Satire aus halleschen Federn

Satire aus halleschen Federn: Die geknechteten Ruprechte von Kudernatsch

Halle (Saale) - Der Ex-Hallenser André Kudernatsch hat wohl das Weihnachtsbuch des Jahres geschrieben, und der hallesche Karikaturist Thomas Leibe hat es illustriert.

Von Detlef Färber

Leuchtende Augen, strahlende Kindergesichter, überall Glanz samt geheimnisvoller Düfte, Vorfreude allenthalben, geheime Wünsche und wunschzetteloffizielle Gabenhoffnungen, schmackhaft verpackte Kalorienmengen und ... - noch was vergessen? Bei der Aufzählung von derlei weihnachtlichen Behaglichkeiten kann André Kudernatsch leider nicht helfen. Obwohl er sonst so vieles kann, dieser mediale Tausendsassa, einstige Moderator beim Mitteldeutschen Rundfunk (MDR), Buchautor, Entertainer und, und, und.

Doch bei seinem jüngst im kleinen aber feinen Leipziger Salier-Verlag erschienenen Buch „Auweia Weihnachten“ ist ein radikaler Perspektivwechsel angesagt. Denn hier geht es um das schönste aller Feste mal nur aus der Sicht der Betroffenen. Kudernatsch, mittlerweile 48, weiß, wovon er da erzählt, plaudert, scherzt und nicht zuletzt reimt, schließlich zählte er zuletzt selbst zu den Knechten, als er mit seinen Christfest-Schnurren auf Tour durch Sachsen-Anhalt und Thüringen ging und in vier Wochen nicht weniger als 17 Auftritte hinlegte.

Kudernatsch: Vollstress-Weihnachtsmännern an der Feierabendtheke

Damit könnte sich André Kudernatsch also auch gleich mit den von ihm so hinreißend wie einfühlsam beschriebenen Vollstress-Weihnachtsmännern an die Feierabendtheke stellen, und ihnen „Nikolausige Geschichten“ erzählen.

Letztere sowie die „Geknechteten Ruprechte“ sind übrigens Kapiteltitel oder Widmungen seines Buchs, das eine Sammlung ist - unter anderem auch mit etlichen in hiesigen Stadtmagazinen erschienenen Kolumnen. Dabei kommt etwa auch Halle zur Geltung, wo der gebürtige Wittenberger lange gelebt und gearbeitet hat - und mit seiner legendären Talkshow-Reihe „Kudernatschs Kautsch“ im Objekt 5 auch einer der hiesigen Kultstars war. „Liebe Omi aus HaNeu, ich wünsch mir ... ein Haustier. Vielleicht einen Koi“, so reimt der Ex-Hallenser, der inzwischen in Erfurt zu Hause ist und den Thüringern beziehungsweise allen überregional Durchreisenden das Satire-Buch „Ich hab’s im Hermsdorfer Kreuz“ widmet.

Kudernatsch: „Schmückt den Baum mit Tannenzweigen, denn sonst kann man ihn nicht zeigen“

Dort ringsum, im „Holzland“, wachsen übrigens auch jene Weihnachtsbäume, denen Kudernatsch etliche goldene Regeln wie „Schmückt den Baum mit Tannenzweigen, denn sonst kann man ihn nicht zeigen“, und das große Thema „Baumloben“ gewidmet hat. Und weil dieser schöne nachbarschaftliche Brauch einerseits gemeinschaftsstiftend ist, man aber anderseits davon leicht eine trockene Kehle bekommt, kann dieses lobenswerte Loben leicht auf erhebliche, spätadventliche Kopfschmerzen hinauslaufen.

Mehr als nur Baumloben ist übrigens mit Blick auf die Illustrationen des Hallensers Thomas Leibe angesagt, der nicht nur ein genialer Tannenzeichner ist, sondern sich auch mit dem geübten Blick des Karikaturisten in die Seelen der Weihnachtsmann-Profis, wie der Feiern-Müssenden einfühlt. Übrigens ist dies nicht Kudernatsch/Leibes erster gemeinsamer Streich, schließlich gab’s von beiden beim „Eulenspiegel“-Verlag bereits ein Buch namens „Suffis Welt“. Fortsetzungen sind dringend erwünscht!

››Andre Kudernatsch, „Auweia Weihnachten“, Salier-Verlag, 12,90 Euro. (mz)