OB-Wahlkampf in Halle

OB-Wahlkampf in Halle: Wie ist das politische Meinungsbild in der Stadt?

Halle (Saale) - Der Wähler, das unbekannte Wesen: Vor der Oberbürgermeisterwahl am 13. Oktober in Halle rätseln die politischen Lager über das Meinungsbild in der Stadt. Tendenzen lassen sich kaum erkennen. Benjamin Höhne, Wahlforscher an der Martin-Luther-Universität in Halle, wundert das nicht. „Das Rollenmodell des treuen Stammwählers verschwindet. Tatsächlich nimmt die Zahl derer zu, die sich erst in der Wahlkabine für einen der Kandidaten entscheiden“, sagt ...

Von Dirk Skrzypczak 10.09.2019, 16:30

Der Wähler, das unbekannte Wesen: Vor der Oberbürgermeisterwahl am 13. Oktober in Halle rätseln die politischen Lager über das Meinungsbild in der Stadt. Tendenzen lassen sich kaum erkennen. Benjamin Höhne, Wahlforscher an der Martin-Luther-Universität in Halle, wundert das nicht. „Das Rollenmodell des treuen Stammwählers verschwindet. Tatsächlich nimmt die Zahl derer zu, die sich erst in der Wahlkabine für einen der Kandidaten entscheiden“, sagt er.

Silbersack und Lange vereinten jeweils starke politische Blöcke hinter sich

Für den Politologen ist der Ausgang der Wahl jedenfalls offen und Bernd Wiegand (parteilos) nicht automatisch der Favorit. „Als Amtsinhaber hat er natürlich einen Bonus. Andererseits ist in den vergangenen sieben Jahren auch nicht alles glatt gelaufen. Der Streit mit dem Stadtrat, Ermittlungen der Kommunalaufsicht, der Konflikt um die Wirtschaftsförderung. Davon bleibt beim Wähler etwas hängen. Einen Durchmarsch sehe ich deshalb nicht.“ Hinzu komme, dass der OB vor allem mit den beiden Herausforderern Hendrik Lange (Linke) und Andreas Silbersack (FDP) ernst zu nehmende Gegner habe.

Beide vereinten jeweils starke politische Blöcke hinter sich. Bei Lange sind es Linke, SPD und Grüne, bei Silbersack FDP und CDU. „Angesichts dieser Konstellation gehen wir Forscher davon aus, dass es in Halle mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Stichwahl geben wird“, sagt Höhne, der neben seiner Lehrtätigkeit an der MLU auch als stellvertretender Leiter am Institut für Parlamentarismusforschung in Berlin arbeitet.

Vor der OB-Wahl fühlt die MZ den Kandidaten auf den Zahn.

Am 2. Oktober, 18 Uhr, kommt es beim gemeinsamen Wahlforum von MZ und Martin-Luther-Uni im Audimax zum Schlagabtausch der Kandidaten. Ab dem 16. September stellen sich die Kandidaten auf dem Facebook-Kanal der MZ Halle einzeln und live den Fragen der Leser. Eine Sendung dauert maximal 30 Minuten. MZ-Leser können im Vorfeld schon Fragen schicken - entweder allgemein oder zu einzelnen Bewerbern.

Die Adresse (Stichwort OB-Wahl): saalekurier@dumont.de

Oder nutzen Sie die Möglichkeit bei unserem Facebook-Live Fragen zu stellen. Das sind die Facebook-Live Termine der Kandidaten:

Daniel Schrader, Montag, 16. September, 18 Uhr

Hendrik Lange, Mittwoch, 18. September, 18 Uhr

Falko Kadzimirsz, Freitag, 20. September, 18 Uhr

Andreas Silbersack, Montag, 23. September, 18 Uhr

Bernd Wiegand, Freitag, 27. September, 18 Uhr

Bei der OB-Wahl spiele die große Parteienpolitik der Bundes- und Landesebene übrigens kaum eine Rolle, sagt er. Stattdessen gehe es in erster Linie um den Kandidaten und seine Außenwirkung. „Für den Wähler zählen bei einer Personenwahl vor allem das Charisma und die Wahlkampagne eines Bewerbers, zumal sich die Inhalte der Wahlprogramme auf kommunaler Ebene ähneln.“

Meinungsbild der Stadt diffus: Engagierter Straßenwahlkampf werde belohnt

Weil ein Großteil der 191.000 Wahlberechtigten nach Ansicht der Forscher noch unentschlossen ist, können die Kandidaten in der heißen Wahlkampfphase kurz vor dem Urnengang tatsächlich noch kräftig Punkte sammeln oder an Boden verlieren. „Die Landtagswahl in Sachsen hat es gezeigt. Michael Kretschmer hat sich zum Schluss bis zur Erschöpfung reingehauen. Das hat der CDU einige Punkte mehr gebracht“, so Höhne. Ein engagierter Straßenwahlkampf werde belohnt.

Bis zum 17. September, 18 Uhr, können Bewerber noch ihre Unterlagen bei der Stadt abgeben - und es so auf den Wahlzettel schaffen. Dafür benötigen Einzelkandidaten aber 100 Unterstützerunterschriften von Wahlberechtigten in der Stadt. Laut Kommunalwahlgesetz ist pro Partei oder Wählergruppe nur ein Bewerber erlaubt. Damit ist laut Wahlleiter Egbert Geier die Doppelkandidatur von Stadträtin Dörte Jacobi und Martin Bochmann von der Satire-Partei „Die Partei“ nicht zulässig. (mz)