Freude auf Normalität

Schüler und Lehrer vom Südstadtgymnasium Halle über ein etwas anderes Schuljahr

Sachsen-Anhalt startet in die Sommerferien. Schüler und Lehrkräfte von Halles Südstadtgymnasium lassen ein etwas anderes Schuljahr Revue passieren.

Von Chiara Hiller
Die Kisten am Südstadtgymnasium sind gepackt: Veit Riese, Maria Kiourtzidi, Martin Rauch und Martin Huppertz (v.l).
Die Kisten am Südstadtgymnasium sind gepackt: Veit Riese, Maria Kiourtzidi, Martin Rauch und Martin Huppertz (v.l). (Foto: Silvio Kison)

Halle (Saale)/MZ - Es herrscht reges Treiben in den Gängen. Schüler strömen aus dem alten Gebäude in der Rigaer Straße. Eltern warten vor dem Hof. Es ist der letzte Tag eines besonderen Schuljahres. Für die Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler des Südstadtgymnasiums ist es zugleich der letzte Tag vor dem Umzug. Nach den Ferien werden sich dann alle im renovierten Schulgebäude in der Kattowitzer Straße wiedersehen. „Das alte Haus war noch im Zustand der 70er Jahre. Jetzt wurde es grundlegend saniert und mit aktueller Technik ausgestattet. Ab dem nächsten Schuljahr gehören wir dann mit zu den modernsten Schulen der Stadt Halle“, freut sich der stellvertretende Schulleiter Martin Huppertz.

Alle hoffen, die neuen Räumlichkeiten dann in Präsenzunterricht nutzen zu können. Auch Maria, die gerade die zehnte Klasse beendet hat. Für sie und ihre Mitschüler beginnt nach den Sommerferien die Oberstufe und damit die Vorbereitung auf das Abitur. Fühlt sie sich nach dem langen Distanzunterricht bereit dafür? „Es ist viel Druck. Manche aus meiner Klasse sind besorgt. Wir haben Bedenken, ob wir richtig vorbereitet sind. Es war schwer, von zuhause einzuschätzen, welcher Stoff wie wichtig ist und alles zu verstehen.“ Für das Homeschooling hat das Südstadtgymnasium die bekannte Lernplattform Moodle genutzt. Die Lehrer hätten sich Mühe gegeben, eigene Lernvideos gedreht und Online-Konferenzen gehalten. Das sei eine große Hilfe gewesen. Trotzdem habe die 16-jährige Maria teilweise zwölf Stunden am Tag mit Schule verbracht.

„Wir Abiturienten hatten das Privileg, fast durchgehend zur Schule gehen zu können“

Besser erging es Martin, der den Umzug in das sanierte Schulgebäude nicht mehr mitmachen wird. Er hat dieses Jahr sein Abitur geschafft. „Wir Abiturienten hatten das Privileg, fast durchgehend zur Schule gehen zu können. Dort war es sehr leise, und wir waren Kurse von maximal 15 Schülern, konnten uns also gut konzentrieren“, berichtet er. Was die Noten betrifft, sei der Abiturkurs 2021 ein ganz normaler Jahrgang. Trotzdem gab es viele Herausforderungen zu meistern. So konnte der Sportunterricht nur stark eingeschränkt stattfinden. Sportlehrerin Ines Raabe bedauert das: „Die Lücke zwischen Schülern, die aus sportlichen Familien kommen, und denen, die sich zuhause wenig bewegen, ist noch größer geworden.“

Im nächsten Schuljahr sei viel aufzuholen. Neben Kontaktsport und Sport in Hallen wurden auch die vielen AGs des Gymnasiums untersagt. Veit Riese leitet normalerweise die Theater-AG. „Es ist schade. Da beginnt man, etwas zu proben und muss dann plötzlich abbrechen. Die Schule wurde somit auf das reine Lernen reduziert.“ Der Lehrer, der Deutsch und Musik unterrichtet, hofft, seine jungen Schauspieltalente im nächsten Jahr wieder auf einer Bühne zu sehen. Auch Klassenfahrten und Events sollen wieder stattfinden.

Aber nun steht erst einmal der Umzug auf dem Plan. Und dann: Erholung. „Im Lehrerkollegium herrscht Erschöpfung. Wir freuen uns auf die Ferien“, gesteht Ines Raabe. Rückblickend können Eltern, Lehrer und Schüler stolz sein, die Belastungsprobe überstanden zu haben - als Team. Das Gemeinschaftsgefühl am Südstadtgymnasium ist stark. Alle hoffen, diesen Zusammenhalt im neuen Schuljahr wieder täglich zu spüren. Alle brauchen Normalität.