Streit an Bühnen Halle

Streit an Bühnen Halle : Intendanten protestieren gegen AfD-Politiker im Aufsichtsrat

Halle (Saale) - Scharfe Worte von drei Intendanten der Theater, Oper und Orchester GmbH Halle (TOOH): Matthias Brenner (Schauspiel), Florian Lutz (Oper) und Christoph Werner (Puppentheater) haben sich am Donnerstag an den Aufsichtsrat der TOOH sowie die Mitglieder des halleschen Stadtrates gewandt. In einem Brief fordern sie den Rückzug des AfD-Politikers Donatus Schmidt aus diesen Gremien. Andernfalls sollten, so heißt es, die Verantwortlichen Sorge dafür tragen, dass Schmidt aus diesen Ämtern entfernt ...

Von Andreas Montag 18.10.2019, 08:00
Die Intendanten der Bühnen Halle protestieren gegen einen ihrer Aufsichtsräte.
Die Intendanten der Bühnen Halle protestieren gegen einen ihrer Aufsichtsräte. dpa-Zentralbild

Scharfe Worte von drei Intendanten der Theater, Oper und Orchester GmbH Halle (TOOH): Matthias Brenner (Schauspiel), Florian Lutz (Oper) und Christoph Werner (Puppentheater) haben sich am Donnerstag an den Aufsichtsrat der TOOH sowie die Mitglieder des halleschen Stadtrates gewandt. In einem Brief fordern sie den Rückzug des AfD-Politikers Donatus Schmidt aus diesen Gremien. Andernfalls sollten, so heißt es, die Verantwortlichen Sorge dafür tragen, dass Schmidt aus diesen Ämtern entfernt wird.

Hintergrund dieser Forderung ist die den Unterzeichnern zufolge verbürgte Teilnahme von Donatus Schmidt an einem Aufmarsch in Berlin am 3. Oktober, an dem rechtsnationale und rechtsextreme Gruppen teilgenommen haben sollen. Dabei wurden, wie es in dem Brief der Intendanten heißt, auch Parolen wie „Nie wieder Israel“ und „Wenn wir wollen, schlagen wir Euch tot“ skandiert. Schmidt bestätigte am Donnerstag seine Teilnahme an der Demonstration.

AfD-Politiker Schmidt soll an rechtsextremer Demo teilgenommen haben

In dem Schreiben heißt es: „Herr Schmidt gehört zu den geistigen Brandstiftern, die radikal für Gewalt und Ausgrenzung von Teilen der Gesellschaft und für Antisemitismus in Deutschland eintreten!“ Wenn die Stadtgesellschaft dies toleriere, verhöhne sie damit die Opfer des Anschlags vom 9. Oktober in Halle.

Matthias Brenner, Florian Lutz und Christoph Werner erklären in ihrem Brief, solange Donatus Schmidt im Aufsichtsrat der TOOH Mitglied sei, dieses Gremium nicht anzuerkennen und an keinerlei Beratung teilzunehmen. Sie wollten nicht mit Hetzern an einem Tisch sitzen: „Das widerspricht unserer Auffassung von politischer Verantwortung, von Anstand und nicht zuletzt von unserer Kultur.“

TOOH-Geschäftsführer Rosinski schließt sich offenem Brief nicht an

Stefan Rosinski, der Geschäftsführer der TOOH, dem der Briefentwurf mit der Bitte, ihn ebenfalls zu unterzeichnen, vorlag, hat gestern auf Anfrage der Mitteldeutschen Zeitung Folgendes mitgeteilt: „In dem Brief erklären die Intendanten, den Aufsichtsrat der TOOH ,nicht anzuerkennen und an keinerlei Beratung teilzunehmen‘, zumindest solange Herr Donatus Schmidt Mitglied dieses Gremiums sei. Sie werden verstehen, dass ich als Geschäftsführer der GmbH nicht in dieser Weise das Gremium als Organ der Gesellschaft boykottieren kann, da ich gemäß Gesellschaftsvertrag zur Zusammenarbeit verpflichtet bin.“

Der Briefentwurf sei ihm überdies mit einer Fristsetzung übermittelt worden: „Der von mir erbetenen Gelegenheit zur gemeinsamen Überarbeitung wurde nicht stattgegeben. Dies nehme ich zur Kenntnis“, schreibt Rosinski dazu.

Der Brief der Intendanten ist seit Donnerstag in der Welt und gewinnt durch die Beteiligung der TOOH an dem für diesen Samstag geplanten Solidaritätskonzert in Halle noch an Brisanz. Die Gremien werden sich damit auseinandersetzen müssen.

Der Linken-Politiker Hendrik Lange teilte am Donnerstag dazu mit, er danke den Intendanten für ihre klare Haltung.

(mz)