Neues Städtisches Gymnasium

Neues Städtisches Gymnasium Halle: Nur noch Unterricht?

Halle (Saale) - Ein Grund für die gute Nachfrage dürfte neben der zentralen Lage auch die geplante Ausrichtung als Ganztagsschule sein. Doch diese ist gefährdet

Von Robert Briest 21.12.2016, 15:45

Die Nachfrage nach einem Platz am Neue Städtischen Gymnasium (NSG) ist groß. Obwohl die Schule an der Oleariusstraße erst 2015 gegründet wurde, zählte sie zu den Einrichtungen für die für das aktuelle Schuljahr wegen der Vielzahl an Anmeldungen ein Losverfahren durchgeführt werden musste. Ein Grund für die gute Nachfrage dürfte neben der zentralen Lage auch die geplante Ausrichtung als Ganztagsschule sein. „Die Eltern, die in diesem Jahr ihre Kinder angemeldet hatten, haben sich bewusst für die Ganztagsschule entschieden“, sagt Elternsprecherin Anja Krimmling-Schoeffler.

Doch just dieses Ganztagsangebot könnte ab dem Halbjahr wegfallen. Das Bildungsministerium verwehrt dem NSG eine Genehmigung als Ganztagsschule. Entsprechende Informationen des Elternrates bestätigte Ministeriumssprecher Stefan Thurmann gegenüber der MZ. „Weil die dafür vorgesehene Genehmigung nur erteilt werden kann, wenn die dafür erforderlichen Ressourcen verlässlich und dauerhaft zur Verfügung gestellt werden können“, begründet er, warum das NSG künftig nicht als Ganztagsschule arbeiten soll - und verweist auf einen entsprechenden Passus im Landesschulgesetz.

Anerkannte Ganztagsschulen erhalten zusätzliche Lehrerstunden

Anerkannte Ganztagsschulen erhalten vom Land neben entsprechenden Zusatzmitteln auch zusätzliche Lehrerstunden. Gerade letzteres dürfte aktuell wohl das Problem sein. Lehrer sind eine knappe Ressource im Land. Doch auch die finanziellen Zuwendungen vom Land stehen für das NSG mit der Mitteilung des Ministeriums auf der Kippe. Den Antrag auf Ganztagsschule hatte das NSG schon länger gestellt.

Zum ersten Halbjahr bekam es dafür zwar keine offizielle Genehmigung, aber 14.000 Euro, mit dem entsprechende Honorarkräfte eingekauft wurden, die das Ganztagsprogramm jenseits des eigentlich Fachunterrichts aufgebaut haben. Die Liste der mittlerweile angebotenen Module reicht von Fotografie über Italienisch bis hin zu Robotik. Auch Lernwerkstätten in Deutsch, Englisch und Mathe bietet die Schule in den Zeitfenstern für die Ganztagsangebote nach dem Mittag und vor Schulschluss um 15 Uhr an. Zudem gibt es regelmäßig Klassenratsstunden und ein morgendliches Warm-Up, in dem etwa aktuelle politische Themen diskutiert werden.

Wegfall des Ganztagsangebots sorgt bei Eltern für viel Unmut

Der mögliche Wegfall des Ganztagsangebots sorgt bei den Eltern für viel Unmut. Sprecherin Krimmling-Schoeffler, in Halle auch als Linken-Stadträtin bekannt, gibt sich kämpferisch: „Ich bin wütend. Wir werden diese Entscheidung aus dem Bildungsministerium so nicht hinnehmen.“ Das Gymnasium mit Ganztagsangebot sei der richtige Weg, Wissen zu vermitteln. Für den 11. Januar wollen die Eltern sich nun zu einer Versammlung treffen. Zu der sollen auch Vertreter der Landesregierung und der Stadt eingeladen werden.

Für letztere ist das NSG immer wieder Thema. Schließlich wurde die Schule erst vor anderthalb Jahren gegründet und wächst nun peu à peu. Dafür lässt die Stadt schrittweise den Schulkomplex zwischen Olearius- und Dreyhauptstraße sanieren – für 8,8 Millionen Euro bis 2020. Das den Umbauplänen zugrundeliegende Raumkonzept ist allerdings auf eine Ganztagsschule zugeschnitten. Sollte das Ministerium an seiner Ablehnung festhalten, könnten auch hier Änderungen notwendig werden.

Gibt es noch Chancen für Ganztagsschule NSG?

Noch scheinen die letzten Messen für die Ganztagsschule NSG jedoch noch nicht gesungen zu sein. „In Anbetracht der besonderen Situation, die sich auch in der Reaktion des Elternrates widerspiegelt, wurde nach einer Alternative gesucht“, berichtet Thurmann. Derzeit sei man in entsprechenden Abstimmungen. Genaueres mag er nicht verraten.

Möglicherweise zielt das Land darauf ab, weiterhin 14.000 Euro an die Schule zu zahlen, damit diese sich selbst ihr Angebot organisieren kann. Eine private Finanzierung schließt Krimmling-Schoeffler aus: „Bildung sollte für alle bereitstehen. Wenn es bestimmte Angebote nur noch gegen Bezahlung gibt, würden Kinder ausgeschlossen, deren Eltern sie sich nicht leisten können.“ (mz)