Nächtelang probiert und getestet

Nächtelang probiert und getestet : Burg stellt im 3D-Drucker Schutzmasken für Halle her

Halle (Saale) - In den Werkstätten der Burg wird dringend benötigter Mundschutz jetzt auch im 3D-Druck hergestellt. Dabei wird probiert und getestet - oft nächtelang.

Von Katja Pausch 01.04.2020, 07:00

Es gibt sie in sterilem Weiß und inzwischen auch mit bunten Mustern, industriell gefertigt oder selbstgenäht: Mundschutzmasken. Allerdings - richtiger wäre zu sagen: Es gibt sie nicht. Denn die dringend benötigten Atemschutzmasken, mit denen die Verbreitung des Corona-Virus eingedämmt werden könnte, sind auch in Halle immer noch Mangelware.

Für die Mitarbeiter der Werkstätten der Kunsthochschule Burg Giebichenstein Grund genug, zu handeln: Sie stellen Mundschutz im 3D-Drucker her.

„Überlegt, was wir in der aktuellen Situation Sinnvolles beitragen können“

„Da auch bei uns kein Lehrbetrieb stattfindet, haben wir überlegt, was wir in der aktuellen Situation Sinnvolles beitragen können“, so Martin Büdel, Leiter der Zentralen Werkstätten der Kunsthochschule. Wo sonst in der digitalen Werkstatt am Neuwerk an computergesteuerten Maschinen Anschauungsmodelle, Prototypen und Funktionsteile angefertigt werden, arbeiten daher nun seit Tagen fünf Hochschulmitarbeiter mit Hochdruck an einem neuen Masken-Prototyp - mit Erfolg.

Bei der Beschäftigung mit dem Thema sind die Burg-Mitarbeiter in den USA auf eine Mundschutzmaske gestoßen, deren Herstellungsdatei sie nun nutzen - und abwandeln. „Wir wollen das bestehende Datenmodell vereinfachen, um eine schnelle Herstellung im 3D-Drucker zu ermöglichen“, so Büdel.

Bisher dauer die Produktion noch zu lange

Bisher dauere die Produktion noch zu lange. „Anfangs haben wir noch 20 Stunden für eine Maske gebraucht, jetzt sind wir bereits bei zwei Stunden“, erklärt der Werkstattleiter, der wie seine Kollegen im Homeoffice am 3D-Drucker arbeitet. Ziel sei eine Stunde. Die bereits verkürzte Herstellungszeit der Maske sei ihm dabei zunächst frei nach dem Prinzip „Versuch und Irrtum“ eher durch Zufall gelungen.

„Ich hatte bei einem Druckversuch aus Versehen zu wenige Daten in den Rechner gegeben, so dass die Maske zwar schnell, aber unvollständig gedruckt wurde“, so Büdel, der in der vergangenen Nacht quasi durchgearbeitet habe. Doch gerade dieser „Fehldruck“ könnte die Lösung sein. „An diesem Modell experimentieren wir nun weiter.“

„Wir haben die entsprechenden Fachleute“

Dass die Werkstattmitarbeiter überhaupt derart erfolgreich bei der Entwicklung eines solchen ungewöhnlichen Projekts sind, liegt laut Büdel in einer Besonderheit der renommierten Kunsthochschule. „Wir haben nicht nur eine Vielzahl an Werkstätten unterschiedlicher Gewerke, sondern auch die entsprechenden Fachleute“, so Büdel.

Viele Hochschulmitarbeiter hätten gleich mehrere, auch technische Berufsabschlüsse, zudem sei man auch im Homeoffice sehr gut vernetzt - nicht nur miteinander, sondern international. So gebe es inzwischen einen regen Austausch mit anderen Forschern zum Thema.

Gummiband - für das Befestigen des Mundschutzes

Neben dem 3D-Druck wollen die umtriebigen Burg-Designer und -Techniker auch Masken über ein Tiefziehverfahren sowie über Stereolithographie - ein mit Laser gehärtetes Kunststoffpulver - herstellen. Sämtliche Masken werden nach Prüfung durch das Fraunhofer-Institut der Stadt kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Und während in der Textilwerkstatt der Burg die Stoffeinlagen für die Masken hergestellt werden, benötigen Büdels Leute noch etwas ganz Profanes: Gummiband - für das Befestigen des Mundschutzes. (mz)