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Primacom: Serverausfall legt Internet und tausende Telefone in Halle lahm

Halle (Saale) - Rund Zehntausend Bewohner der Stadt Halle und des Saalekreises waren am Montag von der digitalen Außenwelt abgeschnitten. Ein technischer Defekt beim Leipziger Telefon- und Internetanbieter Primacom hatte die Telefon- und Internetleitungen vom Morgen an bis in die frühen Abendstunden lahmgelegt. Allein bei der Halleschen Wohnungsgesellschaft (HWG) waren 5.200 Mieter von dem Ausfall betroffen, wie Abteilungsleiterin Susann Schult mitteilte. Auch die Mehrzahl der rund 6 800 Mieter des Bauvereins Halle & Leuna konnten tagsüber weder telefonieren noch im Internet surfen. Für diese beiden Wohnungsvermieter dient Primacom als Kabeldienstleister. Nicht betroffen von dem Ausfall war der ...

Von Oliver Müller-Lorey und Jan Schumann 05.01.2015, 13:08

Rund Zehntausend Bewohner der Stadt Halle und des Saalekreises waren am Montag von der digitalen Außenwelt abgeschnitten. Ein technischer Defekt beim Leipziger Telefon- und Internetanbieter Primacom hatte die Telefon- und Internetleitungen vom Morgen an bis in die frühen Abendstunden lahmgelegt. Allein bei der Halleschen Wohnungsgesellschaft (HWG) waren 5.200 Mieter von dem Ausfall betroffen, wie Abteilungsleiterin Susann Schult mitteilte. Auch die Mehrzahl der rund 6 800 Mieter des Bauvereins Halle & Leuna konnten tagsüber weder telefonieren noch im Internet surfen. Für diese beiden Wohnungsvermieter dient Primacom als Kabeldienstleister. Nicht betroffen von dem Ausfall war der Fernsehempfang.

Leitungen auch in anderen ostdeutschen Städten tot

Primacom verfügt nach eigenen Angaben über Zugang zu rund 1,3 Millionen Haushalten in Deutschland. Der Kabeldienstleister konzentriert sich verstärkt auf den ostdeutschen Markt.

Durch gezielte Netz-Zukäufe in den vergangenen Monaten stieg der Umsatz im ersten Halbjahr 2014 auf rund 66 Millionen Euro, teilte das Unternehmen im November mit. Das macht Primacom zum viertgrößten Kabelanbieter Deutschlands, nur Kabel Deutschland, Unitymedia Kabel und Tele Columbus sind mächtiger. (js)

Als Grund für die Störung hätten Primacom-Techniker eine fehlerhafte Computereinheit identifiziert, sagte HWG-Abteilungsleiterin Schult. Das kaputte Modul habe eine globale Signalstörung ausgelöst, die das gesamte Servernetz des Kabeldienstleisters gelähmt habe. So blieben die Leitungen nicht nur in Halle tot, sondern auch in Berlin, Magdeburg, Leipzig, Chemnitz und Hoyerswerda. Aus diesen Städten trafen etliche Beschwerden von Primacom-Kunden auf der Facebook-Seite des Unternehmens ein - telefonisch war es bis zum Abend nicht zu erreichen. Auch die Möglichkeit, Nachrichten an die Facebook-Seite des Unternehmens zu schicken, wurde im Laufe des Tages abgeschaltet.

Dabei stammten die Auskünfte über den Auslöser der flächendeckenden Panne nicht von Primacom, sondern von der HWG. Der Kabelanbieter hielt sich dagegen mit Informationen darüber, wieso die Leitungen tot waren, zurück. Kunden, die in Eigeninitiative bei Primacom anriefen, hörten nur ein Besetzt-Zeichen. Krisenmanagement, das bei den Betroffenen nicht gut ankam. Einige wendeten sich an Primacom-Mitarbeiter, die Kunden eigentlich nur bei Vertragsabschlüssen beraten. „So etwas kam in diesem Ausmaß noch nicht vor“, sagte ein solcher Mitarbeiter gegenüber der MZ. „Mein Telefon hat ständig geklingelt. Ich habe keine Anweisung von Primacom bekommen, was ich tun soll.“

Ärger in sozialen Netzwerken

In den sozialen Netzwerken Facebook und Twitter meldeten sich tagsüber immer mehr erboste Primacom-Kunden zu Wort. Ihr Ärger richtete sich vor allem gegen die Informationspolitik des Unternehmens.

Entsprechend aufgebracht lasen sich die Kommentare auf Facebook: „Äußerst schwach. Primacom fällt zum wiederholten Mal aus und niemand erreichbar. Nicht weiterzuempfehlen“, schrieb etwa Rene Enders auf der Facebook-Seite des Primcom-Servicedienstes für Wolfen-Halle.

Für die firmeninterne Kommunikation griffen einige Mitarbeiter des Kabelanbieters auf den Kurznachrichtendienst Whatsapp zurück. So auch der Primacom-Mitarbeiter, der mit seinen ebenfalls ahnungslosen Kollegen chattete. Die Verbindungspanne war bis zum Abend nicht vollständig behoben. (mz)