Müll, Feinstaub und Fridays for Future

Müll, Feinstaub und Fridays for Future: Das ist die Silvesterbilanz in Halle

Halle (Saale) - Am Neujahrstag wird das Ausmaß der nächtlichen Böllerei sichtbar. Die Stadtwerke rechnen mit bis zu 22 Tonnen Müll. Feinstaubgrenzwerte überschritten.

Von Jonas Nayda 02.01.2020, 08:07

Der ohrenbetäubende Krach, der in der Silvesternacht zwischen den Häusern der Innenstadt hallte, ist am Neujahrsmorgen längst verflogen. Wie ein Schlachtfeld sehen einzelne Abschnitte des Marktplatzes und der umliegenden Straßen jetzt aus: Zerfetzte Plastikteile, Reste von Raketen und leere Sektflaschen. Aber nach einer guten Party muss auch wieder aufgeräumt werden. Halle zeigt, wie es gehen kann.

Seit morgens früh um 7 Uhr sind am Mittwoch die Mitarbeiter der Halleschen Wasser und Stadtwirtschaft (HWS) im Einsatz. Mit drei Kehrmaschinen, einem Papiersammler, einem Kleintransporter und etlichen Besen beackern sie vor allem die Innenstadt. Um 10 Uhr ist der Marktplatz schließlich blitzeblank. Dort war nachts besonders viel Feuerwerk gezündet worden. In den umliegenden Straßen der Innenstadt haben es die HWS-Mitarbeiter teilweise mit kiloschweren Pyro-Batterien zu tun, die auf der Straße liegen.

Fridays-for-Future-Aktivisten räumen auf

Wie Iris Rudolph, Sprecherin der Stadtwerke, sagt, werde der Reinigungsaufwand von Jahr zu Jahr immer höher, weil auch die Größe der Raketenbatterien zugenommen habe. Sie passen nicht durch den Saugschacht der Kehrmaschinen und müssen einzeln per Hand aufgesammelt werden. Zwar gilt laut Rudolph eigentlich das Verursacherprinzip - Wer Dreck macht, macht auch sauber - aber die HWS kehren trotzdem. Ziel sei es, die Stadt innerhalb einer Woche wieder sauber zu kriegen.

Müll mit den Händen aufzusammeln, könne auch Spaß machen, wenn man sich dabei mit Freunden unterhalten kann und etwas für die Umwelt tut, sagen die Fridays-for-Future-Aktivisten, die am Neujahrstag nachmittags unter anderem den Bebel-Platz aufräumen. Etwa 50 Menschen haben sich zu der gemeinsamen Aktion getroffen. „Es war eine spontane Idee und gemeinsam macht es mehr Sinn“, sagt der 15-jährige Max-Ferdinand Zeh. Er selbst habe an Silvester nicht geböllert. Darauf habe er „absolut keine Lust“ gehabt.

HWS rechnet mit 17 bis 22 Tonnen Müll alleine an Silvester auf den Straßen

Auch in anderen Stadtteilen nutzten Menschen das schöne Wetter, um die Reste der Raketen und Knallkörper auf den Straßen wegzuräumen. Insgesamt rechnet die HWS mit 17 bis 22 Tonnen Müll, der alleine an Silvester auf den Straßen liegen gelassen wurde. Im Vorjahr waren es rund 15 Tonnen.

Ein Großteil der Silvesterböller liegt jedoch nicht auf den Straßen, sondern er fliegt in Form von Feinstaub durch die Luft. Die Messstationen des Luftüberwachungssystems Sachsen-Anhalt registrierten ab Mitternacht teilweise einen dramatischen Anstieg der Werte. Etwa am Riebeckplatz, wo nachts der Grenzwert um mehr als das doppelte überschritten wurde.

Auch die Messstation Halle Nord im Paulusviertel registrierte in der Nacht mehr als 80 Mikrogramm Feinstaub-PM10 pro Kubikmeter im Durchschnitt der vergangenen 24 Stunden. Der Grenzwert liegt bei 50 Mikrogramm pro Kubikmeter in 24 Stunden. (mz)