Neue Gymnasium am Hallmarkt in Halle

Neue Gymnasium am Hallmarkt in Halle: Auf den Spuren des Erfolgs

Halle (Saale) - Auf dem Flur geht es wuselig zu. Schüler wechseln immer wieder von den drei Klassenzimmern in den Computerraum oder in den Musikraum. Was zunächst chaotisch wirkt, ist ein reguläres Schulfach am neuen städtischen Gymnasium in der Oleariusstraße: Sol. Diese kryptische Abkürzung steht für selbst organisiertes Lernen. Dabei arbeiten die Fünfklässler eigenständig an einem Projekt. Im Moment geht es um die Vertonung eines eigenen Hörspiels. „Es geht uns darum, den Unterricht praktischer und realitätsnäher zu gestalten“, sagt die Kunstlehrerin Sabine ...

Von Jan-Ole Prasse 27.03.2016, 06:00

Auf dem Flur geht es wuselig zu. Schüler wechseln immer wieder von den drei Klassenzimmern in den Computerraum oder in den Musikraum. Was zunächst chaotisch wirkt, ist ein reguläres Schulfach am neuen städtischen Gymnasium in der Oleariusstraße: Sol. Diese kryptische Abkürzung steht für selbst organisiertes Lernen. Dabei arbeiten die Fünfklässler eigenständig an einem Projekt. Im Moment geht es um die Vertonung eines eigenen Hörspiels. „Es geht uns darum, den Unterricht praktischer und realitätsnäher zu gestalten“, sagt die Kunstlehrerin Sabine Töpper.

Das Wunder vom Hallmarkt

Das ist natürlich im Moment auch einfacher - noch gehen genau 74 Schüler auf das neue städtische Gymnasium, das erst zum Beginn des vergangenen Schuljahres gegründet wurde. Doch das wird sich bald ändern. Innerhalb von noch nicht einmal einem Jahr hat sich das neue Gymnasium zur beliebtesten Schule in Halle entwickelt. 207 Eltern haben als Erstwunsch für ihr Kind die Schule angegeben - gut 40 mehr als beim Giebichenstein-Gymnasium, das eigentlich seit langem den Titel der beliebtesten Schule in Halle abonniert hatte.

Dieser Trend war vor einem Jahr nicht abzusehen. Damals schienen sich die Befürchtungen vieler Eltern und Kommunalpolitiker zu bewahrheiten, dass das neue Gymnasium eine „Restschule“ werde. Gerade einmal 30 Eltern hatten für die Schule zum Schuljahr 2015 mit dem Erstwunsch votiert. Es ist quasi das „Wunder vom Hallmarkt“.

Für Direktor Jan Riedel, der seit gut zwei Wochen auch offiziell im Amt bestätigt ist, spielt die Lage der Schule die entscheidende Rolle. „Der Standort mitten in der Innenstadt ist aus allen Stadtteilen sehr schnell und gut zu erreichen“, sagt der 33-Jährige. Zudem gebe es mittlerweile ein klares Bekenntnis des Stadtrates, dass die Schule dauerhaft entwickelt werde.

Sanierung erst 2019 abgeschlossen

Doch beide von Riedel genannten Erfolgsfaktoren bringen auch Einschränkungen mit sich. Eine angeschlossene Sporthalle wird die Schule nie haben, zum Unterricht werden die Kinder immer das Gelände verlassen müssen. Für die kommenden drei Jahre in die Turnhalle der Glauchaschule, ab Februar 2018 in die neue Turnhalle am Steg. Und auch Umzugsstress wird in den nächsten Jahren an der Tagesordnung bleiben. Zum Schuljahr 2017/18 muss das Gymnasium in den Gebäudeteil der Gutjahrschule ziehen, anschließend für ein Jahr in den der jetzigen Dreyhauptschule. Erst im Jahr 2019 wird die 8,8 Millionen teure Sanierung der Schule abgeschlossen sein.

Die Grundschule Glaucha wird endlich saniert. Der Stadtrat soll im April den Weg dafür freimachen. Laut Vorlage der Stadtverwaltung wird die Sanierung des alten, gründerzeitlichen Schulgebäudes 5,9 Millionen Euro kosten. Die Ausgaben werden beinahe komplett aus dem städtischen Haushalt finanziert. Lediglich 200 000 Euro für die Gestaltung des Schulhofes kommen aus Fördermitteln. Künftig sollen in dem Gebäude 370 Schüler in vier Klassen pro Jahrgang lernen. Zusätzlich ist ein Hort für 270 Kinder geplant. Am 29. Juli 2017 soll die Schule fertig sein. JOP

Und so ist vielleicht doch der dritte Erfolgsfaktor der entscheidende. Im neuen Gymnasium weht ein Pioniergeist, der überall zu spüren ist. „Allem Anfang wohnt ein Zauber inne“, nennt Riedel das. Denn die sechs Lehrer - im kommenden Schuljahr werden es mehr sein - haben mit ihrer Versetzung einen klaren Wunsch verbunden. „Wir konnten hier noch mal ganz von vorne beginnen und Schule nach unseren Wünschen gestalten“, sagt Kunstlehrerin Töpper. Dazu gehört auch, dass die Lehrer dauerhaft in Jahrgangsteams zusammen arbeiten wollen. Heißt: Die Schüler werden von der fünften Klasse bis zum Abitur begleitet. Dadurch lerne man die Schüler viel intensiver kennen, wisse genau um ihre Stärken und Schwächen, sagt Töpper. „Es hat etwas familiäres und das soll so bleiben.“ Auch, wenn die Schule künftig größer werde.

Und auch beim Namen zeichnet sich Kontinuität ab. Die provisorische Bezeichnung Neues städtisches Gymnasium - kurz NsG - soll bleiben. „Vielleicht in einigen Jahren, wenn wir ein klares Profil haben, werden wir in Absprache mit Eltern und Schülern ändern“, sagt Riedel. (mz)