Vorschlag für Reinigung in Schulen

Vorschlag für Reinigung in Schulen: Müssen Schüler bald selbst putzen?

Halle (Saale) - Die Kritik an den Reinigungsleistungen in Schulen in städtischer Trägerschaft reißt nicht ab - und führt jetzt zu einem emotional diskutierten Vorschlag.

Von Dirk Skrzypczak 21.10.2017, 06:00
Seifenwasser und Schrubber für die Putzaktion am Güterbahnhof.
Seifenwasser und Schrubber für die Putzaktion am Güterbahnhof. dpa-Zentralbild

Die Kritik an den Reinigungsleistungen in Schulen in städtischer Trägerschaft reißt nicht ab - und führt jetzt zu einem emotional diskutierten Vorschlag der Halleschen Stadtwirtschaft (HWS), die im Auftrag der Stadt für die Sauberkeit in 63 Schulen sorgt. So schlägt HWS-Geschäftsführer Jörg Schulze unter anderem vor, die Bildungseinrichtungen für 7.000 Euro mit Besen und Kehrgarnituren auszustatten. An den wischfreien Tagen könnten die Schüler ihre Klassenräume dann zweimal wöchentlich selbst kehren.

Ralf-Jürgen Kneissl, Leiter der Sekundarschule Halle-Süd, kann nur mit dem Kopf schütteln. „Das ist ein absurder Vorschlag, eine Bankrotterklärung. Klassenzimmer zu reinigen, kann doch nicht Aufgabe von Schule sein.“ Natürlich seien sich Schüler und Lehrer nicht zu schade, auch mal zum Besen zu greifen. „Aber das löst doch das Problem nicht, dass die derzeitige Reinigungsleistung im Auftrag der Stadt nicht ausreicht“, sagt Kneissl. Der Pädagoge hatte sich im Finanzausschuss der Stadt zur Sauberkeit an Schulen geäußert. „Das mache ich nicht für mich alleine, sondern mit der Unterstützung von 30 bis 40 Schulen.“

Halle hatte Leistungsspektrum für die HWS um 500.000 Euro gekürzt

Knackpunkt: Vor zwei Jahren hatte Halle nach einem Beschluss des Stadtrats das Leistungsspektrum für die HWS um 500.000 Euro gekürzt, um Kosten zu sparen. 120.000 Euro davon betrafen die Reinigungsleistungen an Schulen, die reduziert wurden. „Das passt vorne und hinten nicht. Alleine im ersten Jahr gab es 300 Beschwerden wegen schmutziger Schulen an die Stadt“, sagt Stadträtin Ulrike Wünscher (CDU). Die CDU fordert die vollständige Rücknahme der Kürzungen.

2016 hatten 32 Schulen schließlich einen Protestbrief an den OB. Danach wurde die Reinigung zum Teil wieder erhöht, doch Probleme bleiben. Die HWS macht dafür auch Subunternehmen verantwortlich, die nur mangelhaft arbeiten würden. „So ohne weiteres können wir Verträge aber nicht kündigen“, erklärt Schulze. Fünf Firmen habe man aber bereits abgemahnt.

Vorschlag mit Besen und Kehrblech für Schüler findet Befürworter

Der Vorschlag mit Besen und Kehrblech für Schüler fand im Finanzausschuss Befürworter. Tom Wolter (Mitbürger) erinnerte sich an seine Schulzeit in Leipzig. Da habe man Klassen auch selbst mal gereinigt und dafür Geld bekommen. Andere Stadträte fanden, dass etwas mehr Eigeninitiative der Schüler die Verbundenheit zur Schule sogar steigern könne. „Diese verklärte DDR-Romantik ist 28 Jahre nach dem Mauerfall erschreckend“, meint Schulleiter Kneissl. Ulrike Wünscher pflichtet ihm bei: „Der OB und die Mitarbeiter der Verwaltung fegen ihre Büros selbst auch nicht. Das ist keine Alternative.“

In der Haushaltsberatung kommt das Thema auf den Tisch. Das etwas passieren müsse, ist fraktionsübergreifend wohl klar. Die HWS schlägt zudem vor, Matten an den Eingängen der Schulen zu platzieren, um den Schmutzeintrag zu reduzieren. (mz)