Titelkämpfe in Halle

Titelkämpfe in Halle: Die besten Zehnkämpfer im Wohnzimmer

Halle (Saale) - Die Mehrkämpfer Mitteldeutschlands sind offen für Konkurrenz. Also haben sie ihre regionalen Meisterschaften am Sonnabend und Sonntag auf der Anlage in der Robert-Koch-Straße als „offen“ ausgeschrieben. Die Resonanz ist ...

Von Christoph Karpe 05.05.2018, 09:45
Zehnkämpfer Rico Freimuth beim Diskuswerfen.
Zehnkämpfer Rico Freimuth beim Diskuswerfen. imago sportfotodienst

Die Mehrkämpfer Mitteldeutschlands sind offen für Konkurrenz. Also haben sie ihre regionalen Meisterschaften am Sonnabend und Sonntag auf der Anlage in der Robert-Koch-Straße als „offen“ ausgeschrieben. Die Resonanz ist gewaltig.

Zehnkampf-Vizeweltmeister Rico Freimuth und Luca Wieland, sein Trainingskollege vom SV Halle, bekommen in ihrem Wohnzimmer hochrangigen Besuch: Kai Kazmirek (Bestleistung 8.580 Punkte) hat sich angesagt, der WM-Dritte von 2017. Artur Abele (8.605 Punkte), der verletzungsbedingt im Vorjahr fehlte, gibt sein Comeback. Auch im Siebenkampf, bei dem Hürden-Ass Cindy Roleder zwei Disziplinen (Kugel, Hürden) absolvieren wird, ist die Konkurrenz groß.

Auf den Test in Halle folgt Götzis

„Es ist für alle ein erster Formtest“, sagt Freimuth-Coach Wolfgang Kühne, zugleich Siebenkampf-Bundestrainer. Ein Test zwar, doch Fingerzeige auf einen möglichen Verlauf der EM-Saison wird es unbedingt geben. Und am letzten Mai-Wochenende geht es schon in die Vollen. Beim Meeting in Götzis bringt sich die Elite für die europäischen Titelkämpfe im August in Berlin in Stellung.

Freimuths Ziel für den ersten Saison-Höhepunkt: „Ich brauche Wettkämpfe, um in den Rhythmus zu kommen. Dafür ist Halle ein guter Anfang. In Götzis will ich etwa 8 300 Punkte erreichen und damit die EM-Norm knacken - dann möchte ich mich im Saisonverlauf immer weiter steigern.“

Wieland will unter den Besten mitmischen

Oberstes Jahres-Ziel des 30-Jährigen: in Berlin seine erste EM-Medaille erobern. Für eine Standortbestimmung geht er beim Halle-Wettkampf ein pralles Programm an: Nur Hochsprung und die 1.500 Meter lässt er aus, statt den 400 wird er lediglich 200 Meter rennen. „Meine Laufform passt noch nicht - ganz normal“, sagt Rico Freimuth. In zwei Trainingslagern - in Südafrika und Portugal - hat er sich in Schwung gebracht. Doch Rückenprobleme „nahe am Bandscheibenvorfall“ im Winter hinterließen Folgen.

Mitstreiter Luca Wieland absolviert in der Koch-Straße die Wurf-Disziplinen, feilt an seinen bisherigen Schwachstellen. „Eventuell springe ich auch hoch“, sagt der 23-Jährige, dessen Bestmarke bei 8.201 Zählern steht. Nebenbei wird er Kazmirek und vor allem Abele, der sogar einen kompletten Zehnkampf bestreiten will, beobachten.

Wieland möchte nämlich in diesem Jahr erstmals massiv im Konkurrenzkampf der Besten mitmischen - und zu den drei EM-Fahrern zählen. Hinter Freimuth und Kazmirek dürfte es ein wildes Gerangel um den freien Platz geben. „Ich habe vor niemandem Angst“, sagt Wieland und schiebt eine kleine Einschränkung hinterher: „Nur vor meinem eigenen Körper. Ich muss gesund bleiben.“

Plan: Nachwuchs-Meeting

Abseits der Tartanbahn tut sich außerdem Bemerkenswertes. In diesem Jahr stehen zwar die Stars im Mittelpunkt, aber für Freimuth sind die gleichzeitigen Nachwuchs-Wettbewerbe der U 18 und U 20 noch von viel größerer Bedeutung. Deshalb plant er gemeinsam mit seinem „Team Rico“, den Partnern Stadtwerke, Saalesparkasse, SV Halle und dem Rathaus, die Talente-Schau 2019 ganz groß aufzuziehen.

„Dafür will ich alle im Boot haben, die in Halle etwas bewegen können“, sagt der Welt-Star. Das Ziel: „Wir können noch viel mehr Talente, etwa solche, die gerade das Abitur hinter sich haben, nach Halle holen und den Standort zu einem deutschen Mehrkampf-Zentrum entwickeln“, sagt er. „Wir haben hier hervorragende Trainer und beste Voraussetzungen.“ Ein großer Wettkampf könnte Halles Stellenwert in der deutschen Leichtathletik weiter erhöhen.

(mz)