Sexuelle Übergriffe

Sexuelle Übergriffe: Ist angeklagter Syrer schizophren und vermindert schuldfähig?

Halle (Saale) - Für das Opfer war dieser Übergriff völlig überraschend - nicht nur, weil er unvermittelt kam. Es ist ein Nachmittag im Juli 2019, als ein 61-jähriger Mann mit seinem Hund am Lutherplatz unterwegs ist. Was er nicht ahnt: Ein anderer Mann verfolgt ihn und wartet auf eine günstige ...

Von Oliver Müller-Lorey 06.03.2020, 09:30

Für das Opfer war dieser Übergriff völlig überraschend - nicht nur, weil er unvermittelt kam. Es ist ein Nachmittag im Juli 2019, als ein 61-jähriger Mann mit seinem Hund am Lutherplatz unterwegs ist. Was er nicht ahnt: Ein anderer Mann verfolgt ihn und wartet auf eine günstige Gelegenheit.

Als sie sich ihm bietet, packt er das Opfer von hinten, nicht um ihn zu bestehlen oder zu berauben, sondern um ihn unsittlich zu berühren. Dabei flüstert er seinem Opfer ins Ohr: „Kein Sex.“ Das Opfer schubst den Angreifer weg, der nähert sich ihm einige Minuten später aber erneut und versucht es noch einmal, bis der 61-Jährige mit seinen Fäusten zuschlägt.

Nur der Beginn einer Serie von Übergriffen

So soll sich der Beginn einer Serie von Übergriffen laut Staatsanwaltschaft abgespielt haben. Am Donnerstag wurde das Verfahren gegen den mutmaßlichen Täter, einen 27-Jährigen aus Syrien, am Landgericht Halle eröffnet. Ihm werden weitere ähnliche Taten vorgeworfen.

So soll er versucht haben, einen anderen Mann in der Ernst-Eckstein-Straße in die Knie zu zwingen. Dies soll ebenfalls im Sommer vergangenen Jahres passiert sein, Erfolg hatte der mutmaßliche Täter nicht. Doch wohl nur die Gegenwehr des Opfers, dem der Täter auch „Kein Sex“ ins Ohr geflüstert haben soll, bewahrte ihn vor Schlimmerem.

82-Jähriger wird umarmt und missbraucht

Besonders hart traf es laut Anklage einen 82-Jährigen, der sich nicht mehr so gut wehren konnte. Er wurde an einem Nachmittag am Lutherplatz umarmt und missbraucht. Erst als das Opfer laut um Hilfe schrie und eine Zeugin die Polizei alarmierte, soll der Angreifer abgelassen haben.

Letzterer gestand am ersten Verhandlungstag alle vorgeworfenen Taten begangen zu haben. Die Staatsanwaltschaft geht darüber hinaus davon aus, dass der Angeklagte schizophren ist und deshalb vermindert schuldfähig oder sogar ganz schuldunfähig sein könnte. Dafür sprechen zweifelhafte Aussagen des Mannes vor Gericht.

Angeklagter räumt Taten ein, kann sich aber nicht erinnern

Er behauptete immer wieder, bereits für die Taten verurteilt worden zu sein und könne nicht verstehen, warum er dazu noch einmal befragt wird. Ein Richter habe ihm außerdem schon gesagt, dass er für die Taten nicht zur Verantwortung gezogen werde. Die Taten räumte er zwar ein, konnte sich an Details vor Gericht aber nicht mehr erinnern.

Richter und Staatsanwalt gaben schließlich auf, den Angeklagten weiter zu befragen. Auch der Dolmetscher übersetzte einige Wörter mit dem Hinweis, dass sie keinen Sinn ergeben würden. (mz)