Planetarium in Halle

Planetarium in Halle: Zum Abriss freigegeben

Halle (Saale) - Die Fenster unter dem tipiartigen Dach sind mit Sperrholzplatten vernagelt, die verschmutzten weißen Außenwände nutzen Sprayer als Übungsflächen – das alte Planetarium auf der Peißnitz ist derzeit kein schöner Anblick. Seit das Hochwasser 2013 für einen technischen und wirtschaftlichen Totalschaden sorgte, liegt das Gebäude im Siechtum. Seine Tage sind gezählt, denn der geplante Abriss nimmt immer konkretere Formen an. Mittlerweile hat das Landesverwaltungsamt grünes Licht dafür geben. Bedingung ist jedoch, dass ein Ersatzneubau im Gasometer tatsächlich errichtet ...

Von Robert Briest

Die Fenster unter dem tipiartigen Dach sind mit Sperrholzplatten vernagelt, die verschmutzten weißen Außenwände nutzen Sprayer als Übungsflächen – das alte Planetarium auf der Peißnitz ist derzeit kein schöner Anblick. Seit das Hochwasser 2013 für einen technischen und wirtschaftlichen Totalschaden sorgte, liegt das Gebäude im Siechtum. Seine Tage sind gezählt, denn der geplante Abriss nimmt immer konkretere Formen an. Mittlerweile hat das Landesverwaltungsamt grünes Licht dafür geben. Bedingung ist jedoch, dass ein Ersatzneubau im Gasometer tatsächlich errichtet wird.

Diese Bedingung ist für die Stadt jedoch kein Problem. Schließlich ist die Verlagerung in das denkmalgeschützte Gebäude auf dem Holzplatz ohnehin erklärtes Ziel. Kulturdezernentin Judith Marquardt wirbt seit Jahren für diese Lösung und erhielt dafür auch die Zustimmung der Stadträte.

14,2 Millionen Euro für Neubau

Das Landesverwaltungsamt gab nun auch das notwendige Geld für den Neubau frei. 14,2 Millionen Euro aus dem Fluthilfefonds. Das sind deutlich mehr als die acht respektive neun Millionen Euro, die zuletzt als Baukosten genannt wurden. Marquardt begründete die Differenz mit neuen Bearbeitungsständen und neuen Erkenntnissen bei der Schadenserfassung am Gasometer. Für die 14,2 Millionen Euro soll das künftige Planetarium praktisch auf das Gasometer aufgesetzt und mit modernster Digitaltechnik ausgestattet werden. Bis zu 120 Besucher sollen darin künftig Platz finden. Der Raum darunter könnte für Veranstaltungen genutzt werden.

Der Entwurf für das Raumflugplanetarium „Siegmund Jähn“ auf der Peißnitz stammte vom Architekten Klaus Dietrich, der ihn gemeinsam mit Bauingenieur Herbert Müller umsetzte. Errichtet wurde der Bau von 1976 bis 1978.

Die größte Besonderheit des Hauses sind die verwendeten hyperbolischen Paraboloidschalen, kurz HP-Schalen genannt. Dies ist eine in sich gedrehte, meist als Verbundbetonplatten ausgeführte Konstruktionsform, die etwa belastbare Dächer und Brücken ermöglicht. Die vom Hallenser Müller, der deshalb auch Schalen-Müller genannt wurde, entwickelte Bauweise fand auch bei der Errichtung der Alsterschwimmhalle in Hamburg Anwendung.

Seit 2015 steht das alte Planetarium als Beispiel der Ostmoderne unter Denkmalschutz. Allerdings hatte es bei der Flut 2013 einen Totalschaden erlitten. (rob)

Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) möchte den entsprechenden Baubeschluss bereits im September durch den Stadtrat bringen. Gelingt ihm dies, könnten die Bauarbeiten am Gasometer im Juni des kommenden Jahres beginnen. Laut Plan sollen sie zwei Jahre dauern. Entsprechend würde die Eröffnung nach Wiegands Zeitrechnung 2019 erfolgen.

Bis dahin gilt auch die Abrissgenehmigung für das 1978 fertiggestellte alte Planetarium. Dessen Demontage soll gut 140.000 Euro kosten. Auch dieses Geld stammt aus Fluthilfemitteln.

Abriss ist umstritten

Der Abriss ist jedoch nicht unumstritten. So sprach sich etwa die Denkmalinitiative Schalendom für den Erhalt aus. Angeregt wurde etwa, das Haus als Ausstellungs- und Veranstaltungsraum zu nutzen. Das 1978 fertiggestellte Gebäude steht seit vergangenem Sommer unter Denkmalschutz. Ein Abrisshindernis ist dies jedoch nicht. Das Landesverwaltungsamt sieht größeres öffentliches Interesse an einem Neubau im ebenfalls denkmalgeschützten Gasometer.

Ideen einer anderweitigen Nutzung des Hauses auf der Peißnitz erteilt die Verwaltungsbehörde zugleich eine Abfuhr: „Eine weitere Nutzung des Bauwerks durch die Stadt Halle oder durch Dritte würde zwingend die Rückforderung der für den Ersatzneubau bewilligten Fördermittel nach sich ziehen“, heißt es auf Nachfrage. Im Klartext bedeutet dies, dass die Stadt ohne Abriss des alten kein Geld für den Bau eines neuen Planetariums hätte. (mz)