schuh, dessen Abdruck man an einem Tatort gefunden hatte. Der Verdacht hatte sich dadurch erhärtet. Nun konnte der Mann aus Harzgerode überführt werden, die Einbruchsserie in den Harzdörfern begangen zu haben.

Sein Stiefsohn konnte ihn nicht leiden „und wollte ihm damit eins auswischen“, blickt Klockow noch heute verwundert auf den Ausgang jenes ungewöhnlichen Falles zurück, der damit für ihn jedoch noch nicht abgeschlossen sein sollte.

Polizei findet haufenweise Technik in Stasi-Dienststelle

Als nämlich nach dem Ende der DDR die Hettstedter Stasi-Dienststelle in der damaligen Fritz-Probst-Straße 25 aufgelöst wird, kommt Klockow aus dem Staunen nicht heraus. Unter den Beständen des MfS befindet sich haufenweise Armeedraht, den man für die Alarmanlage benötigt hatte.

„Mir sind die Augen übergegangen, was dort alles lag“, bekennt der ehemalige Kripochef des Kreises Hettstedt, zu dem damals noch Pansfelde und weitere Harzorte zählten, die heute zum Salzlandkreis gehören. Im Stasilager findet man auch massenweise hochmoderne Ferngläser und Fototechnik aus Fernost.

Teilweise noch eingepackt waren auch Diktiergeräte und elektronische Schreibmaschinen von weltbekannten Konzernen aus Japan. „Und wir mussten unsere Berichte auf einer klapprigen Erika schreiben“, kann Klockow bis heute darüber nur den Kopf schütteln. (mz)

Beim nächsten Mal geht es um einen ausgeraubten Geldtransporter.