Lions gegen Tabellenführer Osnabrück

Lions gegen Tabellenführer Osnabrück: Christin Mercer geht lächelnd ins Schicksalsspiel

Halle (Saale) - Christin Mercer hat gute Laune. Munter schlendert sie in Jogginghose durch die Katakomben der Erdgas Sportarena, im Gesicht ein breites Lächeln. Das wichtigste Duell der Zweitliga-Saison vor der Brust - und Mercer wirkt ...

Von Tim Fuhse 30.11.2018, 15:54

Christin Mercer hat gute Laune. Munter schlendert sie in Jogginghose durch die Katakomben der Erdgas Sportarena, im Gesicht ein breites Lächeln. Das wichtigste Duell der Zweitliga-Saison vor der Brust - und Mercer wirkt gelassen.

Das ist die Art der aufgeweckten US-Amerikanerin. Aber natürlich spürt sie ihn, den Druck. „Mein Highschool-Coach hat früher gesagt: Wenn du nicht nervös bist, bist du nicht bereit zu spielen“, sagt Mercer. Und an diesem Samstag wird die Flügelspielerin bereit sein müssen. Die Gisa Lions empfangen Tabellenführer Osnabrück auf heimischem Parkett. Der Weg zum Wiederaufstieg führt nur über die starken Panthers.

Gisa Lions wollen Revanche für Pokal-Pleite

Und dann gibt es da ja auch noch eine offene Rechnung. Mitte September hatte Osnabrück die Hallenserinnen zum Saisonauftakt im Pokal mit 70:53 regelrecht abgefertigt. Und Mercer den ersten Pflichtspiel-Auftritt im Lions-Dress gehörig vermiest. „Man muss es ihnen lassen, sie haben ihren Matchplan gut umgesetzt“, erkennt die 24-Jährige rückblickend an. Anders als die Löwinnen: „Unsere Chemie war noch nicht so, wie sie jetzt ist.“

Mercer selbst weilte damals erst wenige Wochen in Halle, war gerade von Olivais San Coimbra aus Portugal an die Saale gewechselt. Gemeinsam mit Lions-Coach José Miguel Araujo, der sie bereits dort trainierte. „Mir hat gefallen, wie er mit den Spielerinnen arbeitet, sein Basketball-IQ“, sagt die US-Amerikanerin über ihren alten und neuen Übungsleiter, mit dem sie sich auch denselben Agenten teilt.

Christin Mercer folgte Trainer José Miguel Araujo aus Portugal nach Halle

Als Araujos Anruf aus Halle kam, musste sie nicht lange überlegen: „Of course coach, I got you“ - Klar Trainer, ich bin dabei. Ein guter Griff für die Lions. Mit 16,9 Punkten pro Spiel ist die 185 Zentimeter große Mercer bislang eine Garantin für die gefällig angelaufene Zweitliga-Saison. Ihre robuste Physis hilft unterm Korb, rund zehn Rebounds fängt sie derzeit durchschnittlich.

„Ich war schon immer größer als die anderen“, sagt Mercer. Als Jugendliche habe man sie deshalb oft gegen ältere Jahrgänge aufs Parkett geschickt. Lehrreich sei das gewesen. Gelernt hat sie das Spiel aber auf den Straßen von Douglasville, Georgia: „Bis zur achten Klasse habe ich keinen organisierten Basketball gespielt.“

Sondern, so Mercer, mit ihrem großen Bruder dem Ball hinterhergejagt, schon als Fünfjährige. Oder im Jux-Team beim „Girls and Boys Club“, einer Kinderbetreuung, Körbe geworfen. So wie das eben lief in ihrer Nachbarschaft im US-Bundesstaat Georgia.

„Basketball war der Sport, den alle gespielt haben“, schildert Mercer. Und in dem die junge Christin bald heraus stach. Nach der Highschool kam sie per Stipendium ins prestigeträchtige Sport-Programm der University of Florida, lief dort im blauen Dress der „Gators“ Woche für Woche vor über 1 000 leidenschaftlichen Fans auf. Der Uni-Sport begeistert in den USA die Massen, ist Eingangstor zu den Profis. „Großartig“, sagt Mercer, „Die Anhänger waren herausragend.“

Christin Mercer hardert noch mit dem Wetter in Deutschland

Nebenbei studierte sie Kriminologie, später Politikwissenschaften und Soziologie an der Jacksonville University. Dazu der Leistungssport - ein Mammut-Pensum. „Ich bin um 5 Uhr aufgestanden, hatte um 6.30 Uhr das erste Training“, schildert Mercer. Schwierig sei das gewesen, aber mit der Zeit habe sie ihre Balance gefunden.

Auch in Halle ist die gesellige US-Amerikanerin mittlerweile angekommen. „Ich passe mich schnell an“, sagt Mercer und schiebt hinterher: „Und die Mädchen haben es einfach gemacht.“ Die gute Chemie im Team tröste darüber hinweg, dass nun ein 13-Stunden-Flug zwischen ihr und der Heimat liegt.

Bloß mit dem deutschen Wetter kann sich die US-Südstaatlerin noch nicht so recht anfreunden. „Ich habe gedacht, Portugal sei kalt“, sagt sie und lacht. Regelrecht respektlos sei das, wie einem die Kälte derzeit draußen ins Gesicht schlage - solche Späßen reißt sie mit Teamkollegin Jalea Bennett, um sich die frostigen Temperaturen erträglich zu machen. Geteiltes Leid, halbes Leid.

Überhaupt, das Team. Immer besser verstehe man sich untereinander. Kommunikationsprobleme? Fehlanzeige. Jetzt noch konstanten Basketball spielen, einen Ballbesitz nach dem nächsten. Dann werde die Formkurve bald senkrecht nach oben schießen - „skyrocket“, wie Mercer es mit blumigem US-Wortschatz ausdrückt. Und mit guter Laune, die kann ihr Niemand nehmen. Auch kein Entscheidungs-Spiel vor der Brust. „Es sollte lustig werden“, sagt Mercer über das Duell mit Osnabrück.

››Anwurf zum Top-Spiel ist um 18 Uhr in der Erdgas Sportarena. (mz)