MZ-Interview mit HFC-Trainer

MZ-Interview mit HFC-Trainer: Leidenschaft gegen Defizite

Halle/MZ - Vor dem Saison-Start des Halleschen FC am Freitag um 20.30 Uhr gegen Aufsteiger RB Leipzig unterhielt sich Christoph Karpe mit HFC-Trainer Sven Köhler.

Vor dem Saison-Start des Halleschen FC am Freitag um 20.30 Uhr gegen Aufsteiger RB Leipzig unterhielt sich Christoph Karpe mit HFC-Trainer Sven Köhler.

Herr Köhler, Ihre Mannschaft hat im Vergleich zur Vorsaison ein völlig neues Gesicht. Präsident Michael Schädlich hat vor Wochen davon gesprochen, die neue Mannschaft wird wie eine Skulptur aussehen. Was sehen Sie im Blick darauf gerade?

Sven Köhler: Sie wird noch geformt. Nach dem Aufstieg im Vorjahr sind wir im Prinzip mit einer Regionalliga-Mannschaft gestartet. Diesmal haben wir einige mehr Spieler dabei, die zumindest Zweitliga-Erfahrung haben, was für ihr Potenzial spricht. Irgendwo ging es für sie dann in dieser Liga nicht weiter, also bieten wir ihnen eine neue Perspektive. Aber Stammspieler aus Liga zwei, die Illusion brauchen wir gar nicht zu haben, kommen nicht mal eben so nach Halle. Und wir haben einige Absagen bekommen - auch wenn die Kandidaten begeistert waren, wie wir uns bemüht haben. Ich verstehe die Spieler sogar. Sie müssen in den 15 Jahren ihrer Karriere Geld verdienen. Da soll auch danach noch etwas bleiben. Aus der dritten Liga kommt keiner mit Reichtum raus. Und da ist es dann schon entscheidend, wenn es irgendwo anders 1 000 Euro im Monat mehr zu verdienen gibt.

Welche Klasse hat die Mannschaft im Vergleich zu der des Vorjahres?

Köhler: Sie ist jung, dynamisch und perspektivisch ausgelegt. Sie soll das HFC-Gerüst für die kommenden Jahre bilden. Wenn es gelingt, noch einen richtig guten Stürmer zu verpflichten, dann ist sie sicherlich besser als die vom Saisonstart 2012. Eine Garantie hast du natürlich nie. Wir müssen uns erst einmal so schnell wie möglich als Team finden. Und das geht nur über Punktspiele. Deshalb wird es Zeit, dass es losgeht.

Zum Auftakt geht es gegen RB Leipzig. Ringsherum gibt es ein großes Brimborium. Hätten Sie sich ein einfacheres Spiel gewünscht?

Köhler: Mit Leipzig kommt eine Mannschaft, die im Wesentlichen zusammengeblieben ist und punktuell sehr gut verstärkt wurde. Wir haben einen Neustart, ein neues Team. Noch wird und kann bei uns nicht alles 100-prozentig funktionieren. Es nutzt nichts zu jammern. Wir werden aus den Gegebenheiten das Beste machen. Und wir können froh sein, das Saison-Auftaktspiel bestreiten zu dürfen: volles Stadion, tolle Atmosphäre. Und in der wollen wir mit Leidenschaft eventuelle Defizite im Zusammenspiel wettmachen. Eine Mannschaft wie Leipzig ist sicherlich nicht über eine Saison hinweg zu stoppen. Aber in einem Spiel geht das.

Wo landet der HFC am Ende der Saison? Wird es nach Rang zehn diesmal ein einstelliger Tabellenplatz?

Köhler: Das wäre sensationell. Wir wissen, dass es in der letzten Saison knapp war, wir erst am letzten Spieltag auf Platz zehn gerutscht sind und bis zum vorletzten Spieltag bangen mussten. Es geht darum, vorwärts zu kommen. Das ist das Ziel. Und das heißt: Viel früher 45 Punkte erobern und zeitiger nichts mehr mit dem Abstieg zu tun haben.

Darf der HFC trotzdem auch einmal nach oben schauen?

Köhler: Nehmen wir Aue. Es ist sensationell, wie der Verein sich mit seinen Möglichkeiten in der zweiten Liga hält. Dort sollte niemand auf die Idee kommen und von der ersten Bundesliga reden. Für den HFC ist es aktuell sicherlich nicht einfach, die dritte Liga zu stemmen. Wir haben ein solides Fundament mit unseren regionalen Sponsoren und sind aktuell gut dabei. Für Größeres bräuchte es größere Geldgeber. Deren Interesse müssen wir wecken - mit guten Leistungen, mit einem tadellosen Ruf. Sicherlich soll es auch für den HFC über kurz oder lang nach oben gehen. Aktuell sollte das nicht das Thema sein.

Ihr Vertrag hatte sich durch den Klassenerhalt automatisch verlängert. Ist das diesmal genauso?

Köhler: Es wäre schon clever von mir, wenn das jedes Mal so ginge (lacht). Nein, mein Vertrag läuft im nächsten Sommer aus.

Und wenn Präsident Michael Schädlich jetzt käme und einen neuen Zweijahresvertrag vorlegen würde...

Köhler: ..dann würde ich sofort unterschreiben. Es macht mir auch nach sechs Jahren noch Spaß hier. Wir haben uns Schritt für Schritt weiterentwickelt, haben ein schönes Stadion, ein tolles Umfeld. Persönlich weiß man längst, was man aneinander hat. Der nächste Schritt ist, uns dauerhaft in der dritten Liga zu etablieren. Aber dabei geht es nicht vordergründig um den Trainer. Auch ich weiß, dieses Geschäft ist schnelllebig.

Im Vorjahr hatten sich Aachen und Offenbach, im Drang aufsteigen zu wollen, finanziell übernommen. Gibt es wieder Zwangsabsteiger?

Köhler: Ich bin Trainer. Wenn ich mich mit den Finanzen anderer Klubs beschäftigen würde, das würde mich nur verrückt machen. Ich kann nicht ändern, wie die Gesellschaft funktioniert. Das ist Kapitalismus. Ich weiß nur, dass wir in Halle nach bestem Wissen und Gewissen handeln. Und ich hoffe, dass wir dafür belohnt werden.