Neue Verkehrsführung durch die Altstadt

Neue Verkehrsführung durch die Altstadt: Wo Radfahrer gefährlich leben

Halle (Saale) - Am Joliot-Curie-Platz und in der Großen Steinstraße hat sich die Verkehrsführung geändert. Nicht nur zum Guten: Radler leben dort zum Teil gefährlich.

Von Katja Pausch 19.05.2019, 06:00

Die Große Steinstraße ist wieder frei, der Joliot-Curie-Platz bis auf die östliche Fahrbahn auch: Nach gut einjähriger Bauzeit präsentiert sich die verkehrsreiche Trasse nun nicht nur komplett saniert, sondern auch mit geänderter Verkehrsführung. Die allerdings stößt nicht bei allen Verkehrsteilnehmern auf Verständnis oder gar Gegenliebe.

Vor allem eine Gruppe hat an einigen Stellen das Nachsehen: die Radfahrer. Mehr noch - es kann für sie richtig gefährlich werden. Laut Verkehrszählung befahren täglich rund 11.000 Autos und über 1.200 Radfahrer den Platz. Für Letztere, so Volker Preibisch vom ADFC, „ist die Neugestaltung kein Gewinn“.

Einer der Gefahrenpunkte für Radfahrer: der Abschnitt stadteinwärts vor der Hauptpost

Einer der Gefahrenpunkte: der Abschnitt stadteinwärts vor der Hauptpost. Wer mit dem Rad vom Steintor kommend in Richtung Markt will, „ordnet sich (dort) zwischen den Schienen auf der Linksabbiegespur für Kfz ein“, wie ein von der Stadtverwaltung eigens für Radfahrer erstelltes Faltblatt unter dem Titel „Gute Fahrt - Tipps für Radfahrer“ beschreibt. Ein Fahrrad-Piktogramm im Gleis weist den Weg.

Radfahrer müssen sich also vor der Straßenbahn und vor dem Autoverkehr einordnen - und zwar rechtzeitig. Denn wer sich zu spät entscheidet, gerät im schlimmsten Falle unter die Räder - auch wenn derzeit noch kein Autoverkehr an dieser Stelle rollt. „In Höhe Wilhelm-Külz-Straße gibt es eine Ampel, doch wenn die auf Grün schaltet, sind Autos definitiv schneller“, so Studentin Johanna, die die Strecke fast täglich fährt.

Gefährlich ist der Gleisbereich auch für Radfahrer mit Anhänger

Eine Fahrradschleuse, wie sie Volker Preibisch vom ADFC bereits 2015 gefordert hat, wäre eine Lösung gewesen. Heißt: Radfahrer haben auf einer markierten Fläche vor der Ampel die Möglichkeit, sich vor den Autos zu platzieren. Gefährlich ist der Gleisbereich auch für Radfahrer mit Anhänger. Damit stehe man mit einem Rad immer in den Schienen - hinter und neben sich Autos und Straßenbahnen, so die Studentin, die die Radfahrer außerdem durch die herannahende Tram bedrängt sieht.

Eng wird es auch auf der Westfahrbahn des Curie-Platzes. „Gut, dass es hier zumindest einen markierten Radweg in Richtung Oper gibt“, so Lukas Geiling vom ADFC, der auch den Kreisel vor der Oper lobt. Allerdings sehe er aufgrund des bergauf langsam fahrenden Radlers die Gefahr, dass Pkw-Fahrer überholen wollten - im Gegenverkehr dann wiederum Autos und Radfahrer.

Wer vom Markt zur Oper will, darf gar nicht erst in die Westfahrbahn einbiegen

Wer indes vom Markt zur Oper will, darf gar nicht erst in die Westfahrbahn einbiegen. Er soll stattdessen - auch wenn das Hinweisschild in der Großen Steinstraße fehlt - über die holprige, enge Mittelstraße ausweichen. „Eine inakzeptable Lösung“, so Geiling - und meint damit auch die Tatsache, dass Radler vom Hansering nicht in die Große Steinstraße einbiegen dürften, sondern über Rathaus- und Kleine Steinstraße ausweichen sollen.

„Verkehrsplanung aus den 90ern“ nennt Geiling, der sich mehr Mut zur Veränderung gewünscht hätte, die Platzgestaltung. Eine Idee wäre gewesen, die Ostfahrbahn nur für Fuß- und Radverkehr freizugeben - inklusive Stellplätze für Pkw. „Man hätte aus dem Platz einfach mehr machen können“. (mz)