Verstärkung am Krankenbett

Wie das Uniklinikum Halle von internationalen Pflegekräften profitieren will

Bis zum Jahresende will das Universitätsklinikum 100 internationale Mitarbeiter in der Pflege beschäftigen. Dafür kooperiert es mit der Agentur für Arbeit.

Von Annette Herold-Stolze
So lagert man einen OP-Patienten: Lehrkraft Steffi Olschak (links) leitet aus Tunesien stammende Pflegeschüler an.
So lagert man einen OP-Patienten: Lehrkraft Steffi Olschak (links) leitet aus Tunesien stammende Pflegeschüler an. (Foto: Annette Herold-Stolze)

Halle (Saale)/MZ - Eigentlich hat Benfriha Hayet dieser Tage Nachtdienst. Doch sie will berichten, dass sie sich in Halle und am Universitätsklinikum willkommen fühlt. Darum ist die 47-jährige Krankenschwester Mittwochmittag an ihren Arbeitsplatz, die neurologische Station des größten halleschen Krankenhauses, gekommen. Dort sind gerade Vertreter der Agentur für Arbeit zu Gast. Es geht um die Integration internationaler Mitarbeiter in der Pflege. 100 sollen es am Universitätsklinikum bis Jahresende sein, 75 sind es bisher, und die aus Algerien stammende Benfriha Hayet ist eine von ihnen.

Seit 2019 lebt sie nun in Halle. Sie hat nach Ausbildung und vielen Berufsjahren in Algerien in Halle einen halbjährigen Anpassungslehrgang sowie einen Sprachkurs absolviert und ist nun hier als Krankenschwester tätig. Die Arbeit mache ihr Freude, erzählt sie. Die Kollegen seien immer da, wenn es Fragen gebe. Und was sie besonders hervorhebt: Die Ärzte begegneten dem Pflegepersonal anders als in Algerien mit großem Respekt. Benfriha Hayet lässt deutlich werden, wie sehr ihr dieser Umgang gefällt. Sie möchte bleiben und hofft, dass ihr Mann, ein Physiklehrer, und die drei Kinder, von denen eine Tochter bereits Medizin studiert und das hier fortsetzen möchte, bald nachkommen können.

„Die eigentliche Integrationsarbeit beginnt nach dem Ende der Ausbildung“

Mit der Gewinnung dringend benötigter neuer Mitarbeiter in der Pflege im Ausland sei es eben nicht getan, sagt Steve Glaubauf, Leiter des Bereichs Pflegeentwicklung und Koordination im Klinikum. In den vergangenen zwei, drei Jahren habe das Klinikum speziell in Tunesien ein Netzwerk mit Universitäten und anderen Kooperationspartnern geknüpft, um Fachkräfte zu gewinnen. Sie bereiten sich zu Hause mit einem Sprachkurs vor und kommen dann nach Halle, um einen weiteren Sprachkurs und die Modalitäten zur Anerkennung ihrer beruflichen Fähigkeiten folgen zu lassen, beides von der Agentur für Arbeit gefördert. „Die eigentliche Integrationsarbeit beginnt nach dem Ende der Ausbildung“, sagt Steve Glaubauf. Das Erlernen der Sprache sei dann ohnehin nicht abgeschlossen. Es gehe überdies um Aufenthaltsgenehmigungen, die zunächst auch für die internationalen Pflegekräfte nicht unbefristet sind, und darum, dass die Menschen heimisch werden. Das gelinge nicht immer, aber zu einem großen Teil. Am Mittwoch hat wieder ein Anpassungskurs begonnen.

Neben Mitarbeitern, die mit Arbeitsvisa ins Land kommen, setzt das Klinikum auch auf junge Flüchtlinge. Über eine Kooperation mit dem Deutschen Roten Kreuz absolvieren sie ein Freiwilliges Soziales Jahr - mit der Aussicht, eine Ausbildung im Universitätsklinikum anzuschließen. Abdurahman Ahajr hat damit gerade begonnen. Menschen zu helfen, sei sein Ziel, sagt der aus Tunesien stammende junge Mann, er möchte gern OP-Pfleger werden.

Für Daniel Terzenbach vom Vorstand der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg ist beeindruckend, was er am Mittwoch bei seinem Besuch in Halle sieht und hört. Das Universitätsklinikum und die regionale Arbeitsagentur arbeiteten da vorbildlich. Deutschland werde langfristig nicht ohne Fachkräfte aus dem Ausland auskommen, betont er. Sprachkenntnisse seien ganz entscheidend, ebenso wie faire Mobilität. „Wir dürfen keine Fachkräfte herausnehmen, wo sie dringend gebraucht werden.“ Um das sicherzustellen, arbeite die Arbeitsagentur mit Behörden vor Ort zusammen. In Tunesien zum Beispiel besteht die Gefahr nicht, wie Pflegekoordinator Glaubauf erfahren hat, seit er sich mit Arbeitsmigration beschäftigt: „Die Jugendarbeitslosigkeit liegt dort bei 40 Prozent.“