Unfallstatistik

Unfallstatistik: Hier kracht es in Halle am meisten

Halle (Saale) - Auch im vergangenen Jahr sticht der Riebeckplatz in Halle bei der Zahl der Karambolagen heraus. Welches Fazit die Polizei für die Stadt zieht.

20.03.2017, 07:18

Auf Halles wichtigstem Knoten schläft der Verkehr nie. An einem durchschnittlichen Werktag wird der Riebeckplatz von rund 90.000 Fahrzeugen innerhalb von 24 Stunden passiert. Gemessen an diesen Zahlen sind 142 Unfälle ein Klacks, und doch ist der Riebeckplatz damit Halles Unfallschwerpunkt Nummer eins.

Zumeist wird die Polizei zu Auffahrunfällen gerufen. „Die Situation hat sich aber schon erheblich verbessert. Vor dem Umbau hatte es noch mehr Unfälle gegeben“, sagt Thoralf Bade aus der Verkehrsorganisation des Polizeireviers, nämlich über 500 pro Jahr.

Polizeirevier bilanziert das Unfallgeschehen für 2016 im Stadtgebiet von Halle (Saale)

Das Revier bilanziert das Unfallgeschehen für 2016 im Stadtgebiet. Und dabei fällt auf: Bei der Anzahl der Kollisionen scheint Halle seit 2013 knapp unter der Grenze von 8.000 Vorfällen wie festgetackert zu sein. 7.974 Unfälle nahmen die Beamten im vergangenen Jahr auf, 16 weniger als 2015. Auch 916 Verkehrsunfälle mit Personenschaden, zwei weniger als im Vorjahr, 954 Leicht- (plus sieben Personen) und 114 Schwerverletzte (minus sechs) sprechen für ein konstantes Niveau.

Deutlich reduziert hat sich der Wert bei den Verkehrstoten. Er sank von sieben Opfern in 2015 auf drei. Es waren ausschließlich Fußgänger, die im vergangenen Jahr ihr Leben verloren haben. Am 11. Februar wurde ein Fußgänger auf der B100 von einem Fahrzeug erfasst, am 16. Juni übersah ein Pkw-Fahrer in Trotha beim Abbiegen eine Seniorin auf dem Fußweg.

Unfallstatistik für Halle (Saale): Tragisch war auch der Fall des halleschen Künstlers Otto Möhwald

Tragisch auch der Fall des halleschen Künstlers Otto Möhwald, der am 28. Oktober beim Überqueren der Bernburger Straße von einem Auto überfahren wurde. Die Unfallakte liegt nach wie vor zur Beurteilung bei der Staatsanwaltschaft.

Mit Blick auf die Gesamtunfallzahl bleibt Bade ein Realist: „Es ist unser Ziel, unter 8.000 Unfällen pro Jahr zu bleiben. Viel weiter runter geht es in Halle nicht.“ In den 1990er Jahren krachte es noch rund 12 000 Mal innerhalb eines Jahres. Seit nunmehr fünf Jahren beobachtet die Polizei jedoch, wie die Karambolagen im Zusammenhang mit geparkten Autos steigen.

Karambolagen in Halle (Saale): 2012 waren es noch 3.187 Delikte dieser Art, 2016 lag die Zahl bei 3.561

2012 waren es noch 3.187 Delikte dieser Art, 2016 lag die Zahl bei 3.561. „Wir analysieren natürlich die Statistik, letztlich haben wir es wohl mit vielen Gründen zu tun“, erklärt der Polizeihauptkommissar. So seien die Autos breiter geworden, von 1,90 Metern (inklusive Außenspiegeln) auf bis zu 2,10 Meter.

„Ein paar Zentimeter machen schon was aus.“ Zudem altert die Gesellschaft. Das Sehvermögen nimmt ab, oft auch die Konzentrationsfähigkeit. Knapp über 16 Prozent der Unfallverursacher, quer durch alle Bereiche vom Vorfahrtsverstoß bis zum fehlenden Sicherheitsabstand, sind älter als 65.

Halle (Saale): Parkrempler sind auch die meisten Fälle, in denen die Verursacher in Halle vom Unfallort flüchten

Hinzu kommen natürlich die engen Straßen und Gassen, durch die sich Fahrzeugführer oft nur im Schritttempo vorantasten können, um nicht die abgestellten Autos zu beschädigen. Parkrempler sind übrigens auch die meisten Fälle, in denen die Verursacher in Halle vom Unfallort flüchten. Noch nicht mal jeder Zweite wird ermittelt.

Doch zurück zu den Unfallschwerpunkten wie dem Riebeckplatz. Die Stadt will Halles Dreh- und Angelpunkt umbauen und die separate Rechtsabbiegespur von der Francke- zur Merseburger Straße streichen. 18 Mal hatte es alleine hier im vergangenen Jahr gescheppert. Einen Zeitplan für die Umsetzung gibt es noch nicht, wie Stadtsprecher Drago Bock auf MZ-Nachfrage sagte. (mz)