Rainer Henze

Rainer Henze: Verbeugung im Morgengrauen

Halle/MZ. - Und indem der Betrachter beginnt, die Verschlingungen der Körper vor seinem inneren Auge zu entwirren, hat er auch schon seinen Anteil an jenem kommunikativen Vorgang namens Kunst geleistet, den der Bildtitel "Durchdringung" auch ihm nahe ...

Von Detlef Färber

Und indem der Betrachter beginnt, die Verschlingungen der Körper vor seinem inneren Auge zu entwirren, hat er auch schon seinen Anteil an jenem kommunikativen Vorgang namens Kunst geleistet, den der Bildtitel "Durchdringung" auch ihm nahe legt.

Gleich mehrere solcher mosaikartigen Szenen- oder Bildfolgen sind das Kernstück der Ausstellung, mit der sich der hallesche Künstler in der Galerie "Kunst im Bild" präsentiert. Ein bekannter und zugleich ein neuer Henze, wie die Galeristin Waltraud Farr meint, die seine Entwicklung seit langem verfolgt.

"Die neuen Arbeiten strahlen mehr Wärme und Intimität aus, als früher", bescheinigte sie dem Künstler in ihrer Rede bei der Vernissage. Ein besonderer Reiz der Schau besteht in dem Nebeneinander von Grafiken und Metallplastiken. Wie Henzes Themen, Ideen und Empfindungen von einem Medium ins andere wandern und in deren jeweiliger Sprache neue Aspekte entfalten, das ist hier fast schon mit Händen zu greifen. Die Präge-Elemente, mit denen er seine Blätter oft und gern abrundet und vertieft, wirken hier wie eine Übergangsform.

Mit wenigen, dafür oft wiederkehrenden Motiven baut Henze plastisch und grafisch eine sehr eigene Welt. Ginko-Blätter, Räder, ein Zelt - das sind Lieblings-Elemente einer reduzierten und damit intensivierten Bildsprache, die die Arbeiten umso besser lesbar machen. Besonders die Mondsicheln haben es dem Künstler, der in Halle längst zu den wichtigsten seiner Zunft zählt, angetan. Nachdem die Viertel-Monde Zeit und Atmosphäre der Bilder markiert haben, werden sie zum Inventar, erinnern an Boote oder Hängematten oder werden zum Kreuz für den Mondsüchtigen.

Zum Stimmungsvollen und manchmal auch Gefälligen von Henzes Nachtbildern kommt aber durchaus auch Witziges. Nur grob skizziert, aber ungewöhnlich postiert ist ein Paar im Morgengrauen. Sie liegt noch, er steht - fast rechtwinklig nach vorn gekrümmt. Das Ganze wirkt wie eine dankbare Verbeugung nach einer Nacht, deren Einzigartigkeit der Mann gerade durch schnellen Abschied besiegeln will.

Galerie "Kunst im Bild", August-Bebel-Platz 9, Mo. 15-19 Uhr, Di.-Do. 10-19 Uhr, Fr. 10-18 Uhr, Sa. 10-13 Uhr.