SmartMembranes GmbH in Halle

SmartMembranes GmbH in Halle: Unternehmen mit weltweit einzigartiger Qualität

Halle (Saale) - Klimaanlagen erleichtern das Arbeiten oder Schlafen an heißen Tagen, können aber auch verkeimen und damit die Gesundheit gefährden. Ein Unternehmen aus Halle hat sich auf die Entwicklung von Membranen spezialisiert, die zum Beispiel Klimaanlagen vor Staub, Bakterien und Viren schützen. Das Besondere an den Filtern sind die Strukturen mit hoher Symmetrie und extrem feinen, einheitlichen Poren, die auch winzige Partikel herausfiltern ...

Von Thomas Schöne
Die gleichmäßigen Porenabstände sind Voraussetzung für das Herausfiltern winziger Partikel, Viren oder Bakterien.
Die gleichmäßigen Porenabstände sind Voraussetzung für das Herausfiltern winziger Partikel, Viren oder Bakterien. dpa-Zentralbild

Klimaanlagen erleichtern das Arbeiten oder Schlafen an heißen Tagen, können aber auch verkeimen und damit die Gesundheit gefährden. Ein Unternehmen aus Halle hat sich auf die Entwicklung von Membranen spezialisiert, die zum Beispiel Klimaanlagen vor Staub, Bakterien und Viren schützen. Das Besondere an den Filtern sind die Strukturen mit hoher Symmetrie und extrem feinen, einheitlichen Poren, die auch winzige Partikel herausfiltern können.

Das Konzept sei weltweit einzigartig, sagen die Gründerinnen von SmartMembranes, einer Ausgründung aus dem Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen (IMWS) in Halle. Als Filterrohlinge verwendet die Firma Scheiben aus Aluminiumoxid oder Silizium, die aussehen wie CDs. Diese Scheiben, sogenannte Wafer (englisch für Waffel oder Oblate), werden in Säure getaucht und mit einem speziellen, elektrochemischen Ätzverfahren in Membranen verwandelt.

Genau da liege das Geheimnis, sagt Geschäftsführerin Monika Lelonek. „Die Reaktionsbedingungen garantieren die extrem gleichmäßige Porenstruktur mit Durchmessern im Bereich zwischen 20 Nanometern bis 10 Mikrometern.“ Zum Vergleich: Ein Haar ist rund 50.000 Nanometer dick. Form und Größe der Poren können je nach Kundenwunsch variiert werden. Anwendungsmöglichkeiten für die Membranen gibt es etwa in der Medizintechnik, Optik, Halbleitertechnik und Diagnostik.

„Natürlich gibt es Membranen von anderen Anbietern, aber diese können im Nano-Bereich nicht die Qualität der gleichmäßigen Struktur erzeugen“, sagt Co-Gründerin Petra Göring. „Die Rezeptur kann nicht patentiert werden, sie ist ein streng gehütetes Geheimnis.“

„Tatsächlich kann durch dieses Verfahren relativ kostengünstig eine extrem gleichmäßige Porenstruktur erzeugt werden. Das ist weltweit einzigartig“, sagt der Leiter des Nanobereichs beim Institut für Mikroelektronik (Stuttgart), Florian Letzkus. Sein Institut produziert nach dem Halbleiter-Ätzverfahren im Trockenbereich ähnliche Membranen.

„Der Unterschied ist, dass wir bis 45 Nanometer kommen und die Struktur nicht so ganz gleichmäßig ist“, erklärt Letzkus. „Aber dafür sind wir bei der Wahl der Wafer frei, dagegen können die Hallenser nur diese speziellen Rohlinge verwenden, weil die gleichmäßige Ausrichtung eben nur auf diesem Substrat funktioniert.“

Lelonek und Göring, beide Chemikerinnen, lernten sich 2007 bei einem Workshop kennen. Zwei Jahre später gründeten sie SmartMembranes. 2015 setzten sie 250.000 Euro um. In diesem Jahr wollen sie die Einnahmen verdoppeln. „Ein guter Wert“, lobt Institutsleiter Wehrsporn. Jetzt gehe es darum, bekannter zu werden und andere von der Qualität des Produktes zu überzeugen.

Das sieht auch Finanzberater Dominik Malter von Fraunhofer Venture (München) so: „Die Firma ist solide finanziert und verfügt über gewachsene Kundenbeziehungen.“ Derzeit werde das Produkt von vielen Firmen getestet. Malter schätzt, das die Firma bis zum endgültigen Durchbruch noch vier bis fünf Jahre benötigt.

Mittlerweile verkauft SmartMembranes seine Filter auch in die USA, nach Japan und Kanada. Die kanadische Firma Axela Inc. etwa setzt die Membranen aus Halle ein, um auf einem Biochip DNA-Bausteine zu identifizieren. Die Analyse funktioniert den Angaben zufolge nur aufgrund der Membranen aus Halle mit der gleichmäßigen Struktur. (dpa)