Zwei neue Bühnen am Kaulenberg

Zwei neue Bühnen am Kaulenberg: Theater wird digital auch nach Corona

Halle (Saale) - Der Gründer der Volksbühne baut auf virtuelle Effekte beim Theaterspiel. Gebaut wird auch real - an zwei neuen Bühnen am Kaulenberg.

Von Katja Pausch
Dank mehrerer Kameras kann Volksbühnen-Chef Jonas Schütte Stücke digital aus verschiedenen Perspektiven präsentieren.

In nahezu allen Branchen geht - vor allem in Zeiten des Lockdowns - fast nichts ohne digitale Medien. Auch an der Volksbühne am Kaulenberg haben neue Formate längst Einzug gehalten. „Es ist derzeit die einzige Möglichkeit, Theater zu machen“, sagt Jonas Schütte, Schauspieler und Theatergründer der kleinen Bühne unweit von NT und Universität.

Für den Januar hat das Volksbühnen-Team trotz strenger Coronabeschränkungen mal wieder ein kleines, aber feines Programm gebastelt. So gibt’s dank Live-Stream Theaterstücke und Konzerte: Am kommenden Samstag ist erneut der Sänger Dafish zu Gast, einen Tag später geht die inzwischen vierte Ausgabe der „Verbote-Show“ über die Bühnenbretter am Kaulenberg, und auch die „Geschichten aus der Stadt“ kommen wieder nach Halle.

Vier Ladies, die sich über Klatsch und Tratsch in der City die Köpfe heißreden

Vier Ladies, die sich über Klatsch und Tratsch in der City die Köpfe heißreden. Nachdem sie bereits 2019 und 2020 in Halle waren, läuft nun die Premiere 4.0 am 22. und 23. Januar im Livestream, anschließendes Gespräch inklusive. Am 24. Januar dann wieder ein Konzert: Paul Sies kehrt für einen Abend in die Stadt seiner Studentenzeit zurück.

Theatergründer Schütte hat seine Bühne breit aufgestellt: Neben den klassischen Bühnenformaten ist das Objekt am Kaulenberg auch zum Ort für bildende Kunst geworden: Der hallesche Maler Bernd Baumgart hat bereits zwei beeindruckende Werke an Ort und Stelle geschaffen, weitere sollen folgen. Das Digitale indes soll auch für die schon zum geflügelten Wort gewordene „Zeit danach“ fest in die Theaterarbeit eingebunden werden.

„Auch ohne Corona wird unsere Arbeit digitaler werden“

„Auch ohne Corona wird unsere Arbeit digitaler werden“, so Schütte, der sich dank verschiedener Förderprogramme, darunter der Stadt, der Bundesinitiative „Neustart Kultur“ sowie der Deutschen Technikergewerkschaft finanziell und technisch einigermaßen gut aufstellen konnte.

Mit Hilfe vier neuer Kameras und neuer Schnitttechnik stellt Schütte Theater ins Netz und lässt - quasi statt Applaus - Zuschauerreaktionen in das jeweilige Stück einfließen. „Echter Beifall ist allerdings immer noch der schönste“, so Schütte, der die Energie des Publikums trotz digitaler Möglichkeiten vermisst. Dennoch: „In Zukunft werden wir über Social Media noch interaktiver im Theater arbeiten“, so der Schauspieler, der derzeit als Programmierer mehr Zeit am Rechner als auf der Bühne verbringt.

Ehemalige Sisha-Bar wird zu zwei neuen Theaterräumen

Künftig könnte digitale Technik auch dafür genutzt werden, Szenen und Effekte, die sonst nur im „Making Of“ zu sehen seien, hautnah während der Vorstellung mitzuerleben. „Dann wird es im Theater heißen: Machen Sie Ihr Handy an!“, so Schütte. Derweil nutzt Schütte die derzeitige mehr oder weniger spielfreie Zeit für Planungs- und Bauarbeiten: Zum einen wurden zwei Crowdfunding-Aktionen zugunsten von Mietunterstützung und zur Fassadenneugestaltung gestartet, zum anderen baut Schütte gerade die gegenüberliegende ehemalige Sisha-Bar zu zwei neuen Theaterräumen aus.

››Mehr zur Volksbühne und zu den Spendenaktionen auf www.volksbuehnehalle.de (mz)