Stadt will Neunutzung

Wie gefährlich ist das Orgacid-Gelände in Halle?

Von Dirk Skrzypczak
Blick auf ein Werksgebäude auf dem ehemaligen Orgacid Gelände in Ammendorf.
Blick auf ein Werksgebäude auf dem ehemaligen Orgacid Gelände in Ammendorf. (Foto: Silvio Kison)

Halle (Saale)/MZ - Kann das Orgacid-Gelände in Ammendorf im Zuge des Strukturwandels reaktiviert werden? Die Stadt will das Gelände, im Zweiten Weltkrieg stand dort die wohl größte Fabrik in Deutschland zur Produktion chemischer Kampfstoffe, über Fördermittel des Bundes im Rahmen des Kohleausstiegs neu beleben. Knackpunkt ist dabei die mögliche Belastung der Böden und des Grundwassers mit Giftstoffen. Zur Gefährdungslage hatte die Stadt eine Recherche durch eine Spezialfirma in Auftrag gegeben.

Ihr Fazit liegt nun vor. Im Ergebnis kommt das Unternehmen Envilytix zu dem Schluss, dass weitere Untersuchungen notwendig sein werden, um das tatsächliche noch vorhandene Gefahrenpotenzial abschätzen zu können. Bei den produzierten Losten in Ammendorf habe es sich um hochtoxische Hautkampfstoffe gehandelt. „Diese Bewertung bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass alle diese Stoffe auch heute noch in signifikanten Mengen am Standort anzutreffen sind“, steht in der Expertise. Sie könnten in den Jahrzehnten seit Kriegsende einem Abbau und damit einer Konzentrationsminderung unterlegen gewesen sein. Envilytix schlägt vor, weitere Messstellen für die Analyse des Grundwassers einzurichten. Außerdem sollten Verdachtspunkte im Bereich der B-Anlage untersucht werden. Dort wurden die giftigen Schwefelloste produziert.

Halle bis 2038 mit einmaligen Möglichkeiten, um die Stadtentwicklung voranzutreiben

CDU-Stadtrat Johannes Streckenbach will nun unter anderem von der Verwaltung wissen, welche weiteren Schritte der Ratshof plant, um das Orgacid-Gelände als Teil eines klimaneutralen Gewerbegebiets zum Erfolg zu führen. Im Wirtschaftsausschuss Ende Juni gab es dazu erste Hinweise. Demnach soll bis September in Absprache mit Landesbehörden geklärt werden, wie die aktuelle Gefahrenabschätzung erfolgen soll. Bis Ende des Jahres soll dann der entsprechende Auftrag an einen Gutachter erfolgen. Bis Mitte 2022 könnte feststehen, wie hoch der Sanierungsbedarf ist.

Das Strukturprogramm des Bundes zum Kohleausstieg eröffnet Halle bis 2038 einmalige Möglichkeiten, um die Stadtentwicklung voranzutreiben. In der gemeinsam mit dem Saalekreis gebildeten Kohlekommission wurden Leuchtturmprojekte definiert, darunter sind der Star Park II, die Revitalisierung des RAW-Geländes oder die Erweiterung des Chemieparks in Leuna. Ob darüber hinaus weitere Projekte gefördert werden können, entscheidet letztlich das Land. Die Stadt muss allerdings dafür Vorschläge einreichen.