Mit lautem, frischem Wind

Mit lautem, frischem Wind: So laufen die Saisonvorbereitungen bei den Gisa Lions

Halle (Saale) - Es ist einige Zeit her, dass es diese energischen Ansagen gab. „Warum zögerst du und schmeißt dann den Ball einfach weg? Du hattest eine gute Position. Wirf den Ball doch einfach auf den Korb!“, sagt Peter Kortmann. Auf seine direkte Art hatte er vor zehn Jahren schon halleschen Bundesliga-Basketballerinnen Beine gemacht und sie immer in die Meisterschafts-Playoffs geführt. Jetzt ist er zurück in seinem ...

Von Christoph Karpe
Gute Laune, lange, fliegende Rastas: Naheria Hamilton könnte die Entdeckung der Saison in der Bundesliga werden. www.imago-images.de

Es ist einige Zeit her, dass es diese energischen Ansagen gab. „Warum zögerst du und schmeißt dann den Ball einfach weg? Du hattest eine gute Position. Wirf den Ball doch einfach auf den Korb!“, sagt Peter Kortmann. Auf seine direkte Art hatte er vor zehn Jahren schon halleschen Bundesliga-Basketballerinnen Beine gemacht und sie immer in die Meisterschafts-Playoffs geführt. Jetzt ist er zurück in seinem Revier.

Das heißt zwar nun nicht mehr Sporthalle Burgstraße, sondern Erdgas Sportarena, aber das stimmt den Trainer-Rückkehrer sogar froh. „Die Halle ist ein Schmuckkästchen. Ich bin viel rumgekommen und weiß, wovon ich rede: Die Infrastruktur-Bedingungen sind erstklassig. Das Beste in Deutschland neben Osnabrück“, sagt Peter Kortmann über seinen neuen Arbeitsplatz.

Peter Kortmann soll Talfahrt der Gisa Lions stoppen

Nun ist es an ihm, aus den guten Voraussetzungen das maximal Mögliche herauszuholen. Heißt, die Talfahrt von Halles Damen-Basketball zu stoppen und die Gisa Lions vom SV Halle wieder zu einer festen Größe in der ersten Liga zu machen.

„Wir wollen schnell in ruhiges Fahrwasser kommen“, sagt Kortmann mit Blick auf die Saison. Heißt: Um den Klassenerhalt zittern soll niemand mehr, der Sympathien für den traditionsreichen halleschen Basketball hegt.

Halles Basketball-Damen trainieren für Saisonstart

Seit Montag, als die Saisonvorbereitung mit einem Konditionstest begann und abends in Halle-Neustadt die ersten Spielformen in der Halle folgten, steht das Lions-Team im Training. „Die Verfassung der Spielerinnen ist zufriedenstellend. Es gibt nach der langen Corona-Pause noch Defizite, aber wir können arbeiten“, sagt Kortmann, nachdem ihm die halleschen Sportwissenschaftler um René Schwesig die Testwerte haben zukommen lassen.

Die Defizite wird Kortmann in den kommenden sechs Wochen abbauen. Das Wichtigste für ihn: „Die Damen sind motiviert und konzentriert. Und sie haben eine wirklich gute spielerische Qualität.“

Gisa Lions mit neuem Kader

Nur vier Spielerinnen, Inken Henningsen, Barbora Kasparkova, Laura und Janina Schinkel, sind aus dem Kader der letzten Saison übrig geblieben. Kein Wunder, schließlich war die Mannschaft unter dem portugiesischen Trainer Jose Araujo mit nur vier Siegen Letzter geworden. Nur dem Corona bedingten Abbruch der Saison und der Regelung, dass das Zwölferfeld der Liga in der neuen Serie identisch dem der vergangenen sein soll, verdanken die Gisa Lions ihren aktuellen Platz im Oberhaus.

„Den Nachweis erstligatauglich zu sein, hatten viele aus dem Kader nicht erbracht. Außerdem hat jeder Trainer anderen Vorstellungen, wie er Basketball spielen lassen will“, begründet Peter Kortmann den radikalen Umbruch. „Ich möchte mit hohem Tempo spielen lassen und setze auf gewisse Wurfqualitäten. Das alte Team hätte nicht gepasst, das hatte zu viel Mittelmaß“, sagt er deutlich.

Eilidh Simpson soll Gisa Lions zum Sieg führen

Also holte er sich neue Anführerinnen. Fest steht: Die Chefin wird Eilidh Simpson, die Kapitänin der englischen Nationalmannschaft. „Denker und Lenker“, nennt sie der Coach. Die US-Girls Candice White und Darien Huff „bringen hohe Qualität bei den Würfen von außen mit“. Und in der Mitte unter dem Korb agiert Kortmanns grandiose Entdeckung: die US-Amerikanerin Naheria Hamilton, 195 Zentimeter, athletisch, beweglich und für ihre Größe ungemein flink. „Sie sticht nicht nur wegen ihrer Größe heraus“, sagt Kortmann.

Aber eines betont er: „Jede im Kader hat die Gelegenheit, in den kommenden Trainingswochen zu zeigen, dass sie unverzichtbar ist und Anspruch auf viel Spielzeit hat.“ Das gelte auch für die zwei halleschen Talente Charlotte Kreuter und Lilly Oswald, die im Training zunächst lernen sollen, in den Spielen aber deshalb nicht zwangsläufig nur Zuschauerinnen sein müssten.

Kortmann will Spielerinnen langfristig halten

Am Wochenende fährt die Lions-Mannschaft, die alle Corona-Tests prima überstanden hat, ins Camp nach Naumburg. Dort wird Kortmann Einzelgespräche führen und die Damen einschwören. „Ich will langfristig etwas aufbauen. Deshalb haben viele Spielerinnen die Option auf eine Verlängerung im Vertrag“, verrät der Coach.

Und im Training ruft er nach einem weiteren Stopp: „Dieses eine Zuspiel noch, das ihr eben verpasst habt, würde euch zu einem Playoff-Team machen.“ (mz)