Auszeit für ein Jahr

Auszeit für ein Jahr: Paar aus Quenstedt tourt mit altem Feuerwehrauto durch Osteuropa

Quenstedt/Hettstedt - Christin und Philipp Harre erkunden mit ihren Hunden die Welt.

Von Fabian Wagener 06.09.2017, 06:00

Anruf bei Philipp Harre. Der Empfang passt. Und das, obwohl man den 30-Jährigen an einem ziemlich abgelegenen Ort erreicht: an einem von dichtem Wald umrahmten See im Südosten Estlands. „Ich laufe gerade über einen Holzsteg, der aufs Wasser führt“, erzählt er, „die Sonne scheint, ich sehe Bäume und eine Feuerstelle.“

Harre ist hörbar gut gelaunt. Wie soll es auch anders sein, bei dieser Tour, die seine Frau Christin und er da unternehmen? Für ein Jahr haben sich die beiden eine Auszeit genommen, haben ihr Haus in Quenstedt und ihre Jobs als Sprachlehrer beziehungsweise Tierärztin in Hettstedt hinter sich gelassen.

Auf der Tour durch Ostreuropa werden Christin und Philipp Harre von ihren vier Hunden begleitet

Zusammen mit ihren vier Hunden Wenzel, Nella, Mila und Gandalf geht es durch Osteuropa, durch Polen, Litauen, Lettland und Estland, durch Ungarn und Rumänien nach Griechenland. „Dort wollen wir überwintern, dann ist geplant, dass wir über den Balkan zurückzufahren“, sagt Harre.#

In einem Blog berichten Christin und Philipp Harre ausführlich über ihre außergewöhnliche Reise mit ihrem alten Feuerwehrauto namens Olga durch Osteuropa. Sie führen dort ein Reisetagebuch, berichten über die besonderen Orte, die sie bereisen, aber auch über den Reisealltag. Außerdem veröffentlichen sie dort zahlreiche Fotos, die Einblicke in die einjährige Tour ermöglichen.

Der 30-jährige Philipp Harre hat Philosophie und Politik studiert und zuletzt als Sprachlehrer an der Ganztagsschule Anne Frank in Hettstedt gearbeitet. Die 26-jährige Christin Harre ist Tierärztin, auch sie arbeitete in der Kupferstadt. Gewohnt haben die beiden, die sich vor fünf Jahren in Leipzig kennenlernten, zuletzt in Quenstedt, ehe sie im Juli dann zu ihrer großen Tour aufbrachen.  Pläne für die Zeit nach ihrer Reise haben sie laut eigener Auskunft derzeit noch nicht. (faw)

Das Reisetagebuch als Blog: www.unterwegs-mit-olga.com

Wir - das sind indes nicht nur Philipp und Christin Harre und die vier Hunde. Mit dabei und ziemlich bedeutsam ist noch jemand anderes. Nämlich: Olga. So haben sie das Gefährt getauft, mit dem sie unterwegs sind, einfach weil sie den Namen mögen. Es ist ein besonderes Fahrzeug, ein altes Feuerwehrauto, Model Mercedes LF 408, Baujahr 1972. „Das Auto war bis 2006 Teil einer Werksfeuerwehr in Wolfenbüttel“, berichtet Philipp Harre. „Wir haben es dieses Jahr gekauft.“

Wie aber kommt man auf die Idee, mit einem 45 Jahre alten Feuerwehrauto durch halb Europa zu fahren, an die 20.000 Kilometer? Eine solche Tour, sagt Harre, habe man schon länger unternehmen wollen, seit zwei Jahren spare man darauf. Osteuropa habe man schon mehrfach bereist und dabei kennen und lieben gelernt. Und jetzt sei der Zeitpunkt eben günstig, die Pläne in die Tat umzusetzen. Später mache man so etwas dann vielleicht doch nicht mehr.

Und Olga? Zu der kam man mehr oder minder zufällig, erzählt Harre. „Im Frühjahr ist unser altes Wohnmobil kaputtgegangen, bei der Suche nach einem gebrauchten Fahrzeug ist uns dann dieses Model ins Auge gesprungen.“ Es verfüge über viel Platz, und man konnte das alte Feuerwehrauto gut ausbauen, mit Schränken, Klapptisch, einem Waschbecken und den Hundeboxen, auf denen ein Bett liegt. Strom beziehe man über ein Solarmodul auf dem Dach.

Ehepaar hat mit Feuerwehrauto und Reisemobil Olga schon 4.000 Kilometer zurückgelegt

So haben sich Christin und Philipp Harre mit ihren Hunden, mit Olga, einem Cello und einem Altsaxophon Anfang Juli auf den Weg gemacht. Bislang sind sie über 4.000 Kilometer gefahren, über Polen, Litauen und Lettland nach Estland. Und bis jetzt schlägt sich das Feuerwehrauto sehr wacker. „Es fährt sich sehr gut, ist nur nicht allzu schnell“, sagt Harre und lacht.

Die Höchstgeschwindigkeit, die Olga erreichen könne, betrage 90 Kilometer pro Stunde. „Es wird dann aber doch sehr laut in dem Fahrzeug.“ Ein kleineres Problem gab es bislang nur in Lettland, da fiel ein Stück Auspuff ab. „Das war nicht dramatisch, das haben wir wieder anschweißen lassen.“

Von ihrer außergewöhnlichen Tour berichten Christin und Philipp Harre auch im Internet, auf einem Blog. Dort führen sie ein Tagebuch, erzählen von ihrem Leben auf vier Rädern. Und: Sie halten ihre Erlebnisse auf zahlreichen Fotos fest. So kann man auch bildlich verfolgen, wie die Reise verläuft. Und wie Olga sich so macht irgendwo in der tiefen Natur. (mz)