Regeln für künftige Wohngebiete?

Neubaupläne in Halle stoßen auf Kritik

Von Jonas Nayda
Blick auf die Baustelle für ein Einfamilienhaus im Max-Sauerlandt-Ring im Waldstraßenviertel in Halle.
Blick auf die Baustelle für ein Einfamilienhaus im Max-Sauerlandt-Ring im Waldstraßenviertel in Halle. (Foto: Silvio Kison)

Halle (Saale) - Die Pläne der Stadtverwaltung, bis zum Jahr 2040 mehr als 200 Hektar Land für neue Einfamilienhaussiedlungen im Stadtgebiet auszuweisen, stoßen auf Kritik. Ole Horn, Sprecher der Klimaschutzbewegung Fridays for Future, fordert strikte Regeln, bevor über eine Bebauung nachgedacht wird. „Natürlich ist es für viele Menschen attraktiv, ein Eigenheim bauen zu können, aber Halle muss bis 2030 möglichst klimaneutral werden.“ Es sei deshalb wichtig, dass überall für gute Fahrrad- und ÖPNV-Anbindung gesorgt werde. Außerdem müsse der Energieverbrauch der Häuser im Vergleich zum heutigen Standard deutlich gesenkt werden und Flächenversiegelung so gering wie möglich sein.

Ähnliche Forderungen hatte es bei der jüngsten Sitzung des Planungsausschusses auch von einigen Fraktionen gegeben. Grünen-Stadtrat Christian Feigl kritisierte, dass die Stadt sich zuerst um leerstehende Wohnungen und Häuser kümmern solle, bevor großflächig neue Baugebiete geschaffen werden. „Wir müssen bestehende Flächen neu nutzen“, sagte er. „Wir begrüßen das Konzept, aber wenn es umgesetzt wird, wird es beträchtliche Eingriffe in das Klima geben“, sagte Yvonne Winkler (MitBürger & Die Partei). Neben der Kritik gab es auch Lob von einigen Räten. Eric Eigendorf (SPD) bezeichnete die Pläne als „gute Zielsetzung“, Johannes Streckenbach (CDU) nannte sie „sehr überzeugend“.

„Klar, es ist ein Eingriff in die Natur, der Folgen hat“

„Klar, es ist ein Eingriff in die Natur, der Folgen hat“, sagte René Rebenstorf, Beigeordneter für Stadtentwicklung. Darum werde die Verwaltung im Vorfeld „vertieft untersuchen“, wie sich die Bauvorhaben mit dem Klimaschutz vereinbaren lassen. Im Segment der Einfamilienhäuser gebe es in Halle keinen Leerstand. Die Pläne seien deshalb notwendig, um den Bedarf zu decken. Laut Rebenstorf sollen in den kommenden Jahren nördlich von Bruckdorf und südlich von Lettin jeweils zwei große Neubaugebiete für bis zu 400 Einfamilienhäuser entwickelt werden. Langfristig ist auch ein Neubauareal am Dautzsch geplant.

Im Planungsausschuss wurde der Beschluss zur sogenannten Wohnbauflächen-Bedarfsermittlung vertagt. Die Fraktionen wollen noch einmal intern über die zukunftsweisenden Pläne diskutieren. Eine Entscheidung im Stadtratsplenum soll voraussichtlich im Juli gefällt werden. (mz)