Atelier-Tag

Atelier-Tag : Führungen über die Baustelle

Molmerswende/MZ - Die Finger von Ralf Herzog sind übersät von kleinen Stichen, die er sich beim Filzen zugezogen hat, denn das Hauptarbeitswerkzeug dabei ist eine Nadel mit vielen kleinen Widerhaken. Ralf und Nicole Herzog luden am Sonnabend zum Tag des offenen Ateliers in Molmerswende auf ihren Hof „Brettchenfilz“ ein. Die jungen Eheleute sind Mittelalter-Fans und haben vor drei Jahren mit diesem speziellen Handwerk angefangen. „Ich habe mich im Internet belesen und es einfach ausprobiert“, so Nicole ...

Von Kathrin Labitzke

Die Finger von Ralf Herzog sind übersät von kleinen Stichen, die er sich beim Filzen zugezogen hat, denn das Hauptarbeitswerkzeug dabei ist eine Nadel mit vielen kleinen Widerhaken. Ralf und Nicole Herzog luden am Sonnabend zum Tag des offenen Ateliers in Molmerswende auf ihren Hof „Brettchenfilz“ ein. Die jungen Eheleute sind Mittelalter-Fans und haben vor drei Jahren mit diesem speziellen Handwerk angefangen. „Ich habe mich im Internet belesen und es einfach ausprobiert“, so Nicole Herzog.

Wolle auch aus der Umgebung

Die Versuche klappten so gut, dass bald darauf erste Filzarbeiten entstanden, wie Taschen, kleine Anhänger oder selbst entworfene Handytaschen. Dabei unterscheidet man zwischen Nass- und Trockenfilzen. Die 31-jährige Nicole Herzog bevorzugt dabei die erste Variante, ihr Mann Ralf das Trockenfilzen. „Bis zum Beispiel eine kleine Figur entsteht, muss man viele Male mit der speziellen Nadel in die Wolle stechen, bis die Fasern der Wolle verfilzen“, erklärt der 35-Jährige. Auch die kleine Tochter Svea-Maren hat schon Gefallen an der Handarbeit gefunden, denn die Fünfjährige präsentierte stolz eine kleine von ihr angefertigte Kugel. Die Wolle für die bunten kleinen Kunstwerke bezieht die Familie nicht nur aus dem Internet, sondern auch von Schafhaltern aus den umliegenden Dörfern.

„Ich verschenke sehr gern diese kleinen kunsthandwerklichen Arbeiten an meine Freunde“, sagte Besucherin Jutta Nagel, während sie das Sortiment auf dem Hof „Brettchenfilz“ begutachtete.

Aber das junge Ehepaar bietet nicht nur Arbeiten aus Filz an, sondern seit kurzem webt Nicole Herzog auch. Stundenlang sitzt die Hobby-Handwerkerin abends am Webstuhl, denn ihre Kunstwerkstatt betreiben beide nur nebenberuflich. Derzeit ist sie in Elternzeit, danach wird sie wieder als Mechatronikerin arbeiten; Ralf Herzog ist von Beruf Steinmetz. Kleinere Steinmetzarbeiten von ihm konnten am Sonnabend ebenfalls bestaunt und erworben werden.

Integrative Begegnungsstätte

Aber Molmerswende ist auch bekannt für den Kunsthof von Keramikmeisterin Silke Becker und der Malerin Heike Wolff, die natürlich ebenfalls ihre Türen geöffnet hatten. Sie boten auch Führungen an, die zum Teil über eine Baustelle gingen. Heike Wolff und ihr Mann Frank haben nämlich gemeinsam das Nachbargrundstück erworben und bauen dort an einer integrativen Kunstbegegnungsstätte. Ende 2010 haben sie dazu den Verein „Liwet“ gegründet - Liwet ist der Name des Engels der Kreativität und Einzigartigkeit. Ihr Anliegen ist, dass sich Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam kreativ und künstlerisch betätigen. „Als das Nachbarhaus zum Kauf angeboten wurde, war uns sofort klar, dass das Gebäude sehr viel Potenzial hat und dass es sich für unser Vorhaben bestens eignet“, so Frank Wolff, Vorsitzender des Vereins. Es handelt sich um das ehemalige Gasthaus „Schwarzer Adler“, das schrittweise saniert und umgebaut werden soll. Die Gesamtkosten werden auf rund 800 000 Euro geschätzt. In den ersten Bauabschnitt fließen auch Fördermittel aus dem Leader-Programm.